Ich habe hier schon ein paar Kameras für Kodak's Instamatic-Kassette 126 vorgestellt, von der ersten Instamatic 100, über die schicken Agfamatics bis zur anspruchsvollen Yashica EZ-matic 4. Außerdem bin ich stolzer Besitzer aller fünf jemals gebauten SLR-Kameras für dieses Format. Wenn es aber um die Frage nach der besten 126er-Kamera geht, dann stimmen mir sicher viele Experten zu: Es ist diese Rollei A26, ein technischer Geniestreich von Heinz Waaske. Genau, DER Heinz Waaske, der schon die geniale Rollei 35 konstruiert hat. Mit der A26 setzt er 1972 nochmal eins drauf und kreiert eine Kamera, die nicht viel größer ist als die Filmschachtel für den PAK-Film, für den sie konstruiert ist. Gleichzeitig enthält die Kamera ein hochwertiges Objektiv, eine Belichtungsautomatik und schützt im geschlossenen Zustand alle Bedienelemente vor Fehlbenutzung und Verschmutzung. "Cleaner" geht Kameradesign fast nicht.
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| Zeichnung aus der Patentschrift DE 2028430. Hauptanspruch ist dieser Mechanismus zum mechanischen Rein- und Raus- fahren des Objektivs. |
Zentrales Bedienelement ist die relativ einfache, äußere schwarz belederte Blechhülle, die man auseinander zieht. Dabei wird über eine komplexe Mechanik zunächst die Objektivschutzklappe zur Seite geschwenkt und dann das Objektiv ausgefahren und an der äußeren Stelle arretiert. Diese Konstruktion bildet die Grundlage für den Hauptanspruch von Waaske's Patent DE2028430. Beim Aufziehen kommt außerdem der Sucher und der zentral platzierte orange Auslöser zum Vorschein. Wird dieser zur Aufnahme betätigt, die selbstredend durch eine Belichtungsmesser-gesteuerte Programmautomatik (Trap-Needle) geregelt wird, und schließt man die Kamera danach wieder durch Zusammenschieben, wird der Film (zur Hälfte) transportiert und der Verschluss gespannt. Ein erneutes Auseinanderziehen für die nächste Aufnahme erledigt den Rest des Filmtransports. Waaske hat natürlich auch einen Freilauf in seiner durch verschiedene Planetgetriebe realisierten Mechanik vorgesehen: Die Kamera kann man natürlich beliebig oft auf- und wieder zuschieben, ohne dass der Film transportiert und der Verschluss gespannt wird. Nur das Objektiv fährt immer wieder rein und raus.
Die A26 war nicht nur die beste 126er Kamera, sondern gehörte auch zu den letzten, die dafür auf den Markt kamen. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass Kodak im Frühjahr 1972 den Fotomarkt mit noch einer neuen Instamatic-Kassette ("Pocket-Film", 110er) aufrüttelte. Die bis dahin im Massenmarkt so erfolgreiche 126er Kassette sah plötzlich alt aus. Keine guten Marktstart-Voraussetzungen für Rollei und Heinz Waaske, die die fast fertige Kameraentwicklung (und Vorproduktion) nicht mehr stoppen konnten. Waaske und das Rollei-Management nahmen's sportlich und präsentierten die Kamera stolz auf der Photokina in Köln. Waaske wird mit dem Satz zitiert: "Die anderen bauen große Kameras für kleine Filme - wir bauen eine kleine Kamera für große Filme!"
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Die A26 war natürlich auch eine der teuersten 126er Kameras. Mit Anfangs 418 DM gehörte sie klar ins Premiumsegment. Dies und die o.g. Umstände führten dazu, dass sie mit 100.000 Exemplaren hinter den Rollei-Erwartungen zurückblieb, die mit der Rollei 35 (500 Tausend, 2.5 Millionen für die ganze Rollei 35 Serie) anderes gewohnt waren. Aber Heinz Waaske durfte nochmal 'ran und seine Grundkonstruktion an die kleinere Pocket-Kassette adaptieren: Schon 1974 kommt mit der A110 die kleinste und ebenfalls vermutlich beste Pocket-Kamera auf den Markt, die sich bis 1981 über 200-Tausend mal verkauft, trotz ebenfalls hohem Preis.
| Datenblatt | Kompakte, automatische Sucherkamera für Kassettenfilm (126) |
| Objektiv | Sonnar 40 mm f/3.5 (Zeiss Lizenz, 4 Linsen) |
| Verschluss | Spezieller Prontor-Zentralverschluss mit Trap-Needle Steuerung. Gebaut von Rollei in Lizenz. |
| Belichtungsmessung | CdS-Belichtungsprogrammautomatik, stufenlos von 1/30s - f/3.5 bis 1/250s f/22 mit optischer Grenzwertanzeige im Sucher. Automatische Empfindlichkeitseinstellung 18 - 27 DIN (50 - 400 ASA). |
| Fokussierung | Manuell mit Einstellsymbolen (Oberseite) und m/ft-Skala (Unterseite des Objektivs). Kürzeste Einstellung 1 m/3.5 ft. |
| Sucher | optischer Leuchtrahmensucher. |
| Blitz | Optional ansteckbarer Computerblitz C26 im selben Design, LZ 21 inkl. automatischer Blitz und Blendensteuerung. |
| Filmtransport | in zwei Schritten beim Auf- und Zuschieben des Gehäuses, Kontrolle und Bildzählwerk über Rückseitenfenster |
| sonst. Ausstattung | Relais-Auslöser, Doppelbelichtungssperre, Beliebiges Öffnen und Schließen der Kamera ohne Filmtransport, aber mit automatisch versenktem und mit Schieber geschütztem Objektiv. |
| Maße, Gewicht | 94 (112) x 63 x 33 (50) mm geschlossen (offen), 280 g (mit Film 305 g). |
| Batterie | PX625, 1.35 V |
| Baujahr(e) | Juli 1972 - Anfang 1976, ca. 100.000+ Exemplare, davon bis zu 10.000 in Braunschweig, die anderen "made by Rollei Singapore". |
| Kaufpreis, Wert heute | 418 DM, ab 1975 ca. 298, Abverkauf 1976 ff: 199 DM. Heute ca. 30 € |
| Links | Camera-Wiki, Emtus, Deutsches Kameramuseum, Buch: Jörg Eikmann, Ulrich Vogt: "Kameras für Millionen", Wittig Verlag 1997, ISBN 3-930359-56-1. |



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