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2023-10-21

Kodak AG, Stuttgart - Nachkriegs Kameraproduktion

Nachkriegs-Kameraproduktion der Kodak AG in Stuttgart in Modellgruppen.
Es fehlen die einfacheren Instamatic-Kameras von 1963 bis zur Produktionseinstellung 1970.

Das hier ist die Fortsetzung meines Beitrags über die Kodak (Nagelwerk) Vorkriegs-Kameraproduktion. Methode und Quelle sind dieselben, diesmal geht es um die Wirtschaftswunderzeit nach dem 2. Weltkrieg, die in der (west-) deutschen Kameraindustrie insbesondere in den 1950er Jahren durch stetes Wachstum geprägt war. Das hielt bis hinein in die frühen 1960er und dann ging es Kodak wie allen anderen deutschen Mitbewerbern: Es ging wieder bergab, die Japaner kamen mit zum Teil besseren und gleichzeitig preiswerteren Kameras. Die westdeutsche Kameraindustrie rutschte reihenweise in die Pleite, konsolidierte oder schaute sich nach anderen Tätigkeitsfeldern um. Kodak in Stuttgart ging es vergleichsweise noch gut, war man doch Teil des weltweit größten Filmherstellers. In den 1970ern wurden in Stuttgart noch eine ganze Reihe eher einfacher Instamatic-Kameras produziert. Schließlich wurde die Kameraproduktion 1979 endgültig eingestellt. Letztes Modell war die EK8 Instant Camera (einzige Sofortbildkamera aus Stuttgart). Wieviele von diesen ganzen nicht-Retina Kameras produziert wurden konnte ich leider nicht rausbekommen, Helmut Nagel nennt in seinem Buch weder Zahlen noch Preise.
  
Wenn man sich die Grafik oben im Vergleich mit den Vorkriegszahlen anschaut, fallen zwei Dinge auf: Nach dem Krieg werden in Stuttgart nur noch Kleinbildkameras gebaut, keine preiswerten Box- oder Mittelformat-Balgenkameras mehr. Daher wird trotz anfangs steten Wachstums der Jahres-Produktionsrekord von 1936 zumindest zahlenmäßig nicht mehr eingestellt. Bei den Kleinbildkameras sieht es allerdings anders aus: hier werden schon 1948 mehr Retinas gebaut als im bisherigen Rekordjahr 1939.

Produktionszahlen der klassischen Modelle
(auf Basis der Vorkriegs-Designs)
Retina 010
Retina I (010)
Das Nagelwerk in Stuttgart-Wangen hat als einer der ersten Kamerahersteller nach dem Krieg wieder die Produktion aufnehmen können. Hilfreich war sicher, dass man als amerikanischer Konzern in der amerikanischen Besatzungszone wohl einige Hilfe bekam oder zumindest bevorzugt behandelt wurde. Schon Ende 1945 waren die gröbsten Schäden beseitigt und es ging da weiter, wo man 1941 aufgehört hatte: Mit der Retina-I natürlich, die unter der Typennummer 010 1946 wieder auf den Markt kam. Bis 1954 wurden davon nochmal genau so viele Kameras gebaut wie vor dem Krieg! Auch die Retina II (mit Entfernungsmesser) wurde in modifizierter Form wieder ins Programm genommen. Ab 1949 gab es dann zur Abrundung des Portfolios nach unten auch wieder eine Retinette, produziert auf demselben Chassis mit den selben Werkzeugen.  Ich habe alle diese Kameras daher hier als "Klassische Modelle" zusammengefasst. Neu-Entwicklungen brauchen seine Zeit und die brach bei Kodak 1954 an, als die gesamte Produktion auf moderner wirkende Gehäuse mit runderen Formen und Chrom-glänzenden Gehäusekappen umgestellt wurde:

Unterseite aller Retina und Retinette Kameras
ab 1954. Abgerundete Form und Schnellschalt-
Hebel an einer seltsamen Stelle. 
Die Retina Serie wurde entsprechend mit dem modernen Modell Ib fortgesetzt. Natürlich gab es auch das Modell II mit Entfernungsmesser, das interessanterweise nicht die Modellnummer IIb sondern IIc verpasst bekam. Die Palette wurde durch eine neue Variante mit eingebautem Belichtungsmesser (Selen) erweitert, die entsprechend IIIc genannt wurde. Die Kleinschreibung der Buchstaben ist in diesem Zusammenhang wichtig, da es 1957 für alle Varianten eine Modellpflege gab, die Updates bekamen schlicht den entsprechenden Großbuchstaben verpasst. Bis auf einen vergrößerten und technisch verbesserten Sucher und kleineren Designanpassungen blieben die sonstigen Kamerafeatures dieselben.

Modernere Sucher- und Messsucher-
Retinas, ab 1958 auch welche ohne
den klassischen Balgen.
Was alle diese Kameras noch mit ihrer „Großmutter“ Retina-I von 1934 verband war der Balgen und das damit versenkbare Objektiv. Kodak bediente damit eine gewisse Tradition und seine Fans, merkte aber natürlich, dass dieses Feature immer mehr aus der Mode kam und die Wettbewerber es so gut wie gar nicht mehr anboten. Und so gab es ab 1958 bzw. 1959 jeweils die Versionen IIS und IIIS mit fest angebautem (Wechsel-) Objektiv, dazu unten bei den Retina-Spiegelreflexkameras mehr. 
Retinette IA (044)

Mit der neuen runderen Gehäuseform gab es schon ab 1954 eine neue Retinette-Generation (Nagel-Nr. 022), die konsequent auf low-budget getrimmt war. Der komplizierte Balgen und Spreizenmechanismus fiel weg, alle Retinetten hatten von da an ein starr angebautes drei-linsiges Objektiv mit Frontlinsenfokussierung. In den meisten Fällen war dies das angeblich nur für die Retinette neu gerechnete und vergütete Schneider-Kreuznach Reomar 45 mm f/3.5. Die Retinetten für den französischen Markt bekamen ein entsprechendes Objektiv von Angenieux. Hatten frühere Retinetten noch einfachere Verschlüsse, so besaßen alle Modelle für den deutschen Markt zumindest einen Compur-Rapid (bis 1/500 s). Damit kostete die Retinette 118 DM, immerhin 80 DM (oder 40%) weniger als eine nur unwesentlich besser ausgestattete Retina Ib (198 DM) aus demselben Jahr. 


Die Low-budget Kameras hießen Retinette
Ab 1958 wurde das Design-Update auch den Retinetten zuteil und man führte eine Modell-Differenzierung a la Retina ein. Es gab folglich eine Retinette II mit einem 2.8 Reomar (immer noch 3 Linsen!) und eine IIB mit eingebautem ungekuppelten Belichtungsmesser. Das zahlenmäßig erfolgreichste Modell blieb mit 781.000 Stück in 8 Jahren die Retinette IA, zu 98 DM (1959), 118 DM (1960), bzw. 128 DM ( ab 1963). Diese hatte auch keinen Compur-Rapid, sondern "nur" noch Pronto(r) Verschlüsse. 

Insgesamt scheinen die Grenzen zwischen Retina und Retinette mit der Zeit immer weiter zu verschwimmen, teilen sich doch alle Kameras seit 1954 das selbe Grundgehäuse mit dem seltsamen Schnellschalthebel auf der Unterseite. Immerhin hatte man damit einige Freiheitsgrade auf der Kameraoberseite, um Belichtungs- oder Entfernungsmesser unterzubringen, und das in fast allen Preisklassen. 
Retina's mit Belichtungsautomatik
bzw. Nachführmessung
Ab 1960 wird die Modellvielfalt fast unübersichtlich, denn auch Kodak musste auf den Optima-Schock reagieren und brachte gleich drei im Feature-Set abgestimmte "Retina automatic" (I bis III). Diese Trap-needle Kameras waren aber vergleichsweise wenig erfolgreich, die Kunden kauften wohl lieber das um 100 DM preiswertere Original von Agfa. Daher war schon nach knapp 3 Jahren wieder Schluss mit diesem Belichtungsautomatik-Ausflug. Kodak brachte im Design der automatic-Kameras noch drei letzte Retinas mit Nachführmessung, zwei davon mit eingebautem Blitzbirnchen-Halter, alle wenig erfolgreich. 

Mehr erfolgreich war allerdings die Retina Reflex Serie, mit der Kodak ab 1956 auf den Spiegelreflex-Zug aufsprang. Ich kenne keinen anderen Hersteller, der so konsequent Spiegelreflex in ein bestehendes Kamera-System integriert hat. Die erste Retina-Reflex basierte auf der Retina IIIc, verwendete also viele gleiche Bauteile und auch das selbe Zubehör, sprich die Satz-Objektive (Weitwinkel/ bzw. Tele-Vorsätze). 
Retina Reflex S

Ab 1959 kam dann auch konsequent parallel zur Retina IIIS die Retina Reflex S mit echten Wechselobjektiven (DKL). Die folgenden Updates Retina Reflex III und IV boten hingegen nur noch wenige neue Features, waren aber ab 1960 Kodaks alleinige Speerspitze im High-End Bereich, die Wechselobjektiv-Messsucherkameras IIS und IIIS wurden eingestellt. Ich wäre beinahe einem Druckfehler in Helmut Nagels Buch aufgesessen. Er nennt für die Retina Reflex IV 524,000 Exemplare, was für diese sehr teure Kamera ein enormer Erfolg gewesen wäre. Ich hatte ja schon vor ein paar Jahren die deutsche SLR-Produktion analysiert und dort andere (bessere) Quellen verwendet. Um es kurz zu machen, es ist einfach eine Null zu viel, es waren nur 52,400 Einheiten, was die anderen Quellen bestätigen.  

Kodak's Spiegelreflex-Kameras

1966 ist mit dem bisher so erfolgreichen Einheits-Retina-Gehäuse Schluss, die Verkaufzahlen gehen zurück. Kodak reagiert mit einem neuen Plastikgehäuse für die neue Retina S1/ S2 Serie, die aber auch nur mäßig verkauft werden und 1970 wieder in der Versenkung verschwinden. Daneben werden in Stuttgart nun eine Vielzahl von Instamatic Kamers gebaut, deren Produktionszahlen allerdings unbekannt sind. Immerhin zeigt Helmut Nagel in seinem Buch 36 verschiedene Modelle für beide Instamatic-Kassetten 126 und 110 aus deutscher Produktion.  
Instamatic Reflex

Ein Modell sticht allerdings heraus: Es ist die Instamatic Reflex, die Synthese aus Retina-Reflex und Instamatic. Sie konnte auf die ganze DKL-Objektivpalette zurückgreifen und war mit ca. 78,000 Exemplaren tatsächlich die erfolgreichste der nur insgesamt 5 Spiegelreflexkameras für die 126er-Kassette. Auch wenn auch sie schon einiges an Plastik verbaut hatte, ist sie quasi die letzte Qualitätskamera aus Stuttgart-Wangen, die noch in der alten Nagel-Tradition steht, die mit Kameras wie der Pupille und natürlich der Retina begründet wurde.

So wie Kodak in Stuttgart ging es in den 1970ern einigen anderen westdeutschen Kameraherstellern, aber eben nicht allen. Im Vergleich zu Kodak schlug sich DER europäische Erzkonkurrent AGFA damals noch wacker und konnte sich mit relativ modernen Kameras in den 1970ern zumindest in Europa noch gut gegen die immer stärker werdende japanische Konkurrenz behaupten. Aber auch bei Agfa war 1982 dann Schluss im Kamerawerk in München. Das wird hier vielleicht mal eine andere Geschichte.

2022-02-19

Kodak Retina I (117)


Ich konnte nicht widerstehen und habe neulich meine sechste Retina I erstanden. Ich habe hier schon mehrfach berichtet (Links siehe unten in der Tabelle), diesmal handelt es sich wirklich um das Urmodell 117 von 1934, also die erste Kleinbildkamera für den universellen Kleinbildfilm 135 in der Wegwerfpatrone. Dieses Exemplar hat einige Gebrauchsspuren, ist aber vergleichsweise sehr gut erhalten und voll funktionsfähig. Mit der Seriennummer 419847 stammt es aus der allerersten Serie und wird damit den Platz in der Vitrine einnehmen, den bisher ihre deutlich abgerissenere jüngere Schwester 118 eingenommen hatte. 
Natürlich will ich den Platz hier für ein Vergleichsbild meiner Retina I Vorkriegsmodelle nutzen. Von links nach rechts sieht man die kleinen Unterschiede zwischen 117 (1934), 118 (1935) und 126 (1936), die alle mit dem Bildzählwerk zu tun haben. Markantestes Merkmal der 118 ist ein kleiner Drehknopf neben dem großen Filmtransportknopf auf der rechten Kameraoberseite. Dieser wird unbedarft gerne mit einem Gehäuseauslöser verwechselt, dieses Feature gibt es bei der Retina I aber erst mit dem Modell 141 (ab 1937). Es handelt sich um den Entsperrknopf für den Filmtransport, der bei den Modellen 118, 119 und 126 dann als kleines Hebelchen auf der Gehäuserückseite realisiert wird und schließlich ab Modell 141 wegfällt, da der Gehäuseauslöser diese Funktion mit übernimmt. Aber wozu ist "Entsperren" wirklich notwendig? Nun, die Vorgängerinnen der Retina (namentlich die Pupille und die Vollenda 48 aus dem Hause Nagel) verwendeten den Rollfilm 127 mit Rückseitenpapier inkl. aufgedruckter Bildnummern, die der Fotograf beim simplen Filmtransport durch das rote Rückseitenfensterchen beobachten konnte. Beim Kleinbildfilm (ohne Rückseitenpapier) ging das nicht mehr, hier muss der Filmtransport nach einer definierten Strecke einrasten. Genau diese Raste wird mit dem Entsperrknopf wieder aufgehoben für den nächsten Bildtransport. Dies war zunächst komplett unabhängig vom eigentlichen Auslöser, der vorne am Compur-Zentralverschluss sitzt und extra gespannt werden musste. 
Die weitere Vorkriegsmodellpflege betrifft das Bildzählwerk, das kleiner wird und von der linken auf die rechte Kameraoberseite wandert und langfristig seinen Platz für einen Zubehörschuh freimacht. Ansonsten sind sich alle Modelle sehr ähnlich. 


Datenblatt Kleinbild-Balgenkamera, erste Kamera für die universelle Kleinbildpatrone 135
Objektiv Schneider Xenar 5 cm f/3.5 (Tessar Typ). Spätere Modelle auch mit Kodak Ektar oder Zeiss Tessar.
Verschluss Compur Zentralverschluss T-B-1-2-5-10-25-50-100-300 1/s. Auch erhältlich mit Compur-Rapid (bis 1/500 s).
Fokussierung manuell durch Verschieben des gesamten Objektivs.  kürzeste Entfernung 1m.
Sucher einfacher optischer Sucher
Filmtransport mit Drehknopf, daneben Entsperrknopf, Bildzählwerk (vorwärts). 
sonst. Ausstattung superkurzer Drahtauslöser am Objektiv, Tiefenschärferechenschieber an der Unterseite, Stativgewinde 1/4''
Maße, Gewicht ca. 75 x 35 x 120 mm, 445 g
Baujahr(e) 1934, spätere Retina I Modelle bis 1941 und dann wieder von 1946-1954. Insgesamt 460,000 Exemplare. Dieses erste Modell 117: 29,299.
Kaufpreis, Wert heute 75 RM (1935), heute ca. 150 € (Modell 117), andere Modelle ab ca. 30 €.
bei KniPPsen weiterlesen meine anderen Retina I (118126010), August Nagel, Nagel Pupille, Nagel Vollenda 48, Welti, Baldina, Vergleich, Certo Dollina, Agfa KaratWichtigste KB-Kameras 1937 (Porst Katalog)
Links Camera-Wiki, Chris Sherlock's Retina Sammlung, Bedienungsanleitung (Modell 119)
Sehr gut erhaltene Ledertasche, innen gibt es roten
Samt mit Kodak Schriftzug.
Auch der geprägte Retina Schriftzug änderte
sich im Laufe der Zeit. Links: 117, Rechts: 010

2019-06-27

KB-Balgenkameras der 1930er

Um das Kapitel der einklappbaren Balgenkameras für den Kleinbildfilm abzuschließen und abzurunden, hier ein Vergleich der drei sehr ähnlichen Konkurrentinnen von Kodak, Balda und Welta. Alle drei habe sehr viel gemeinsam, kein Wunder, steckt doch die entscheidende Technik im Verschluss und im Objektiv. Beides konnte man sich quasi aus dem gleichen Sortiment dazu konfektionieren. Die Verschlüsse waren (fast ausschließlich) von Deckel in München, zumeist Compur oder Compur-Rapid. Die Objektive stammten von Schneider-Kreuznach oder Carl Zeiss in Jena und wenigen anderen Herstellern. 
Die Unterschiede liegen also eher im Gehäuse selbst, der Verarbeitung und der Anordnung der jeweiligen Bedienelemente für Bildtransport und Rückspulung. Auch manches Extra-Feature macht ggf. den entscheidenden Unterschied. Hier also eine kleine Tabelle:


Kodak RetinaI, 1934-1954 Balda Baldina, 1935 -1951 (Jubilette, 1938) Welta Welti,
1935-1951

Preis 1937 mit Schneider Xenar  f/3.5 und Compur Rapid 85 RM 94 RM 97 RM
besondere
Ausstattungs-merkmale Gehäuse
Tiefenschärfedrehrad Tiefenschärfe-Tabelle
Parallaxenausgleich (kontinuierlich)
Trageschlaufe
Tiefenschärfe-Tabelle
Parallaxenausgleich (zwei Stellungen)
Zubehörschuh

Maße (BxHxT)
Gewicht
120 x 75 x 35 mm
443 g
123 x 83 x 38 mm
424 g
125 x 80 x 40 mm
540 g

So, mal angenommen, ich wäre 1938 mit ca. 100 RM in einen Fotoladen gegangen, um eine solche Kamera zu kaufen. Welche wäre es geworden? Für die Welti spricht insbesondere der Zubehörschuh, damit kann man z.B. einen Entfernungsmesser aufstecken. Allerdings wirkt sie deutlich klobiger als die beiden anderen und ist insbesondere dicker und auch schwerer. Auch ist sie die teuerste von allen und damit für mich raus. Die Baldina bzw. Jubilette ist zusammengeklappt kaum dicker als die Kodak und sogar etwas leichter, gleichzeitig wirkt der Klappmechanismus etwas solider (interessanterweise klappt sie in die andere Richtung auf). Was sie für mich disqualifiziert, ist das Filmtransportrad an der Unterseite der Kamera und das seltsame Bildzählwerk, bei dem sich das äußere Gehäuse dreht und damit vor versehentlichem Verstellen in der Hosentasche nicht geschützt. 
Bleibt also die Kodak Retina. Sie ist nicht nur die preiswerteste des Trios, sondern wirkt auch am praktischsten. Das Tiefenschärfe-Drehrad ist doch intuitiver zu bedienen als eine schnöde Tabelle und zusammengeklappt hat man sie gerne in der Hosentasche dabei. So wie ich haben wohl einige damls gedacht, denn mit wohl über 400,000 Exemplaren ist sie die erfolgreichste der drei. Leider gibt es keine Produktionszahlen der anderen, aber viel mehr als 100,000 werden es jeweils nicht gewesen sein.
Welta Weltini (175 RM*)
Diese Kameras sprachen den ambitionierten Foto-Einsteiger mit wenig Geld an. Man sollte nicht die Agfa Karat Kamera vergessen zu erwähnen, auch eine Faltbalgenkamera für den Kino-Film (Karat-Kassette!). Diese war allerdings halb so teuer wie die Kameras auf dieser Seite und vom Anspruch auch eher knapp oberhalb der Boxkameras angesiedelt.
Oberhalb dieser Kameras gab es ein weiteres Marksegment mit Faltbalgenkameras, was sich an den ambitionierten Amateur mit etwas mehr Geld richtete. Diese Kameras hatten alle einen gekuppelten Entfernungsmesser eingebaut. Alle drei Hersteller dieser Seite bedienten mit der Retina II, der Super Baldina und der Weltini dieses Segment, die Kameras kosteten ca. 50% mehr. In dieser Klasse spielten mit der Certo Vollina und der Super Nettel von Zeiss Ikon noch weitere Hersteller mit.

Balda Super Baldina (150 RM*) Kodak Retina II (185 RM*)
Certo Vollina III (175 RM*) Zeiss Ikon Super Nettel (178 RM*)

* Alle Preise und Abbildungen aus dem Photo-Porst Katalog von 1937. Preise soweit verfügbar mit Carl Zeiss Tessar oder Schneider Xenon 5 cm f/2.8 und Compur Rapid. Die Super Nettel mit Tessar f/3.5 und Metall-Schlitzverschluss.

2016-10-30

August Nagel

Heute vor 73 Jahren - am 30.10.1943 - verstarb Dr. August Nagel, einer der einflussreichsten Männer hinter der deutschen Kameraindustrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und diese war ja bekanntermaßen damals der Weltmaßstab. August Nagel verstarb mit nur 61 Jahren, obiges Bild stammt von ca. 1940. Mit den vielen Kameramodellen, die auf ihn zurückgehen, hat er die Entwicklung der Kameras für die breite Masse entscheidend beeinflusst. Ich war kurz geneigt, ihn den Georg Eastman Deutschlands zu nennen, aber der Vergleich passt nicht wirklich. August Nagel war wohl nicht skrupellos genug und mehr Techniker und Kameradesigner als Unternehmer, dass er es mit Eastman hätte aufnehmen können.

Aber leidenschaftlicher Unternehmer war er schon und er wollte immer frei sein bei seinen Entscheidungen. Schon mit 26 Jahren (1908) gründete er mit einem Partner sein erstes Unternehmen, das später nach dem erfolgreichsten Kameramodell Contessa Kamerawerke genannt werden sollte. Gerade nach dem 1. Weltkrieg übernahm er sich bei der Expansion seiner Aktivitäten aber finanziell, so dass er schließlich die Kontrollmehrheit seiner Unternehmen verlor und in die Fusion zu Zeiss Ikon gezwungen wurde. 1928 trat er allerdings von seinem Vorstandsposten zurück und gründete wieder seine eigene Firma, die Dr. Nagel Kamerawerke in Stuttgart. Den Doktortitel hatte ihm die Universität Freiburg für die Entwicklung einer Ballon-Luftbildkamera ehrenhalber verliehen. Viele ehemalige Mitarbeiter folgten ihm (darunter auch sein Bruder Wilhelm) und so konnte er schnell mit neuen Kameras an alte Erfolge anknüpfen. 

Aber auch hier fehlten ihm schnell die finanziellen Mittel um weiter zu expandieren und seine Ideen umzusetzen. So verkauft er seine Firma schon 1932 an Eastman Kodak, die damit erstmals High-End Kameras im eigenen Hause haben. Gleichzeitig bleibt August Nagel Leiter der Firma in Deutschland und konnte seine Ideen verwirklichen. Eine seiner besten und erfolgreichsten dürfte Kodak langfristig sehr viel Freude gemacht haben: Die Kleinbildpatrone, so wie es sie heute noch gibt. Eingereicht wurde das Patent in Deutschland am 10. Dezember 1935, in den USA am 14. Oktober 1936. Es war nicht die erste Patrone für 35mm Kinofilm, allerdings die erste, die in alle damals angebotenen KB-Kamerasysteme passte. Und August Nagel hatte natürlich auch eine eigene Kamera dafür im Programm: Die Retina. Diese Kamera für breitere Bevölkerungsschichten hat den Kleinbildfirm wohl erst wirklich populär gemacht. Retinas habe ich schon einige in meiner Sammlung, die älteste davon ist hier.  Aber auch vor der Retina kamen die anderen Modelle, die in einer Anzeige von 1932 in England so beworben wurden:
 



2016-05-22

Kodak Retina I (126)

Neulich in Wien auf dem Samstags-Flohmarkt direkt am Naschmarkt gab es für mich jede Menge Kameras zu durchforsten, die meisten allerdings recht überteuert für ihren schlechten Zustand. Diese hier musste ich aber retten, für nur 15€ wurde sie mein. Sie ist schon die fünfte Retina 1, die ich gekauft habe (siehe meine anderen hier). Am Stand war ich mir noch nicht 100% sicher, hatte aber schon geahnt, dass es sich um das Vorkriegsmodell 126 handelt, zu erkennen an der Kombination aus Chrom-Gehäusekappe und fehlendem Gehäuseauslöser, der kam erst mit dem Nachfolgemodell 141.

Anhand der relativ späten Seriennummer (966994) läßt sich die Kamera auf 1937 datieren. Besonders entzückt war ich als ich realisierte, dass mein Exemplar noch den kleinen Aufschraubdrahtauslöser besitzt, ein Merkmal aller frühen Modelle. Allerdings existiert dieses Detail bei den meisten heute noch erhaltenen Retinas nicht mehr und so ist dieses kleine Zubehör heute mehr wert als der Rest der Kamera.
Was fehlt ist allerdings der Tiefenschärfe-Drehknopf am Boden der Kamera, irgendjemand hatte ihn abgeschraubt. Bis aud das ist die Kamera sehr gut erhalten, man sieht ihr das Alter (79 Jahre!) überhaupt nicht an. Im Bild unten, alle im geschlossenen Zustand und gestapelt, von oben nach unten die Modelle 118, 126 und 010. 
Jetzt wird es hier ja schon eine kleine Serie zur Retina 1 und da will ich noch meiner Vorliebe nachgehen und Daten zu Produktionszahlen aufbereiten. Insgesamt wurden ca. 460.000 Retina 1 Kameras gebaut, interessanterweise ziehmlich genau die Hälfte davon vor dem Krieg (9 Modelle) und die andere danach mit nur 2 Modellen. Als Quellen habe ich im wesentlichen die Seriennummernlisten von Chris's camera pages sowie die Informationen von Mischa Koning's Kodak Seiten verwendet. Das Modell 126 trägt ca. 32000 Exemplare zur Gesamtzahl bei.

2015-12-31

Kodak Retina (118)


Über Kodak's Retina I und ihre Geschichte habe ich schon 2012 ausführlich berichtet, damals anhand des Nachkriegsmodells 010 von ca. 1947 (siehe auch unten im Vergleich). Nun bin ich stolz, auch das Modell 118 (schwarze Version des Urmodells 117) mein Eigen nennen zu dürfen. Mein Exemplar hat die Seriennummer 544659 und stammt sehr wahrscheinlich von 1935. Es hat die Top-Ausstattung mit dem Compur-Rapid-Verschluss in einem Schneider Xenar (#699907). Nach dieser Nummer wurde dieses schon im September/Oktober 1934 hergestellt. Lack und Leder der Kamera sind etwas ramponiert, funktionieren tut aber auch nach 80 Jahren noch alles.
In 2012 I already reported in detail about Kodak's Retina I and its history. At the time based on the post-war model 010 made in 1947 (see also below in comparison). Now I am proud to be the owner of model 118 (black version of the original model 117). My copy has the serial number 544659 and originates most likely from 1935. It's well equipped with the Compur Rapid shutter in a Schneider Xenar lens (# 699 907). According to this reference this was produced in September / October 1934. Paint and leather of the camera are a bit worn, but overall everything is functional still after 80 years.
Nach diesem Fund liefen mir noch 2 weitere 010er auf Flohmärkten bzw. Trödelhändlern über den Weg, die ich natürlich retten musste. Die erste konnte ich für nur $10 erstehen und habe sie wenig später für ihren aktuellen Marktwert von $65 weiterverkauft. Die andere ist noch in meinem Besitz. Bei entsprechendem Gebot gebe ich sie aber gerne in Sammlerhände ab. Unten ein Gruppenbild von den dreien...
After this discovery I ran into two other  "010" at flea markets and junk dealers. And of course I had to save them. The first I was able to buy for only $ 10 and sold it a little later for its current market value (about $ 65). The other is still in my possession. With an appropriate bid I will give it in other collector's hands. Below is a group portrait of the three...



Es gibt übrigends eine Historical Society of Retina Cameras (HSRC) und ein entsprechendes Journal mit durchaus interessanten Artikeln. Ich bin (noch) nich qualifiziert, dort Mitglied zu werden. Dazu muss man mindestens 10 Retinas oder Retinetten besitzen. Die hat der Australier Chris Sherlock allemal. Ob er aber Mitglied ist, gibt das Internet leider nicht her. Hier unten noch mal tabellarisch alle Retina I, die ich besitze (oder besessen habe). Vielleicht werden es ja doch noch mal mehr....;-)
By the way, there is a Historical Society of Retina Cameras (HSRC) and a corresponding journal with quite interesting articles. I'm not (yet) qualified to be a member. You need to own at least 10 Retina's or Retinette's. The Australian Chris Sherlock would surely qualify. However, the internet doesn't tell whether he is a member. Here is a short list of all Retina I that I own (or have owned). Perhaps I'll get some more in future.... ;-)

118 118, # 544659
Schneider Xenar 3.5/5 cm
#699907
M7SD*, Compur Rapid
(ca. 1935)
010, #60093
Kodak Ektar 3.5/5cm
#1660790
M5SD, Compur Rapid
(ca. 1947)
Retina 010 010, #ek...?
Kodak Ektar 3.5/5cm
#1699459
M7SD, Compur
(ca. 1946)
Retina 010 010, #ek184651
Schneider Xenar 3.5/5cm
#1869992
M5SD, Compur Rapid
"Made in Germany"
(ca. 1948)
* M5SD oder M7SD bezeichnen Bauformen. Siehe hier.
* M5SD or M7SD are specific details. See here.

2015-12-30

Kodak Retinette 1A

Neben der Retina-Serie baute Kodak schon seit 1939 eine einfach ausgestattete und damit preiswertere Kameraserie unter dem Namen Retinette. Zunächst auch mit Faltbalgen ausgeführt folgten nach dem Krieg diese Kameras mit feststehendem, immer dreilinsigem Objektiv (meist von Schneider-Kreuznach). Hatten die Retinas Compur Verschlüsse, so waren es bei den Retinetten Prontor, die (wie hier) nur bis 1/250s oder bis 1/300 s reichten. 
Diese "1A" hier stammt vom letzten Modell 044 (1963-1967) und wurde erkennbar an ihrer Export-Seriennummer EK852492 in die USA exportiert und dort verkauft. Parallel wurde noch das Modell 045 (Retinette 1B) mit eingebautem Selen-Belichtungsmesser angeboten. Weitere Informationen über Retinas und Retinetten findet man u.a. hier: Historical Socienty for Retina Cameras, Camera-Wiki, Collectiblend, Kodak Cameras.
 
Meine Kamera habe ich in fast perfektem Zustand in Originalbox (s. Bild unten) im September schon bei einem Antiquitätenhändler in Dover, NJ gefunden und für nur $10 erwerben können.  Ich habe sie dann schnell fotografisch dokumentiert und auf ebay mit etwas Gewinn weiterverkauft. Vorher habe ich noch die Bedienungsanleitung eingescannt...

2012-07-17

Kodak Retina I

Kodak's Retina, später auch Retina I genannt, ist ohne Zweifel ein Meilenstein der Kamerageschichte. Mit ihr führte Kodak 1934 die bis heute erfolgreichste Konfektionsform für fotografischen Film ein, die Kleinbildpatrone, auch 135er genannt. Auch wenn es nicht ganz richtig ist, wird im Allgemeinen Oskar Barnacks Leica als erste ("Still"-) Kamera für den 35mm Kinofilm angesehen. Frühe Leicas und auch Zeiss' Konkurrenzprodukt Contax nutzten allerdings jeweils spezielle Filmkassetten, die vom Fotografen selbst (in der Dunkelkammer) befüllt werden mussten. Kodak's neue (Wegwerf-) Kassette war so gestaltet, dass sie in beide Systeme passte und natürlich auch in die neue Retina, die aus dem 1931 erworbenem Kamerwerk Dr. Nagel in Stuttgart stammte. Ohne diesen entscheidenden Schachzug von Kodak und viele weitere Kameras, die für die Patrone auch von anderen gebaut wurden, wäre auch das 135er wie viele andere Formate schnell wieder Geschichte geblieben. Hier habe ich mal einen alten Kodachrome eingefädelt:
Kodak Retina, later also called Retina I, is undoubtedly a milestone in camera history. In 1934 Kodak introduced the most successful form of photographic film for still cameras together with this camera: The 135 cartridge for standard 35 mm film. Although it's not 100% correct, Oskar Barnack's Leica is generally considered the first still camera for 35mm motion picture film. Early Leica and Contax cameras each used proprietary cartridges for the film, which had to be loaded by the photographer himself (in the dark room!). Kodak's new (disposable) cartridge was designed in a way that it would fit in both systems as well of course in the new Retina. To compete with the high end German cameras Kodak had acquired "Kamerawerk Dr. Nagel" in Stuttgart in 1931, who then would produce a long series of Retina cameras for the new cartridge. Without this strategic move and also other producers quickly adapting the 135 film, the new format might have gone the way of many other formats we don't know anymore today. The picture below shows an old Kodachrome as an example:
Die Kamera ist ein simples, kompaktes und äußerst solides Meisterstück. Basierend auf dem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts äußerst beliebten Faltkamera-Designs für Rollfimkameras enstand eine Kleinbildkamera, die wohl kompakter kaum sein kann. Eingeklappt passt sie spielend in die Jackentasche, mit 455 g (inklusive Film) ist sie bei sehr ähnlicher Größe nur 5 g schwerer als meine aktuelle Olympus E-PL1 mit dem Lumix 20 f/1.7. Vom ersten Modell 1934 (Typ 117) ausgehend gab es bis 1941 regelmäßige Modellpflege (Typen 126, 141, 148 und 167) und auch entsprechende schwarze Varianten (Typen 118, 119, 143, 149). Während des Krieges wurden statt Kameras in Stuttgart Zeitzünder gebaut. 1946 nahm man mit diesem Typ 010 (schwarz:013) die Produktion der Vorkriegsmodelle 148 und 149 wieder auf. Die Basisfeatures der Retina I blieben stets dieselben, lediglich Kleinigkeiten wie der Auslöser am Gehäuse, Doppelbelichtungssperre etc. kamen während der 11-jährigen Produktionszeit dazu. Alle Modelle wurden  wie damals üblich wahlweise mit verschiedenen Objektiven (Carl Zeiss Tessar, Kodak Ektar, Schneider Xenar, etc.) oder auch Verschlüssen (Compur, Compur-Rapid) angeboten (s.u.).

The camera is a simple, compact and extremely robust masterpiece. Adapting the at the time very popular folding camera design the Retina could have hardly become more compact. Folded it fits easily in any pocket, and with 455 g (including film) it is only 5g heavier than my current Olympus E-PL1 with the Lumix 20 f/1.7 (while at similar size). Starting from the first model in 1934 (Type 117) until 1941 Kodak did regular facelifts (types 126, 141, 148 and 167) and also offered corresponding black variants (types 118, 119, 143, 149). During the war instead of cameras time fuses have been built in the Stuttgart factory. In 1946 the production resumed with this type 010 (black:013), which were essentially the same as the prewar models 148 and 149. The basic features of the Retina I types have always remained the same, only little things like the release button on the body, double exposure lock etc. were introduced during the 11-year production period. All models could be ordered with different lenses (Carl Zeiss Tessar, Kodak Ektar®, Schneider Xenar, etc.) and also shutters (Compur, Compur-Rapid) (see below).

Ich habe meine hier günstig bei ebay erstehen können und war erstaunt, wie gut sie trotz ihres Alters von 62 Jahren noch in Schuss ist. Alles funktioniert noch reibungslos, die Verschlusszeiten habe ich kurz nachgemessen und was soll ich sagen, es passte! 
I got mine cheap from ebay and was amazed about how well it is in shape despite its age of 62 years. Everything still works smoothly. I checked the shutter speeds and what should I say, all fit!

Seite aus meinem Photo Porst Katalog von 1937, abgebildet
ist Typ 141 (98 RM), für 75 RM gibt es Typ 126 mit dem
einfacheren Verschluss
Page from my Photo Porst catalog 1937, displayed
is type 141 (98 RM), for 75 RM type 126 is available
with a simpler shutter
Jetzt ist ein Film in der Kamera und auch die ersten Aufnahmen sind schon gemacht. Man muss sich schon an die archaische Bedienung gewöhnen: Belichtung und Entfernung schätzen und einstellen (oder hiermit undhiermit messen), dann den Verschluss spannen. Ohne gleichzeitig gespannten Verschluss und transportierten Film ist kein Auslösen möglich. Diese Doppelbelichtungssperre kann man aber durch direkte Betätigung des Verschlusses am Objektiv umgehen. Danach Filmtransport durch Drehen am Rädchen, einen Schnellschalthebel zum kombinierten Filmtransport und  Verschlussaufzug gab's erst ab 1951 beim Nachfolgemodell Ia. Immerhin zählt das Bildzählwerk mit und auf der Unterseite der Kamera Kamera gibt es noch einen Tiefenschärfeindex.

I put a film in the camera and the first shots are already made. You need to get used to the archaic operation mode: estimate exposure and distance (or measure it hereby andherewith), then cock the shutter. Without simultaneously having the shutter cocked and the film advanced the shutter release button on top of the camera is blocked. You can trick this double exposure lock by directly releasing the shutter at the lens. After the image is taken advance the film by turning the wheel, a fast advance lever for combined film transport and shutter cocking appeared only from 1951 with successor Retina Ia. At least a frame counter and on the bottom of the camera camera a depth of field index add to the features.
Kodak hat seine Retina-Serie konsequent ausgebaut. Parallel zum Modell I gab es ein entsprechendes Modell II mit eingebautem Entfernungsmesser, nach dem Krieg dann Nachfolgemodelle mit Belichtungsmesser und sogar Wechselobjektiven. Über die Retina Reflex-Modelle, die die Palette nach oben hin abrundeten, habe ich ja schon berichtet.

Kodak expanded its Retina series continuously over time. Parallel to the model I there was a model II with a built-in range finder. After the war follow-up models came on the market with exposure meters and even interchangeable lenses. I've already reported about the Retina Reflex models that rounded the range off upwards.
Eine Anekdote über die Retina I darf auch hier nicht fehlen. Edmund Hillary hat bei der Erstbesteigung des Mount Everest sein berühmtes Gipfelfoto von Tensing Norgay mit einer, damals schon 15 Jahre alten Retina (Typ 118) aufgenommen, die er gebraucht gekauft hatte. Heute steht diese in einem Museum in Neuseeland und ist vermutlich die wertvollste Retina auf dem Sammlermarkt. Von Hillary selbst gibt es kein Foto, angeblich weil Tensing mit der Kamera nicht umgehen konnte (oder auch, weil sie schlicht auf den zur Neige gehenden Sauerstoff achten mussten).

An anecdote about the Retina I should not be missing here. At the first ascent of Mount Everest Edmund Hillary took his famous summit photo of Tenzing Norgay with a black Retina I (Type 118). The camera was at that time already 15 year old and he had bought it second-hand. Today this particular piece is in a museum in New Zealand and is probably the most valuable on Retina on the collectors' market. From Hillary himself there is no photo, allegedly because Tensing could not handle the camera (or just because they simply had to pay attention to the dwindling oxygen).
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Fotos aus meiner und werde natürlich berichten.
Anyway, I'm very excited about the photos of mine and will of course report.