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2022-09-10

Nikon FA

Normalerweise poste ich hier nur Kameras, die ich selber besitze, diesmal ist es anders. Ich habe schon einige Auktionen verfolgt und auch das eine oder andere Mal mitgeboten, bisher erfolglos. Das liegt natürlich daran, dass ich in diesem Fall unbedingt eine funktionierende Kamera bräuchte, einfach um ihre Belichtungsautomatik zu testen und zu würdigen. Solche Kameras werden natürlich von anderen Interessenten zum Fotografieren gesucht und daher sind die Preise außerhalb meines Sammelbudgets. Dafür besitze ich schon seit den Zeiten ihres Erscheinens (1983) den deutschen Kameraprospekt, dessen Scan ich hier gerne verlinke. Auch die beiden Bilder hier sind daher.  
Nikon hat sich lange Jahre bei Innovationen zur Belichtungsautomatik zurückgehalten und immer so ein Jahr nach der Konkurrenz entsprechende Dinge (dann aber sorgfältig) implementiert. Seit der Nikkormat EL (1972) gehörte Nikon zur Zeitautomatik-Fraktion, eine Programmautomatik gab es ab 1982 in der Consumer-SLR Nikon FG. Erst 1983 kam mit der Nikon FA der Multi-Automat, der Canon A-1 und Minolta XD7 das Fürchten lehren sollte. Neben der wohl ergonomischsten Automatik-Implementierung dieser drei hatte sie als tatsächlich letzte Belichtungsautomatik-Innovation die Matrixmessung (von Nikon AMP-Prozess genannt) eingeführt. 
Wer möchte, kann sich Nikon's detaillierte Erklärung auf obiger Doppelseite durchlesen. Kurz zusammengefasst: Das Bild wird in 5 Segmente aufgeteilt, deren Belichtung gemessen wird. Das entsprechende Muster wird nun vom Kameracomputer mit einer internen Datenbank ähnlicher Belichtungssituationen verglichen und der entsprechende und ggf. vom üblichen (mittenbetonten) Messwert abweichende Datenbank-Lichtwert zurückgegeben. 
Die FA war bzw. ist eine tolle Kamera, war aber nicht sonderlich erfolgreich. "Nur" ca. 350.000 Exemplare wurden in ca. 6 Jahren verkauft, das war in der Hochphase der analogen SLR nicht genug um wirklich zu den Bestsellern zu gehören.  Ich verzichte hier mal auf weitere technische Daten, die gibt es sogar bei Wikipedia.  Matrix- bzw. Mehrfeldmessung gab es danach in weiteren Nikon- später auch in vielen anderen Kameras und ist heute in Digitalkameras meist eine Option unter anderen.

2020-09-05

Canon Zoom FDn 35-70 mm 1:4

Mit meiner Canon A-1 kam ein interessantes Objektiv, das selbst ein paar Worte verdient hat. Canon war kein früher Pionier bei Zoom-Objektiven, hat aber spätestens seit Anfang der 1970er Jahre gerade in diesem Segment bei den Objektivherstellern ganz oben mitgespielt und vielfach auch den einen oder anderen neuen Standard gesetzt. Damit haben sie Zoom-Objektiven überhaupt erst zu der allgemeinen Akzeptanz verholfen, die sie heute noch haben. Dieses Objektiv ist ein sehr schönes Beispiel dafür.
Frühe Zoomobjektive boten bis auf die Tatsache, dass der Fotograf nicht mehr das Objektiv für verschiedene Bildwinkel wechseln musste, eigentlich nur Nachteile: Sie waren teuer, schwer und groß (manchmal schwerer und teurer als zwei entsprechende Festbrennweiten zusammen), oft lichtschwach.
Linsenschnitt des 35-70 f/4, ausgeführt in 
zwei jeweils gegenläufig verschiebbaren
Gruppen.  
Was aber am meisten schmerzte waren die Kompromisse, die man bei den Abbildungsleistungen machen musste. Gerade beim letzten Punkt hat Canon Pionierarbeit geleistet. Ihr FD 35-70 mm f/2.8-3.5 von 1973 gilt als das erste Standardzoom, das es von den Abbildungsleistungen mit den gängigen Festbrennweiten aufnehmen konnte. Es war zwar immer noch relativ schwer und teuer, aber den Bildern sah man das Zoom nicht mehr an. In den folgenden Jahren arbeiteten die Hersteller auch an den äußeren Dimensionen und dem Preis  und so bot Fuji als erster Hersteller im Jahr 1977 eine SLR zusammen mit einem kompakten Zoom als Standard an (Fuji AZ-1 mit Fujinon 43-75). 
Die anderen folgten natürlich und auch Canon brauchte ein preiswertes, leichtes und dennoch optisch gutes Standardzoom für ihre Megaseller AE-1 und A-1. Herausgekommen ist dieses FDn 35-70 mm f/4 mit der grundsätzlich ähnlichen optischen Konstruktion wie der alte Star von 1973, allerdings etwas lichtschwächer. Außerdem wurden einige Teile in Plastik statt Metall ausgeführt und damit wurde es nur noch etwas größer und schwerer als ein 50 mm Normalobjektiv. Angeblich sind sogar die Abbildungsleistungen nochmal etwas besser als der Ahn. Tatsächlich bescheinigen auch neuere Tests an Digitalkameras dem Objektiv exzellente Ergebnisse über den ganzen Brennweitenbereich.
Eine Sache ist recht eigenartig (und vielleicht einzigartig?) bei diesem Zoom. Es behält stets seine externen Maße. Sowohl Zoomen als auch Fokussieren passieren innerhalb der äußeren Hülle, die am vorderen Ende aus dem Fokusring besteht. Da die Frontlinse je nach Einstellung mehr oder weniger hinter dem Entfernungsring verschwindet, fungiert dieser daher auch als Sonnenblende. Lediglich bei 35 mm Brennweite und 50cm Entfernung (nächstmögliche Einstellung) kommt die Frontlinse soweit raus, dass man einen Filter aufschrauben kann. 

Datenblatt kompaktes Standardzoom mit sehr guten Abbildungsleistungen
opt. Konstruktion 8 einzeln stehende Linsen in 2 Zoomgruppen, Typ Drehzoom
Blende f/4-f/22 in halben Stufen einrastend, 6 Blendenelemente
Vergütung Mehrschicht (Super Spectra Coating)
Filtergewinde 52 mm, dreht sich mit Fokus. Innerhalb des Fokusrings, keine größeren Filterhalter oder z.B. Linearpolfilter möglich.
bekannte optische Schwächen  tonnenförmige Verzeichnung bei 35mm, sonst ohne größere Schwächen, scharf bei allen Brennweiten.
Bajonett  Canon new FD, mit Entriegelungstaste am Objektiv
Maße, Gewicht ca. 87mm x 63 mm Durchmesser, 305 g
Baujahr(e) 1979-1983
Kaufpreis, Wert heute 45.000 Yen (1979), ca. 30€
Links Ken Rockwell, Canon Camera Museum, Olypedia, MIR, Canon Classics

2020-08-30

Canon A-1

Auch wenn es mir als ehemaliger Nikonianer schwer fällt zuzugeben: Die Canon A-1 war bei ihrem Marktauftritt im Jahr 1978 der Konkurrenz weit voraus und hat es geschafft viele Dinge, die damals am Rande des technisch machbaren waren, in einem Gehäuse zu vereinen. Diese Kamera hatte so gut wie alles, was sich der ambitionierte Amateur wünschte und zielte genau auf diese Käufergruppe (für die Profis gab es "die F"). Canon hatte Innovation aber nicht nur in die Kamera selbst, sondern auch in ihre Fertigungstechniken gesteckt und so konnte man das Ding zu einem Preis anbieten, den die Konkurrenz für viel schlechter ausgestattete Kameras verlangte. Der Preis stimmte nachweislich: Die A-1 verkaufte sich wie schon ihre etwas früher erschienene Schwester AE-1 wie "geschnitten Brot", insgesamt fast 2,5 Millionen mal. Sie ist damit unbestritten eine der wichtigsten Kameras der SLR-Geschichte, natürlich auch technologisch betrachtet.  

Laut Anleitung ein "von Skalen und Zeigern völlig ungestörtes
 Sucherbild". Ich persönlichfinde die Digitalanzeige zwar
informativ, vermisse aber Richtungszeiger für Über- bzw. 
Unterbelichtung. Für P-Modus OK, bei M unbrauchbar! 
Auch Canon war bewusst, welche innovative Leistung sie da 1978 abgeliefert haben. So findet sich in der Einleitung der Bedienungsanleitung sehr selbstbewusst 5 mal der Begriff „erste Kamera“. Allerdings beziehen sich die ersten vier davon auf die tatsächlich in dieser Form in einer Kamera neuartige Elektronik (eher innere Werte), erst Nr. 5 nennt auch das für die Fotografen greifbare Neue: 5 Automatikmodi plus volle manuelle Kontrolle, wenn gewünscht. Und sie ist tatsächlich die erste SLR, die die gleichzeitige automatische Einstellung von Blende und Verschlusszeit „Programmautomatik“ (P) nennt. Die ein Jahr vor der A-1 erschienene Minolta XD-7 (und ihre größte Konkurrentin am Markt) hatte „nur“ eine versteckte Programmautomatik an den jeweiligen Bereichsenden von Zeit- oder Blendenautomatik. Die A-1 kann genau das übrigens auch, und für mich ist das für den ambitionierten Amateur völlig ausreichend. Mit ihrem Preis/Leistungsverhältnis sprach die Canon allerdings auch ein paar SLR Anfänger an und die werden den P-Modus wohl häufig genutzt haben. Die allererste SLR mit Wechselobjektiven und „elektr(on)ischer“ Vollautomatik war die wenig bekannte Wirgin Edixa electronica von 1962, allerdings mit einer teuren und umständlichen Technik, die fast niemanden vom Hocker riss. 
Schaltzentrale mit jeweils teilverdecktem zentralen Einstell-
rad. Interessanterweise wird auch bei Zeitautomatik (Av) hier
die Blende eingestellt, was recht fummelig und nicht sehr ergonomisch
ist. Gut gelöst ist die Kombi aus Hauptschalter und Selbstauslöser.

Die Canon A-1 faszinierte und polarisierte die Fotoszene mit einer in dieser Fülle selten gesehenen Vielfalt von Einstellmöglichkeiten, Hebeln, Knöpfen und Systemzubehör. Die fünf Automatikmodi waren nur die Spitze des Eisbergs. Sie hatte aber auch ein paar Schwächen, die ihre Kritiker aus den anderen Markenlagern gerne betonen: Da ist zuerst der altbackene horizontale Tuchschlitzverschluss, der nur 1/60s Synchronzeit schafft und ohne Batterie gar nicht funktioniert. Was mir persönlich besonders missfällt ist die fummelige und manchmal umständliche Bedienung außerhalb des P-Modus. Da sind ihre direkte Konkurrentin Minolta XD7 und viele spätere Automatikkameras deutlich ergonomischer. Ansonsten ist nicht viel Negatives zu sagen. Sogar die Kritik an ihrer kleinen Schwester AE-1 trifft nicht, es wäre zu viel Plastik im Spiel. Bei der A-1 ist trotz gleicher Gehäusedimension und vieler Gleichteile tatsächlich einiges (wieder) aus Metall, und sie wirkt (und ist) dadurch sehr robust. Auch heute noch findet man wohl viel mehr noch funktionierende A-1 Exemplare als von den zahlreicheren Schwestern AE-1 und AE-1 Programm. Das ist rückblickend keine Selbstverständlichkeit für eine Kamera der Elektronik-Generation!
  
Nach längerer Marktbeobachtung bei e-bay war ich erstaunt, wie gefragt die A-1 auch heute noch ist. Gut erhaltene und funktionierende Gehäuse wechseln so zwischen 40 und 80€ die Besitzer, für ein originales Canon Objektiv dazu muss man je nach Typ nochmal das selbe rechnen. Über mein relativ günstig ergattertes Exemplar bin ich sehr glücklich. Nach Einlegen einer neuen Batterie zeigte sich der komplette Funktionsumfang. Die Kamera war aus erster Hand, gut gepflegt und wohl immer nur mit diesem Objektiv bestückt gewesen, daher auch kaum Staub auf Spiegel oder Mattscheibe. Trotzdem sieht (und hört, s.u.) man der Kamera an, dass sie benutzt wurde. Nach Aussage der Erstbesitzerin aus Berlin für vielfältige Streifzüge nach Ostberlin nach dem Mauerfall 1989 und auch zur Verhüllung des Reichstags durch Christo und Jean Claude im Jahr 1995.
Fast alle heute ca. 40 Jahre alte Canon A-1 haben ein mehr oder weniger großes "Altersleiden", so auch mein Exemplar. Es wird in den entsprechenden Kreisen meist (Keuch-)Husten oder Astma genannt und klingt beim Auslösen der Kamera auch fast so. Michael Reichardt hat auf seiner Seite nicht nur Tonaufnahmen davon, sondern auch sehr schön beschrieben, wie einfach man das wieder mit einem Tröpfchen Öl beheben kann. So hab ich es auch gemacht.
Canon hat übrigens ihre A-Serie nach der A-1 weiter ausgebaut und abgerundet. Neben den älteren AE-1 (Blendenautomatik) und AT-1 (Nachführmessung), gab es später noch eine AV-1 (Zeitautomatik). Die AE-1 bekam mit der AE-1 Programm eine noch erfolgreichere Nachfolgerin und mit der letzten A-Serienkamera AL-1 deute Canon schonmal an, dass auch sie bereits an Autofokus forschten. Canon konnte alle diese Kameras kostengünstig mit fast identischem technischen Innenleben bauen, immerhin zusammen etwas mehr als 13 Millionen Exemplare zwischen 1976 und 1985. Damit haben sie Ende der 1970er Jahre erstmalig die Marktführerschaft im SLR Segment übernommen, aber diese Geschichte bereite ich vielleicht mal extra auf... 

Datenblatt high-end Amateur SLR mit PSAM Automatik-Set
Objektiv alle Objektive mit Canon FD (ab 1971) oder FDn (ab 1979) Bajonett, frühere FL-Objektive (ab 1964) können mit Einschränkunegn genutzt werden. Hier mit dem Standardzoom FD 35-70 f/4 (ab 1979).
Verschluss elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss 30s - 1/1000s, B, stufenlos bei Zeitautomatik. Keine mechanische Verschlusszeit, Kamera funktioniert ohne Batterie nicht.
Belichtungsmessung Si-Photodiode, TTL, mittenbetont, LW -2 bis 21, Empfindlichkeit 6-12.800 ASA (9-42 DIN).
Belichtungsautomatik erste Kamera mit den heute üblichen vier Modi "PSAM": Programmautomatik, Zeitautomatik ("Av"), Blendenautomatik ("Tv"), Manuelle Einstellung, Zeitautomatik bei Arbeitsblende. 
Fokussierung manuell am Objektiv, serienmäßige Einstellscheibe mit Mikorprismenring und Schnittbildindikator. Weitere Einstellscheiben erhältlich, Wechsel nur durch Kundendiesnt.
Sucher eingebauter Pentaprismensucher 0.83-fache Vergrößerung (50mm), zeigt ca. 94% des Bildes. 7-Segment-LED Anzeigen für Blende, Verschlusszeit, Blitzbereitschaft und andere Warnungen. 
Blitz Synchronzeit 1/60s, Anschluss über PC-Buchse oder Mittenkontakt im Zubehörschuh, Extrakontakte für Canon-Systemblitze: Blitzautomatik stellt automatisch Synchronzeit und Blende ein.
Filmtransport Schnellschalthebel, Rückspulkurbel, Bildzähler (vorwärts- und rückwärts zählend!), Anschluss für Winder (2 B/s) oder Motordrive (bis 5 B/s).
sonst. Ausstattung Okularverschluss und mögliche Abschaltung der LED-Anzeige gegen Fremdlichtfehler bei Stativaufnahmen, Messwertspeicher mit Taste, Abblendschieber, elektronischer Selbstauslöser (2 oder 10 s), Mehrfachbelichtungshebel, auswechselbare Rückwand für den Ansatz einer Datenrückwand, ¼ '' Stativgewinde, Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Filmlaschenhalter
Maße, Gewicht ca. 141 x 92 x 48 mm, 620 g
Batterie 6V PX28 oder 4LR44, Batterietest-Taster.
Baujahr(e) 1978-1985, ca. 2,43 Millionen Exemplare, dieses #1296717 von März 1981 (Code V342F)
Kaufpreis, Wert heute 1098 DM (1980 mit 1.4/50), ca. 50-200 € je nach Zustand und Objektiv
Links Camera-WikiWikipedia (D), Wikipedia (E)Ken Rockwell 35-70, Canon Camera Museum, Bedienungsanleitung, Canon SLR production numbers

2020-04-22

Nikkorex 35 Zoom und die Geschichte der Zoomkameras

1963-1965, die erste Zoomkamera der Welt.
Ich habe es bei meinem Beitrag über die Nikkorex 35 Zoom schon erwähnt: Sie ist als allererste Kamera mit fest eingebautem Zoom-Objektiv ein Meilenstein. Allerdings ein seltsamer Meilenstein, weil sie selbst ab 1963 nur ca. 2 Jahre am Markt war und erst mal ohne Nachahmer wieder verschwand und es dann fast 25 Jahre dauerte bis das Prinzip Zoomkamera (fest eingebautes Zoomobjektiv) sich langsam durchsetzte und danach zum Standard wurde.

Das ist natürlich eng verbunden mit der technischen Entwicklung des Zooms und die steckte seit dem ersten Voigtländer Zoomar (1959) 1963 noch in den Anfängen. Die allermeisten Hertsteller brachten zunächst Telezooms (so auch Nikon), weil diese wohl einfacher zu realisieren waren, außerdem spielte bei diesen die zusätzlich benötigte Größe im Vergleich zur Festbrennweite keine so große Rolle. Auch die Nikon-Ingenieure  mussten erst die Erfahrung machen, dass ein Standard-Zoom bei der Konzentration auf die optischen Qualitäten schnell größen-, gewichts- und kostenmäßig aus dem Ruder laufen kann. So geschehen beim geplanten und später nicht realisierten 35-85 f/2.8-3.5. Man musste also weitere Kompromisse machen und die Branche lernte dies im darauf folgenden Jahrzehnt. Auch das 43-86 war ein solcher Kompromiss, aber ein fauler. Der Brennweitenbereich und die optischen Leistungen waren nicht da, wo sie eigentlich sein sollten, trotzdem war das Ding immer noch groß und teuer. Das war der Grund, warum die Nikkorex und mit ihr das Konzept Zoomkamera 1965 erstmal wieder in der Versenkung verschwanden.

1977: Das erste Zoom, was als Standardobjektiv
mit einer SLR zusammen verkauft wird. 
Erst ca. 10 Jahre später kam wieder Fahrt in die Sache und ab ca. 1973 kamen die ersten wirklich brauchbaren Standard-Zooms auf den Markt. Als erstes optisch fast ebenbürtiges Standardzoom gilt das Canon FD 35-70 f/2.8-3.5, aber auch das war noch groß und teuer. Fast alle wichtigen Objektivhersteller brachten innerhalb der folgenden Jahre akzeptable und immer kompakter werdende Modelle. Unterstützt wurde das von der Tatsache, dass die Kameras inzwischen TTL-Messung beherrschten und die Zooms daher auch in ihrer Anfangsöffnung variieren konnten. Ein entscheidender Freiheitsgrad mehr für die Ingenieure. Es war dann Fuji, die sich als erste trauten, ein Zoom (Fujinon-Z 43-75 f/3.5-4.5) als Standardobjektiv mit einer SLR zu verkaufen. Von hier aus -sollte man meinen- wäre der Weg zu einer zweiten Zoomkamera nicht mehr weit gewesen. Aber beim allseits beliebten 35mm Film tat sich auch die nächsten 10 Jahre nichts.

1976-1979: Die zweite Zoomkamera ist
eine SLRfür die Pocketkassette 110
In der Zwischenzeit (1976) betrat allerdings die zweite Zoomkamera der Welt die Bühne. Sie war ebenfalls eine SLR, allerdings für die 110er Kassette: Die Minolta 110 Zoom wurde sogar sehr konsequent als Zoom-SLR für den Massenmarkt vermarktet und fiel durch ihr sehr ungewöhnliches Äußeres auf. Das schreckte aber wohl die potentiellen Käufer eher ab, sodass sie von Minolta ab 1979 durch eine zweite eher konventionell als SLR gestylete Version ersetzt wurde. Ihr Zoom ist angeblich eines der besten überhaupt für den Pocketfilm 110 erhältlichen Objektive. Man muss aber erwähnen, dass bei beiden Kameras der Zoombereich erst bei KB-äquivalenten 50mm startete, sie streng genommen also keine echten Standardzooms, sondern leichte Telezooms waren. Aber auch diese beiden Versuche von Minolta waren nicht lange am Markt und verschwanden schnell wieder und es kamen einige Jahre, in denen man keine Zoomkamera kaufen konnte.
Pentax Zoom 70 (IQ Zoom) war ab 1987 die
erste kompakte Zoomkamera (35-70 f/3.5-6.7) 
So gab es Anfang der 1980er wieder keine Kamera mit fest eingebautem Zoom am Markt. Es war die Zeit der Automatisierung. Fast alle Kameras hatten inzwischen irgendeine Art von Belichtungsautomatik an Bord, viele einen Elektronenblitz eingebaut, fast überall Elektronik und natürlich eine Batterie an Bord. Autofokus gab es bei den Kompakten seit der Konica 35 AF (1977) und bei den Kleinbild-SLR's seit 1981 (Pentax ME-F). Das einzige dazu verfügbare AF-Objektiv war (natürlich) ein Standardzoom, aber eben nicht fest eingebaut. Den umfassendsten Automatisierungsgrad erreichte dann 1985 die SLR-Königin Minolta 7000 AF. Gerade an ihr erkennt man einen anderen Trend in der Kameraproduktion: der Einzug von Kunststoff und Plastik als Hauptmaterial der Kameras (sogar bei SLR's). Kunststoff, die Verwendung von Elektronik und weitere Fortschritte beim (Zoom-) Objektivdesign ermöglichten dann den dritten und letztendlich nachhaltigen Versuch der Einführung von Zoomkameras. Angekündigt schon 1986 erschien dann ein Jahr später die Pentax Zoom 70 (in anderen Märkten auch Pentax IQZoom). Allerdings muss man der Fairness halber erwähnen, dass es schon einige meist "TW" (Tele/Wide, TWin-Focal) genannte Kameras in dieser Klasse gab (z.B. Fuji TW-300, Nikon TW2, Vivitar TW35 u.a.) , allerdings eben keine echte Zooms. Aber der Pentax Zoom folgten bald fast alle anderen Kamerahersteller und diese Kamerklasse war spätestens ab Mitte der 1990er Jahre in den meisten Haushalten zu finden.  Auch ich habe irgendwann eine solche sehr preiswert bei Aldi erworben.     
Yashica Samurai X3.0: der dritte Versuch eine
Zoom-SLR Kameraklasse am Markt zu etablieren

Und was ist mit SLR? Auch hier kam 1987 eine recht außergewöhliche Kamera auf den Markt: Yashica Samurai X3.0, eine vollautomatische SLR mit eingebautem Dreifachzoom 25-75 mm f/3.5-4.3 für das Halbformat 18x24 mm auf Kleinbildfilm 135. Zusammen mit den 1988 erschienenen Ricoh Mirai und Chinon Genesis (beide für 24x36 mm) begründete sie die neue Klasse der sogenannten Bridge-Kameras, Olympus bezeichnete seine entsprechenden Kameras als ZLR (Zoom Lens Reflex). Diese Klasse hat sich am Ende sogar irgendwie ins digitale Zeitalter gerettet: Heute bezeichnet man als "Bridge" solche Kameras mit relativ großen Sensoren, aber simpler und vollautomatischer Bedienung. Und natürlich mit fest-eingebautem Zoomobjektiv, das vom Weitwinkel in den Telebereich reicht. Danke Nikon, für die frühe Studie dazu von vor 57 Jahren! 

2019-04-26

Minolta XG-M


Meine Sammlung von Kameras mit dem SR-Bajonett und natürlich von Minolta selbst wächst! Diese Minolta XG-M bekam ich samt einigen Objektiven und Zubehör nun von meinem Vater geschenkt. Es war nach der EXA II seine zweite SLR, welch ein Technologiesprung! Während die EXA keinerlei Batterien braucht, geht ohne solche bei der Minolta nichts. Interessanterweise haben beide Kameras aber einen horizontalen Tuchschlitzverschluss, dazu weiter unten mehr.
Wohl inspiriert durch den Kauf meiner ersten SLR (Nikon EM) im Frühjahr 1982, hatte mein Vater selbst eingesehen, dass ein entsprechendes Upgrade seiner Fotoausrüstung noch vor den Sommerferien nötig ist. Damals, Anfang der 80er, war die Hochzeit der Kleinbildspiegelreflex, im Jahr zuvor (1981) wurden ca. 9,5 Millionen Stück in alle Welt verkauft, fast alle davon kamen aus Japan. Auch in Deutschland kauften sich viele Menschen eine SLR, die bisher mit eher einfacheren Kameras fotografiert hatten.
Mit zu dieser Entwicklung beigetragen haben sicherlich die vergleichsweise günstigen Preise, möglich gemacht durch den vermehrten Einsatz von Plastik und Elektronik statt Metall und Mechanik. Auch die Automatisierung der Produktion sowie hohe Stückzahlen tun ihr übriges. Aber auch die endlich in diesem Segment verfügbaren Automatikfunktionen machten solche Einstiegs-SLR für fotografische Laien attraktiv.
Minolta hat zu dieser Entwicklung gerade mit ihrer XG-Kameraserie, die 1977 auf den Markt kam, entscheidend beigetragen. Sie waren 1981 mit fast 1 mio SLR pro Jahr nach Canon die Nummer 2 am SLR-Markt, noch vor Nikon und Pentax, um nur die großen vier zu nennen (Produktionszahlen gibt's unter den Links...). Kurz gesagt: Ende der 70er war die Geburtsstunde der Einsteiger-SLR, die eben nicht mehr durch den Verzicht von Funktionen gekennzeichnet war, sondern durch ein exzellentes Preis/Leistungsverhältnis. Verzichtet wurde dafür auf Langlebigkeit und Robustheit; beides ist nicht wichtig, wenn man im Jahr maximal 3-4 Filme verknippst, wie mein Vater es gemacht hat.
Minolta hat seit dem Erscheinen der SR-2 immer wieder durch Innovation und gutes Industriedesign auf sich aufmerksam gemacht und sich dadurch einen sehr guten Ruf am Markt erworben. Trotzdem ist es ihnen nicht gelungen, im professionellen Lager richtig Fuß zu fassen. Der halbherzige Versuch mit der X-1/XM/XK verlief im Sande. Minolta hat sich dadurch aber nicht unterkriegen lassen, sondern sich im Gegenteil auf ihre Stärken besonnen. Und die hießen eben, gute und preiswerte Kameras für die Massen bauen.
Bei der XG-Serie ist man (um Kosten zu sparen) sogar technologisch im Vergleich zur XE und XD-Serie wieder ein bis zwei Schritte zurückgetreten. Die Kameras haben (wieder) einen horizontalen Tuchschlitzverschluss, diesmal nur elektronisch gesteuert, eine mechanische Zeit fehlt! Undenkbar noch ein paar Jahre zuvor. Auch kamen wieder CdS-Zellen statt der besseren Si-Photodioden zum Einsatz. Und die Belichtungsmessung funktionierte bei den ersten Modellen der Serie nur im (Zeit-)Automatikmodus. Alle potentiellen Kunden, die auf bessere Features wert legten, konnten ja die XD7 kaufen (und haben es getan!).  
Die XG-M war das finale und am besten ausgestattete Modell der Serie. Bei ihr funktionierte z.B. auch der Belichtungsmesser im "manuellen" Modus. Sie kam im neuen Design, mit neuem Minolta-Logo, und bereitete quasi den Boden für Minoltas erfolgreichste SLR, der X-700. Diese beerbte allerdings mittelfristig die XD7, als XG-Nachfolger kam die X-500. Dies alles geschah Anfang der 80er im MF-Universum des SR-Bajonetts von 1958. In Minoltas Entwicklungslaboren werkelte man zu der Zeit aber schon an der ultimativen SLR, die den gesamten Markt aufrollen sollte und Minolta an die Spitze spülte. Aber das ist eine andere Geschichte...

Datenblatt Consumer SLR mit Zeitautomatik
Objektiv Wechselobjektive mit Minolta MD-Bajonett (eingeschränkt abwärtskompatibel). Hier mitgeliefertes Normalobjektiv MD-Rokkor 50 mm f/1.4 (7 Linsen in 6 Gruppen, MD-II Typ 1979-1982
Verschluss Elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss. 1s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/60s. Stufenlos bei Zeitautomatik. Keine manuelle Zeit!
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, CdS-Photozellen. 25-1600 ASA. 
Belichtungsautomatik Zeitautomatik (A), sowie manuelle Nachführmessung.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher (zeigt 93% des Bildes) mit LED-Anzeige für Belichtungsmessung. Einspiegelung der gewählten Blende.
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt und Extrafunktion bei Minolta-Blitzen (Blitzbereitschaftsanzeige im Sucher, Synchronzeit), zusätzliche Blitzbuchse.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung elektronischer Selbstauslöser (10s), Abblendtaste, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filmlaschenhalter, Stativgewinde, Anschluss für Motorantrieb (bis 3.5 B/s), Belichtungskorrektur (+/-2 Stufen) bei Automatik, Möglichkeit zum Anschluss einer Datenrückwand.
Maße, Gewicht ca. 138/89/52 mm, 515g (ohne Objektiv)
Batterie3V, entweder 2x LR44 (Alkali), 2x SR44 (Silberoxid) oder 1x CR-1 (Lithium)
Baujahr(e) 1981-1983, ca. 500.000 Einheiten, dieses #2120850 von 1982
Kaufpreis, Wert heute ca. 600 DM (1982, mit Normalobjektiv), ca. 30-100 € je nach Zustand und Objektiv.
Links Camera-wikiWikipediaA. Freihöfer SR-KamerasMinolta SR lens indexRokkorfilesManual (english)Bedienungsanleutung (deutsch)

2019-02-10

Konica TC-X


Einen kleinen, aber doch wichtigen Meilenstein der SLR-Geschichte habe ich auf der diesjährigen Foto-Börse in Groß-Umstadt in der Grabbelkiste gefunden. Für nur 4€ wurde das Gehäuse mein, bei einem anderen Händler habe ich noch das Objektiv dazu gefunden. Bei diesem fehlte die Gummierung am Entfernungsring, daher auch hier nur 10€. Konica druckte damals einen kurzen Produktionscode auf seine Produkte, diese ergeben Juli 1985 für die Kamera und Oktober 1979 für das Objektiv.

Warum Meilenstein? Nun, die Kamera war die erste SLR, die (fast) vollständig aus Plastik gefertigt wurde. Außerdem war sie 1983 die erste SLR, die die damals ganz frisch eingeführte DX-Codierung lesen konnte. Ansonsten ist die Kamera selbst nicht wirklich besonders. Der Verschluss ist ein voll mechanischer Seiko MFC, der nur die Zeiten ab 1/8 und kürzer sowie B kann. Der Belichtungsmesser wird von einer stinknormalen AAA-Batterie versorgt und steuert (wie bei vielen anderen Konica SLR) eine Blendenautomatik.



Ansonsten ist die TC-X Konica's letzte SLR und wurde angeblich nicht mehr von Konica selbst sondern von Cosina in Lohn gefertigt. Diese Behauptung liest man jedenfalls mehrfach im Netz, allerdings lediglich gestützt vom Argument, dass sie so anders als die anderen, älteren Konica SLR's wäre. Ich persönlich habe meine Zweifel an dieser Behauptung, ist sie doch tatsächlich in vielerlei Hinsicht anders als die sonstigen bekannten Cosina CT-1 Klone. Die Kamera, die ihr am ähnlichsten ist, ihre eigene Vorgängerin Konica Autoreflex TC. Ich bin also geneigt zu behaupten, dass diese Cosina Geschichte falsch ist. Vielleicht findet sich ja irgendwo eine echte Quelle, die hier Licht rein bringt.

Die DX-Kodierung und dort insbesondere das charakteristische Schachbrettmuster (eigentlich CAS, camera auto sensing code) werde ich hier nicht im Detail behandeln, dazu verweise ich auf Wikipedia. Dass die TC-X die erste Kamera damit war, ist wohl nicht ganz nur Zufall. Konica war als Film- und gleichzeitig Kamerahersteller schon früh in die Pläne des DX-Konsortiums um Kodak herum eingeweiht. Auch passte die Vollplastikkonstruktion als natürliche Isolierung gut zu elektrischen Kontakten. Die Kamera besitzt alle 6 Kontakte der ersten Reihe, um die Filmempfindlichkeit zu lesen. Ob sie das auch für Werte außerhalb des manuellen Einstellbereichs von 50-1600 ASA macht, bleibt bei der Dokumentation leider im Dunkeln.

Im Gegensatz zu machen späteren Kameras, die ebenfalls zum Großteil aus Plastik gefertigt wurden, gibt sich die TC-X keinerlei Mühe das Plastikgefühl irgendwie zu verschleiern. Selbst auf dem Foto oben kommt klar der Plastikcharakter rüber. Ich kann es nicht endgültig beweisen, aber ich glaube, dass wie bei den meisten anderen Kameras ABS-Kunststoff (Acrylnitril-Butadien-Styrol) zum Einsatz kam, ein Thermoplast, der sich sehr gut als Gehäusematerial eignet. Er lässt sich nicht nur gut spritzgießen, sondern kann auch mit dünnen Metalschichten bedampft werden, sodass z.B. die Gehäuseoberkappe verchromt daherkommen kann. 

Das Hexanon AR 40 mm ist eigentlich nicht das Standardobjektiv zur Kamera, da gab es ein ebenfalls aus viel Plastik gefertigtes 50 mm f/1.8. Das 40er kam schon 1979 zusammen mit der Konica FS-1 auf den Markt und hat fast einen legendären Ruf bezüglich seiner optischen Leistungen. Als sogenanntes Pancake-Objektiv passt es aber ausgezeichnet auch zur kleinen und leichten TC-X.


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit Vollplastikgehäuse und DX-Erkennung
Objektiv Wechselobjektive mit Konica AR-Bajonett. Hier Hexanon AR 40 mm f/1.8 (6 Linsen in 5 Gruppen)
Verschluss Mechanisch gesteuerter, vertikaler Metalllamellenverschluss (Seiko MFC). 1/8s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/60s.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, CdS, 50-1600 ASA und DX Erkennung. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher, (92%), Vergrößerung 0.87x bei 50 mm. Nadel-Anzeige für Belichtungsmessung (Blende). 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontak.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung mechanischer Selbstauslöser (10s), ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filmtypfenster, Stativgewinde (aus Metall)
Maße, Gewicht ca. 130/84/44 mm, 375g (ohne Batterie und Objektiv)
BatterieEine Standard-AAA (1.5V)
Baujahr(e) 1983-1987 (?), dieses #164074 von Juli 1985
Besonderheiten Gehäuse nahezu vollständig aus Plastik
Kaufpreis, Wert heute US$149 (1985), heute ca. 10€
Links Manual (english), Buhla. deCamera-Wiki, Konica-CollectorKonica Awardspace, Random Camera Blog, Collectiblend, Simon Hawketts, Davidde.com 

2018-12-30

Carena SX-300 (Seagull DF-300)


Ein Weihnachtsgeschenk für mich, allerdings bin ich vorher gefragt worden, ob ich diese nicht mehr funktionierende und schon beim Kauf eher sehr preiswerte Spiegelreflex wirklich haben will. Ich wollte natürlich, weil ich mich schon länger für chinesische Kameranachbauten interessiere (siehe Pearl River S-201 oder auch hier). Zum anderen sind nicht funktionierende Kameras wegen einer möglichen Reparatur immer eine Herausforderung...

Die hier als Carena SX-300 bezeichnete Kamera ist für das geübte Auge schnell anhand des charakteristischen und einzigartigen Ensembles von Schnellschalthebel, Auslöser und verstecktem Zeitenrad als Minolta X-300 Nachbau zu identifizieren.  Minolta hat Ende der 1980er Jahre die Produktion der X-300 an die Shanghai General Camera Factory ("Seagull") verlagert, vermutlich um Platz für die Produktion der neuen AF-Generation in Japan zu bekommen. Minolta hatte schon länger mit den Chinesen kooperiert und das Minolta Bajonett war auch an vielen Seagull und anderen chinesischen SLRs zu finden und entsprechende Objektive in China recht verbreitet. Wie genau dieser Lizenzdeal aussah konnte ich nicht wirklich rausbekommen. Aber vermutlich hat Minolta von Anfang an erlaubt oder auch achselzuckend hingenommen, dass die Chinesen die Kamera als Seagull DF-300 auf dem heimischen Markt selbst verkauften. Spätestens mit Einstellung der Minolta X-300 Vermarktung um 1990 haben die Chinesen die Kamera auch für viele westliche Handelsmarken unter deren Namen produziert. Eine Liste der Namen habe ich unten in die Tabelle eingefügt.   

Das Namensschild am Pentaprisma wird dazu praktischerweise von zwei Kreuzschlitz-schrauben gehalten und ist sehr einfach gegen andere Markennamen austauschbar. Das gilt übrigens schon für die Minolta! Auch sonst sind die Nachbauten mehr oder weniger 100% am Original. Das sieht man gut an einer technischen Schwäche, den die Minolta all ihren Klonen vererbt hat. Ein kleiner Elektrolyt-Kondensator in der Verzögerungsschaltung des elektonischen Verschlusses läuft mit den Jahren gerne aus. Dies führt dazu, dass der Belichtungsmesser im Sucher nach Einschalten der Kamera und leichtem Druck auf den Auslöser noch funktioniert. Drückt man den Auslöser dann für eine Aufnahme durch, passiert gar nichts mehr und die LED's im Sucher werden dunkel. Spannen geht natürlich auch nicht und damit ist die Kamera unbrauchbar. Glücklicherweise kann man einen solchen Kondensator für 25 Cent kaufen. Also habe ich meinen Lötkolben zur Hand genommen und mittels Transplantation die Kamera wieder zum Leben erweckt. 

Mein Exemplar hier ist ganz schön "abgemackelt", an einigen Ecken scheint sowas wie Metall durch die schwarze Lackierung. Die gesamte Deckkappe ist allerdings aus Kunststoff, wie es sich seit der Canon AE-1 durchgesetzt hat. Dem mitgelieferten Standard-Zoomobjektiv fehlt die Gummierung des Fokusrings, ansonsten ist es aber optisch wie mechanisch OK, trotz mehr oder weniger vollständiger Konstruktion aus Plastik. Auch dieses trägt wie die Kamera den Namen einer Handelsmarke. Exakta war damals als Marke im Besitz einer Nürnberger Vertiebsgesellschaft und hatte nichts mehr mit den Herstellern der ersten SLR für den Kleinbildfilm zu tun! Carena, ebenfalls Name eines untergegangenen Kameraherstellers aus Lichtenstein, wurde dann Handelsmarke der Schweizer Interdiscount AG und schließlich auch von Photo Porst für Spiegelreflexkameras und Zubehör benutzt. Meine Kamera wurde ca. 1995 bei Photo Porst zusammen mit dem Objektiv und einem Carena TZ250 Blitzgerät im Set gekauft.


Datenblatt KB-Spiegelreflexkamera, China Nachbau der Minolta X-300
Objektiv Wechselobjektive mit Minolta MC oder MD-Bajonett. Hier mitgeliefertes Standardzoom Exakta 35-70 mm f/3.5-4.8 ( 
Verschluss Elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss. 4s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation bei 1/60s. Stufenlos bei Zeitautomatik.
Belichtungsmessung TTL, mittenbetont integral, Si-Photodiode. 12-3200 ASA. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher mit LED-Anzeige für Belichtungsmessung und Verschlußzeit.
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt und Extrafunktionen bei Minolta-Blitzen
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung elektonischer Selbstauslöser (10s), Messwertspeichertaste, ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Filmlaschenhalter, Stativgewinde, Anschluss für Motorantrieb
Maße, Gewicht ca. 137/90/52 mm, 475g (ohne Objektiv)
Batterie3V, entweder 2x LR44 (Alkali), 2x SR44 (Silberoxid) oder 1x CR-1 (Lithium)
Baujahr(e) 1991-1999 (?), dieses #9565002 von 1995 (?)
baugleiche Handelsmarken Vivitar V50, Centon DF-300, Soligor SR-300 MD, Kalimar KX-5000, Safari DF-300, Texer EX-3, Zenit DF-300, Revue DF-300, Exakta HS50
Kaufpreis, Wert heute 349 DM (199x, Porst Katalog),  ca. 10€
Links Manual (Seagull DF-300, english)Manual (Minolta X-300, english)Camera-Wiki, Kamera-Geschichte.de

2018-05-10

Pentax ME-F + AF Zoom 1:2.8 35-70mm


Ein Meilenstein der Kamerageschichte: 1981 war die Pentax ME F die erste (kommerziell erhältliche) Autofokus-Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm mit TTL (through the lens) Fokusmessung. Alle diese Einschränkungen müssen sein, denn die erste AF-SLR war die Polaroid SX-70 Sonar Onestep von 1978. Die erste kommerzielle AF-Kleinbildkamera habe ich auch schon in meiner Sammlung: Konica C35 AF von 1977. Man sieht, Autofokus war damals ein ganz heißes Thema und DIE Innovation nachdem TTL-Belichtungsmessung und Belichtungsautomatik inzwischen Stand der Technik waren. 


Alle renomierten Kamerahersteller arbeiteten also damals an Autofokus-SLR's und Asahi Pentax Ingenieure waren die schnellsten am Markt. Sie haben es sich aber auch recht einfach gemacht. Die Pentax ist im wesentlichen eine Pentax ME-Super, die um eine integrierte Scharfstellhilfe und ein paar weitere damit verbundene Kleinigkeiten erweitert wurde. Die Bilder oben zeigen, was anders ist: Während die rechte Kameraoberseite unverändert ist, kamen links zwei Schiebeschalter für die Scharfstellhilfe hinzu. Außerdem braucht die Kamera die doppelte Anzahl an Batterien. Die Messzelle für die Phasenkontrastmessung sitzt im Boden der Kamera, der Rückschingspiegel ist in der Mitte halbdurchlässig und ein zweiter Hilfsspiegel lenkt das Licht auf den neuen Sensor. Das ansonsten identische K-Bajonett hat 5 neue elektrische Kontakte, die die Scharfstellinformationen an das einzig verfügbare AF-Objektiv übermitteln: SMC Pentax AF 35-70/2.8 Zoom. Dies hat einen eingebauten Scharfstellmotor, der aus 4 AAA Batterien gespeist wird und entsprechend einen recht unattraktiven Bauch. 
Aufmerksame Leser meines Blogs werden es vielleicht bemerkt haben: Die Kamera gehört schon seit 2013 zu meiner Sammlung, seit gestern habe ich (endlich) auch das dazugehörige Objektiv (oben auf Bild)! Und das Beste ist: Der AF funktioniert, so dass ich hier links ein kleines GIF des Scharfstellvorgangs zeigen kann. Ruckelnd tastet sich der Schrittmotor im Objektiv an die richtige Schärfe ran, man kann es im ursprünglichen Video hören. Bei genügend Licht und Kontrast funktioniert das sehr zuverlässig. Aber schon im Innenraum mit künstlicher Beleuchtung kann man den AF nicht wirklich mehr gebrauchen. Auch die Scharfstellgeschwindigkeit liegt eher im (mehrere-) Sekundenbereich, kein Vergleich zu heutigen Systemen. Cirka 80,000 Kameras und vermutlich weniger AF-Objektive wurden von 1981-1984 gebaut. Leider blieb dieses Zoom das einzige AF-Objektiv von Pentax. Immerhin funktioniert die Scharfstellhilfe mit allen anderen verfügbaren K-Objektiven über die LED-Anzeige in der unteren Suchermitte (siehe Video) oder wahlweise mit einem akustischen Signal (wer's mag). 

Es folgten andere Kamerahersteller mit ähnlichen Konzepten: Yashica mit der Contax 137 AF (nur ein Prototyp auf der Photokina 1982), Olympus OM30/OM-F (1983), Nikon F3AF (1983, 2 Objektive, nur für Profis erschwinglich), Canon T80 (1985).  Alle diese Kameras waren nicht sehr erfolgreich am Markt und werden wohl selbst kaum die Entwicklungskosten für die neuen AF-Systeme eingespielt haben. Der Durchbruch für Autofokus kam 1985 mit der Minolta (Maxxum) 7000. Davon in diesem Beitrag, denn auch eine solche konnte ich im März 2013 günstig erwerben...

Datenblatt Erste KB-SLR mit passivem TTL-Autofokus
Objektiv AF-adaptiertes Pentax K Bajonett, AF nur mit SMC Pentax AF 35-70 f/2.8. Alle K-Objektive passen (ohne AF).
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß ( Seiko MFC -E2) 1/2000s - 4s, mechanisch 1/125s und B.
Belichtungsmessung Mittenbetonte TTL-Offenblendmessung mit GPD-Zellen. Empfindlichkeitseinstellung 12-1600 ASA. 
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe, nicht auswechelbar. Elektronische Scharstellhilfe mit drei LED im Sucher, Steuerung des AF-Objektivs durch 5 Kontakte im Bajonett.
Sucher SLR, 92% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.95x. Anzeige der Belichtungszeiten mit farbigen LEDs. 
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/125s Synchronzeit. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz. 
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel. Anschlussmöglichkeit für Winder "ME2"
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser , Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschlussmöglichkeit für Datenrückwand
Maße, Gewicht ca. 134/83/52 mm, 480g (Gehäuse), mit AF-Zoom und Batterien: 1124g.
Batterie 4 x 1.5V LR44 oder SR44 für die Kamera und 4x AAA (Objektiv)
Baujahr(e) 1981-1984, ca. 80,000 Exemplare. Diese: #3505076 ca. 1981.
Kaufpreis, Wert heute $994 (1981, inkl. AF Zoom), heutiger Wert ca. 250 € (Kamera mit AF-Objektiv)
Links Manual (english) , Wikipedia , Werbeanzeige, Geschichte des Autofokus nach Patenten (english), Lomography, andere frühe AF-SLR's (japanisch)

2018-01-09

Minox 35 GT


Eine Minox 35 gehört natürlich in jede ernsthafte Kamerasammlung. Insbesondere natürlich meine, da ich bisher ein starkes Interesse an Halbformat und anderen kleinen Kameras gezeigt habe. Die Minox hatte den Titel "kleinste kommerzielle Kamera für den Kleinbildfilm" (135er mit 24x36 Bildformat) von 1974 bis 1996 inne. Sie hatte diesen der Rollei 35 abgenommen und musste sich 1996 der Minolta TC-1 geschlagen geben.

Minox landete mit der 35er Serie einen echten Coup und verkaufte mit am Ende fast 2 Millionen Exemplaren viel mehr als man sich wohl erhofft hatte. Im Prinzip handelt es sich bei allen Modellen um das selbe Grunddesign immer wieder kleinere Ergänzungen und Modifikationen erfuhr. Das Modell GT hier war stückzahlmäßig das erfolgreichste, und unterscheidet sich nur durch den zusätzliche Gegenlichtschalter ("G") und den Timer ("T") vom ersten Model (EL). 

Sie ist ja nicht wesentlich kleiner als ihre Vorgängerin auf dem Thron der kleinsten Kleinbild-Kamera (Rollei 35), aber sie ist insbesondere wegen der Belichtungsautomatik und der klassichen Anordnung der Bedienelemente deutlich praktischer. Damit war sie für den Fotolaien attraktiv, viele Frauen hatten sie einfach so in der Handtasche dabei. Ähnliches kann man übrigends über ihre größte Konkurrentin Olympus XA auch sagen. Der Erfolg erzeugt auch Nachahmer und Neider: sie wurde mehr oder weniger gut kopiert von Ricoh (FF1), Kiev (35A), Balda und auch in China.

Datenblatt Kleinste KB-Sucherkamera (1974-1995)
Objektiv Color-Minotar 35 mm f/2.8
Verschluss elektronisch gesteuerter Zentralverschluss, Zeitautomatik (8'' - 1/500 s). Gegenlichtschalter (2x), keine manuelle Zeiten.
Belichtungsmessung CdS, am Objektiv (kein TTL). 25-800 ASA
Fokussierung Manuell am Objektiv, keine Scharfstellhilfe.
Sucher optischer Sucher mit Bildrahmen und angezeigter Verschlusszeit
Blitz Blitzschuh, X-Synchronzeit ca. 1/125 s wird automatisch beim Einschieben eines Elektronenblitzes aktiviert.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel,
sonst. Ausstattung Drahtauslöseranschluss, Stativgewinde, elektronischer Selbstauslöser (T), Gehäuse aus Glasfaser-verstärktem Makrolon.
Maße, Gewicht ca. 100x61x31 mm, 190 g 
Batterie PX 27 (oder ggf. 4 x LR44 bzw.  2 x CR1-3N Lithium)
Baujahr(e) GT: 1981-1991 (652.891 Exemplare), diese hier #5022682 von 1981.
Die gesamte Serie: 1974-2002, 1.95 mio Exemplare.
Kaufpreis, Wert heute ca. 300 DM, ca. 40€
Links Wikipedia, Bedienungsanleitung, G. Steinbach, Subminiature Cameras, Peter Lausch, Camera-Wiki

2017-07-29

Nikon F-301 (N2000)


Eine weitere Nikon aus meiner Sammlung, die hier dokumentiert werden will. Ich habe sie glaube ich schon 2014 auf einem Kameraflohmarkt in den USA für nur $20 gekauft, zu Hause Batterien reingetan und festgestellt, dass alles funktioniert und sie dann irgendwie im Regal vergessen. 2015 habe ich sie dann fotografiert, aber immer noch nicht gepostet. Bei meinem Nikon Geburtstagsbeitrag habe ich sie wiederentdeckt, und hier ist sie: Nikon F-301, in den USA als N2000 vermarktet.
 
  
F-301 Broschüre (klick --> PDF)
Die Nikon F-301 ist Nikon's erste Kamera einer neuen Spiegelreflexgeneration, die durch Minolta's (Maxxum) 7000 AF im Jahr 1985 ihren Meister gefunden hat. Nikon hatte 1983 zwar schon eine AF-Übung im Profi-Bereich mit einem F3-Sucher und extra AF-Objektiven gemacht, den Amateurmarkt aber etwas vernachlässigt. Hier musste man 1985 also zügig nachlegen und brachte zunächst diese nicht-AF Kamera in neuem Design, von den Spezifikationen her fast eine Nikon FG mit eingebautem Motor. Sie sah damit der ersten Motor-SLR, der Konica FS-1 sehr ähnlich. Erst 1986 kam dann der eigentliche Nikon Gegenentwurf zur Minolta: die F-501 (in Nordamerika: N2020), die bei fast gleichem eher konservativen Grunddesign (Drehknöpfe!) das Kunststück vollbrachte, dem alten Nikon F-Bajonett zusätzlich Autofokus-Kopplung beizubringen. Das natürlich mit neuen AF-Objektiven und auf- wie abwärtskompatibel (AF-Objektive können mit alten Nikon Gehäusen und umgekehrt, natürlich jeweils ohne AF-Funktion). Damit gewann Nikon viel Lob in der Foto-Community und auch Titel (z.B. Kamera des Jahres 1986). 
Aber auch die kleinere Schwester F-301 bzw. N2000 war ganz erfolgreich und verkaufte sich ca. eine Million mal (eigene Recherche, plus-minus 15%). Weitere Details zur Kamera kann man der Broschüre hier entnehmen. Das hier mit der Kamera abgebildete Objektiv Zoom-Nikkor 35-70/f3.3-5.6 habe ich selbst schon seit 1987, Nikon hatte es seit 1984 im Programm und es wurde wohl auch mit der F-301 zusammen oft verkauft. Die F-301 wurde mehrere Jahre gebaut und erst im Sommer 1990 von der F-601M abgelöst. Aber auch das kann man woanders nachlesen.