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2020-08-30

Canon A-1

Auch wenn es mir als ehemaliger Nikonianer schwer fällt zuzugeben: Die Canon A-1 war bei ihrem Marktauftritt im Jahr 1978 der Konkurrenz weit voraus und hat es geschafft viele Dinge, die damals am Rande des technisch machbaren waren, in einem Gehäuse zu vereinen. Diese Kamera hatte so gut wie alles, was sich der ambitionierte Amateur wünschte und zielte genau auf diese Käufergruppe (für die Profis gab es "die F"). Canon hatte Innovation aber nicht nur in die Kamera selbst, sondern auch in ihre Fertigungstechniken gesteckt und so konnte man das Ding zu einem Preis anbieten, den die Konkurrenz für viel schlechter ausgestattete Kameras verlangte. Der Preis stimmte nachweislich: Die A-1 verkaufte sich wie schon ihre etwas früher erschienene Schwester AE-1 wie "geschnitten Brot", insgesamt fast 2,5 Millionen mal. Sie ist damit unbestritten eine der wichtigsten Kameras der SLR-Geschichte, natürlich auch technologisch betrachtet.  

Laut Anleitung ein "von Skalen und Zeigern völlig ungestörtes
 Sucherbild". Ich persönlichfinde die Digitalanzeige zwar
informativ, vermisse aber Richtungszeiger für Über- bzw. 
Unterbelichtung. Für P-Modus OK, bei M unbrauchbar! 
Auch Canon war bewusst, welche innovative Leistung sie da 1978 abgeliefert haben. So findet sich in der Einleitung der Bedienungsanleitung sehr selbstbewusst 5 mal der Begriff „erste Kamera“. Allerdings beziehen sich die ersten vier davon auf die tatsächlich in dieser Form in einer Kamera neuartige Elektronik (eher innere Werte), erst Nr. 5 nennt auch das für die Fotografen greifbare Neue: 5 Automatikmodi plus volle manuelle Kontrolle, wenn gewünscht. Und sie ist tatsächlich die erste SLR, die die gleichzeitige automatische Einstellung von Blende und Verschlusszeit „Programmautomatik“ (P) nennt. Die ein Jahr vor der A-1 erschienene Minolta XD-7 (und ihre größte Konkurrentin am Markt) hatte „nur“ eine versteckte Programmautomatik an den jeweiligen Bereichsenden von Zeit- oder Blendenautomatik. Die A-1 kann genau das übrigens auch, und für mich ist das für den ambitionierten Amateur völlig ausreichend. Mit ihrem Preis/Leistungsverhältnis sprach die Canon allerdings auch ein paar SLR Anfänger an und die werden den P-Modus wohl häufig genutzt haben. Die allererste SLR mit Wechselobjektiven und „elektr(on)ischer“ Vollautomatik war die wenig bekannte Wirgin Edixa electronica von 1962, allerdings mit einer teuren und umständlichen Technik, die fast niemanden vom Hocker riss. 
Schaltzentrale mit jeweils teilverdecktem zentralen Einstell-
rad. Interessanterweise wird auch bei Zeitautomatik (Av) hier
die Blende eingestellt, was recht fummelig und nicht sehr ergonomisch
ist. Gut gelöst ist die Kombi aus Hauptschalter und Selbstauslöser.

Die Canon A-1 faszinierte und polarisierte die Fotoszene mit einer in dieser Fülle selten gesehenen Vielfalt von Einstellmöglichkeiten, Hebeln, Knöpfen und Systemzubehör. Die fünf Automatikmodi waren nur die Spitze des Eisbergs. Sie hatte aber auch ein paar Schwächen, die ihre Kritiker aus den anderen Markenlagern gerne betonen: Da ist zuerst der altbackene horizontale Tuchschlitzverschluss, der nur 1/60s Synchronzeit schafft und ohne Batterie gar nicht funktioniert. Was mir persönlich besonders missfällt ist die fummelige und manchmal umständliche Bedienung außerhalb des P-Modus. Da sind ihre direkte Konkurrentin Minolta XD7 und viele spätere Automatikkameras deutlich ergonomischer. Ansonsten ist nicht viel Negatives zu sagen. Sogar die Kritik an ihrer kleinen Schwester AE-1 trifft nicht, es wäre zu viel Plastik im Spiel. Bei der A-1 ist trotz gleicher Gehäusedimension und vieler Gleichteile tatsächlich einiges (wieder) aus Metall, und sie wirkt (und ist) dadurch sehr robust. Auch heute noch findet man wohl viel mehr noch funktionierende A-1 Exemplare als von den zahlreicheren Schwestern AE-1 und AE-1 Programm. Das ist rückblickend keine Selbstverständlichkeit für eine Kamera der Elektronik-Generation!
  
Nach längerer Marktbeobachtung bei e-bay war ich erstaunt, wie gefragt die A-1 auch heute noch ist. Gut erhaltene und funktionierende Gehäuse wechseln so zwischen 40 und 80€ die Besitzer, für ein originales Canon Objektiv dazu muss man je nach Typ nochmal das selbe rechnen. Über mein relativ günstig ergattertes Exemplar bin ich sehr glücklich. Nach Einlegen einer neuen Batterie zeigte sich der komplette Funktionsumfang. Die Kamera war aus erster Hand, gut gepflegt und wohl immer nur mit diesem Objektiv bestückt gewesen, daher auch kaum Staub auf Spiegel oder Mattscheibe. Trotzdem sieht (und hört, s.u.) man der Kamera an, dass sie benutzt wurde. Nach Aussage der Erstbesitzerin aus Berlin für vielfältige Streifzüge nach Ostberlin nach dem Mauerfall 1989 und auch zur Verhüllung des Reichstags durch Christo und Jean Claude im Jahr 1995.
Fast alle heute ca. 40 Jahre alte Canon A-1 haben ein mehr oder weniger großes "Altersleiden", so auch mein Exemplar. Es wird in den entsprechenden Kreisen meist (Keuch-)Husten oder Astma genannt und klingt beim Auslösen der Kamera auch fast so. Michael Reichardt hat auf seiner Seite nicht nur Tonaufnahmen davon, sondern auch sehr schön beschrieben, wie einfach man das wieder mit einem Tröpfchen Öl beheben kann. So hab ich es auch gemacht.
Canon hat übrigens ihre A-Serie nach der A-1 weiter ausgebaut und abgerundet. Neben den älteren AE-1 (Blendenautomatik) und AT-1 (Nachführmessung), gab es später noch eine AV-1 (Zeitautomatik). Die AE-1 bekam mit der AE-1 Programm eine noch erfolgreichere Nachfolgerin und mit der letzten A-Serienkamera AL-1 deute Canon schonmal an, dass auch sie bereits an Autofokus forschten. Canon konnte alle diese Kameras kostengünstig mit fast identischem technischen Innenleben bauen, immerhin zusammen etwas mehr als 13 Millionen Exemplare zwischen 1976 und 1985. Damit haben sie Ende der 1970er Jahre erstmalig die Marktführerschaft im SLR Segment übernommen, aber diese Geschichte bereite ich vielleicht mal extra auf... 

Datenblatt high-end Amateur SLR mit PSAM Automatik-Set
Objektiv alle Objektive mit Canon FD (ab 1971) oder FDn (ab 1979) Bajonett, frühere FL-Objektive (ab 1964) können mit Einschränkunegn genutzt werden. Hier mit dem Standardzoom FD 35-70 f/4 (ab 1979).
Verschluss elektronisch gesteuerter, horizontaler Tuchschlitzverschluss 30s - 1/1000s, B, stufenlos bei Zeitautomatik. Keine mechanische Verschlusszeit, Kamera funktioniert ohne Batterie nicht.
Belichtungsmessung Si-Photodiode, TTL, mittenbetont, LW -2 bis 21, Empfindlichkeit 6-12.800 ASA (9-42 DIN).
Belichtungsautomatik erste Kamera mit den heute üblichen vier Modi "PSAM": Programmautomatik, Zeitautomatik ("Av"), Blendenautomatik ("Tv"), Manuelle Einstellung, Zeitautomatik bei Arbeitsblende. 
Fokussierung manuell am Objektiv, serienmäßige Einstellscheibe mit Mikorprismenring und Schnittbildindikator. Weitere Einstellscheiben erhältlich, Wechsel nur durch Kundendiesnt.
Sucher eingebauter Pentaprismensucher 0.83-fache Vergrößerung (50mm), zeigt ca. 94% des Bildes. 7-Segment-LED Anzeigen für Blende, Verschlusszeit, Blitzbereitschaft und andere Warnungen. 
Blitz Synchronzeit 1/60s, Anschluss über PC-Buchse oder Mittenkontakt im Zubehörschuh, Extrakontakte für Canon-Systemblitze: Blitzautomatik stellt automatisch Synchronzeit und Blende ein.
Filmtransport Schnellschalthebel, Rückspulkurbel, Bildzähler (vorwärts- und rückwärts zählend!), Anschluss für Winder (2 B/s) oder Motordrive (bis 5 B/s).
sonst. Ausstattung Okularverschluss und mögliche Abschaltung der LED-Anzeige gegen Fremdlichtfehler bei Stativaufnahmen, Messwertspeicher mit Taste, Abblendschieber, elektronischer Selbstauslöser (2 oder 10 s), Mehrfachbelichtungshebel, auswechselbare Rückwand für den Ansatz einer Datenrückwand, ¼ '' Stativgewinde, Anschluss für ISO-Drahtauslöser, Filmlaschenhalter
Maße, Gewicht ca. 141 x 92 x 48 mm, 620 g
Batterie 6V PX28 oder 4LR44, Batterietest-Taster.
Baujahr(e) 1978-1985, ca. 2,43 Millionen Exemplare, dieses #1296717 von März 1981 (Code V342F)
Kaufpreis, Wert heute 1098 DM (1980 mit 1.4/50), ca. 50-200 € je nach Zustand und Objektiv
Links Camera-WikiWikipedia (D), Wikipedia (E)Ken Rockwell 35-70, Canon Camera Museum, Bedienungsanleitung, Canon SLR production numbers

2019-03-10

Asahi Pentax ES


Und wieder ein Meilenstein: Die erste SLR mit Zeitautomatik und dem entsprechend dazu gehörigen elektronischen Schlitzverschluss hieß Pentax ES. Eigentlich hieß die erste Serie der Kamera noch "Elektro Spotmatik" und war 1971 nur auf dem japanischen Markt zu haben (Seriennummern 55xxxxx, ca. 60.000 Exemplare). Im Netz gibt es die Vermutung, dass zunächst noch eine nicht so robuste elektronische Platine an Bord war, was ihr einen gewissen Ruf bzgl. mangelnder Zuverlässigkeit einbrachte. Ab Ende 1971 hieß die Kamera für den Weltmarkt dann Pentax ES und hatte eine in Massenfertigung erstellte und bessere Platine an Bord. Die Seriennummern lauteten nun 65xxxxx und es wurden nochmal ca. 60.000 Exemplare gebaut. Meines ist vom Anfang dieser zweiten Serie. Ansonsten waren die Kameras aber identisch und basierten auf dem bewährten Spotmatik Gehäuse.

Um die Elektronik unterzubringen, haben die Ingenieure die Bodenkappe auf 9 mm verbreitert, die Kamera selbst wird dadurch 5 mm höher und kippt mit angesetztem Objektiv mal gern nach vorne. Der Selbstauslöser und (vermutlich) das Langzeitenwerk des mechanischen Verschlusses mussten der Batterie weichen. Die Standardfarbe der ES war nun schwarz, Chrome war die Sonderausführung. Außerdem gab es den nun standardmäßigen Zubehörschuh mit Mittenkontakt.
Dass man einen Schlitzverschluss mittels elektronischem Hemmwerk steuern kann, hatten die Ingenieure vom VEB Pentacon in der DDR schon an der Praktica PL Electronic im Jahr 1968 gezeigt. Allerdings war diese Kamera noch nicht wirklich ausgereift und hatte noch einige Schwächen. Im dazugehörigen Patent wird auch schon die Möglichkeit zur automatischen Verschluss-Steuerung durch den Belichtungsmesser erwähnt, aber eben nicht realisiert. Das haben die Asahi Ingenieure nun erledigt. Aber auch bei Pentax hat man sich nicht mit einer reinen Elektronik-Kamera auf den Markt getraut, zu groß war die Skepsis gegenüber der Zuverlässigkeit der Elektronik, bzw. der Batterie. Es gab also noch mechanische Zeiten, mit denen man auch ohne Batterie und Elektronik fotografieren konnte. 


Die ES war nicht nur Pentax' erste SLR mit Zeitautomatik, sondern mit ihr führte man auch die neue Offenblend-Variante für M42 ein. Endlich, Pentax! Man erkennt es am innerhalb des Gewindes und unterhalb des Pentax Schriftzugs liegenden Hebels (kleines Bild rechts). Über einige andere M42-Varianten habe ich ja schon geschrieben (Praktica, Fujica). Trotz des Fortschritts hier blieb der M42-Anschluss der schwächste Punkt dieser ansonsten so fortschrittlichen Kamera. Asahi brachte schon 1974 mit der ES-II einen fast baugleichen Nachfolger, neben internen Verbesserungen an der Elektronik kam der Selbstauslöser zurück, indem man einen neuen Platz für die Batterien fand. Parallel arbeitete man aber schon am K-Bajonett, dass dann schon 1975 Premiere feierte. Die erste Kamera damit war die Pentax K2, ebenfalls ein Zeitautomat, allerdings nun mit einem vertikalen Metalllamellenverschluss.


Datenblatt Erste SLR mit Zeitautomatik
Objektiv Wechselobjektive mit M42 Schraubgewinde (Offenblendvariante Pentax). Hier mit SMC Takumar 105 mm f/2.8 (5 Linsen in 4 Gruppen). 
Verschluss Elektronisch sowie mechanisch gesteuerter,  horizontaler Tuchverschluss. Automatisch und stufenlos gesteuert zwischen 8 s - 1/1000 s. Mechanische Zeiten 1/60 - 1/1000s und B. Blitzsynchronisation bei 1/60s.
Belichtungsmessung TTL, wählbar zwischen offener oder Arbeitsblende, CdS-Zelle. 20-1600 ASA. 
Belichtungsautomatik Erste SLR mit Zeitautomatik durch elektronisch gesteuerten stufenlosen Verschluss.
Fokussierung Manuell am Objektiv, Einstellscheibe mit Mikroprismenzentrum.
Sucher Fest eingebauter Pentaprismensucher mit Nadel-Anzeige für Belichtungszeit. 
Blitz Zubehörschuh mit Mittenkontakt (X) sowie separate Blitzbuchsen für X und FP.
Filmtransport Schnellschalthelbel, Rückspulknopf, Bildzählwerk (vorwärts zählend)
sonst. Ausstattung Abblendhebel (aktiviert Arbeitsblenden Messung), ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Stativgewinde, Belichtungskorrektur (+2/-1 Stufen) bei Automatik, Filmtyp-Merkschieber, Batterietest-Taste.
Maße, Gewicht ca. 143x98x91 mm, 678 g (Gehäuse inkl. Batterien), 960g mit Objektiv.
Batterie6V PX28, 4LR44, Eveready #544, oder 4x LR44 bzw. SR44.
Baujahr(e) 1971-1973, ca. 130.000 Einheiten, dieses #6502640 von 1971
Kaufpreis, Wert heute ca. US$320 (mit 55mm f/1.8), heute ca. 30 €(Gehäuse), 100€ inkl. Objektiv.
Links Camera Manual (english), Camera-Wiki, Simon Hawkett, Pentax-SLR.com, Chemicalcameras, Pentax Forum, Kleinbildkamera.ch,
Meine anderen Pentax-SLR Posts: Spotmatic, Spotmatic F, K-1000, ME-F, SLR production, Super-Takumar 55 f/2, SMC-Pentax A 50 f/1.7, Pentax Auto-110

2018-06-12

Ihagee Blitzleuchte


Auch dieses Zubehör kam mit meinem Flohmarktfang um die Praktica FX.2 herum. Wie fast alles andere auch in extrem gut erhaltenem Zustand, komplett im Karton. Sogar eine heute seltene Batterie vom Typ V72PX (22.5V) war dabei, allerdings keine Blitzlämpchen mehr, so dass ich das Ensemble aus Kamera und Blitz nicht wirklich ausprobieren kann. Eine Anleitung war (natürlich) auch dabei. Diese habe ich eingescannt und stelle sie hier anstelle von eigenem Text hier dem interessierten Leser zur Verfügung. Einfach auf das Bild oben klicken und viel Spaß dabei!

2018-04-15

Praktica LLC


Ende der 1960er Jahre war der VEB Pentacon der deutsche Kamerahersteller, der es noch am ehesten mit der immer besser werdenden japanischen Konkurrenz aufnehmen konnte. Nicht von ungefähr wurde die 1969 eingeführte L-Serie die erfolgreichste deutsche SLR. Allen L-Kameras (L von Lamelle) gemein ist der neue (relativ) kompakte vertikale Stahllamellenverschluss, der den bis dahin fast überall zu findenden langsamen horizontalen Tuchschlitzverschluss a la Leica in fast allen Belangen ins Abseits stellt. Aber dazu mal irgendwann etwas in einem extra-Post.  
Schon die erste Generation kam 1969 mit verschieden ausgestatteten Kameras. Neben dem Basismodell L gab es die LB (mit eingebautem nicht-TTL Belichtungsmesser), das Hauptmodell "LTL" (TTL bei Arbeitsblende), sowie die zwei Spitzenmodelle LLC und VLC. Letztere bot auswechselbare Sucher, beide hatten aber die andere große Innovation an Bord, TTL bei offener Blende, realisiert über die weltweit erstmalige Verwendung von elektrischen Kontakten zwischen Objektiv und Gehäuse.

Um es nochmal klar herauszustellen: Die LLC ist nicht die erste Spiegelreflex mit TTL bei offener Blende, sondern "nur" die erste Kamera, die für die notwendige Blendensimulation die Informationen vom Objektiv an die Kamera per elektrischen Kontakten (siehe Bild oben) übertrug. Schon die allererste Spiegelreflex mit TTL-Messung (Topcon RE Super) konnte stets bei offener Blende messen, auch andere Kameras der späten 1960er Jahre boten das (z.B. Minolta SRT-101, Nikkormat FTn), alle mit mechanischer Blendenwert-Übertragung. Der Marktführer und Prakticas größter Konkurrent bei Kameras mit dem defakto Standard M42 konnte es allerdings nicht: Pentax Spotmatic SP. Pentax brauchte sogar bis 1971 (Electro Spotmatic) bzw. 1973 Spotmatic F, um hier am Markt nachzuziehen. 
Wichtigstes Bauteil der neuen elektrischen Blendenwert-
Übertragung: Schiebewiderstand im Objektiv.
Es ist aber vermutlich viel schwieriger eine mechanische Übertragung des Blendenwertes beim M42-Schraubgewinde zu realisieren als bei immer in der gleichen Position einrastenden Bajonett-Verbindungen. Unmöglich ist es aber nicht, wie schließlich 6 verschiedene andere untereinander nicht kompatibele mechanische M42-Modifikationen beweisen (1968: Pentacon Super, 1970: ZeissIkon Ikarex TM,  1971: Olympus FTL, Pentax ES, 1972: Fujica ST-801, 1974: Mamiya MSX 1000). Leider wollten oder konnten sich diese Hersteller nicht auf ein einheitliches System einigen. Vermutlich auch aufgrund der Tatsache, dass man verstanden hatte, dass M42 eh ein Auslaufmodell war und im Hintergrund schon an Bajonetten gearbeitet wurde. Der wichtigste M42 Nachfolger ist natürlich Pentax' K-Bajonett (1975) und das hatte eine genormte (mechanische) Blendenwert-Übertragung. Praktica kam erst 1979 mit einem Bajonett (daher der Name: B-Reihe) und das hatte wieder: Elektrische Kontakte (als  EDC, elektronische Blendenkontrolle beworben). 
Elektrische Kontakte in anderen Objektivfassungen tauchen dann erst wieder in AF-Kameras (1981: Pentax ME-F) auf, diesmal zur Übertragung der Entfernungs-Informationen. Hier hat kein Hersteller jemals versucht, auch diese mechanisch zu übermitteln. Spätere, konsequent mit der mechanischen Vergangenheit brechende Systeme (z.B. Canon EF) übertragen heute alles nur noch elektrisch, bzw. elektronisch. Saß in den Pentacon "electric" Objektiven nur ein einfacher Schiebewiderstand, so sind es heute Mikroprozessoren mit eigenem Betriebsystem (Firmware), die mit den Kameras kommunizieren. 

Meine Kamera hier habe ich als teilweise defekt, aber in äußerlich sehr gutem Zustand mit zwei Objektiven (darunter das exzellente und damals originale Zeiss Pancolar) für nur 40€ bei e-bay ergattert. Zu meiner Überraschung war auch die seltene PX-21 Batterie dabei, noch mit Spannung! Besonders stolz bin ich, dass ich die festsitzenden Blendenlamellen des Pancolars wieder gängig bekommen habe. Bei der nötigen Komplett-Zerlegung des Objektivs habe ich schon arg geschwitzt, aber am Ende flutscht alles wieder! Auch der Belichtungsmesser in der Kamera zuckt nach etwas Pflege wieder, allerdings scheinen die Blendenwerte vom Objektiv nicht übertragen zu werden. Schade, denn hierum geht es ja gerade. Mal sehen, was sich noch machen läßt. Im Übrigen wird die Kamera in der Vitrine den Platz ihrer jüngeren Schwester LTL3 übernehmen, den sie quasi für den Meilenstein hier stellvertretend eingenommen hatte. 


Datenblatt Erste KB-Spiegelreflexkamera mit elektrischer Übertragung des Blendenwerts für Offenblendmessung
Objektiv M42 Schraubgewinde, hier Carl Zeiss Jena Pancolar 50 mm f/1.8 (6 Linsen in 4 Gruppen)
Verschluss mechanischer, vertikaler Stahllamellenverschluss 1s bis 1/1000 s und B.
Belichtungsmessung CdS, Nachführmessung bei offener Blende, "Electric"-Objektive vorausgesetzt.  12-1600 ASA (12-33 DIN)
Fokussierung Manuell am Objektiv, Mikorprismen als Scharfstellhilfe.
Sucher Spiegelreflex, nicht gespannter Zustand wird durch Dreieck im Sucher angezeigt.
Blitz Mittenkontakt im Zuberhörschuh, keine extra Buchse. Synchronzeit 1/125 s.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk (vorwärtszählend), Rückspulkurbel. Hilfe beim Filmeinfädeln.
sonst. Ausstattung Stativgewinde, ISO-Drahtauslöser, Trageösen, Aufsteck-Okular für Zubehör, Zubehörschuh, Selbstauslöser, Arretierung für den Auslöser.
Maße, Gewicht ca. 145x98x50 mm, 613g (mit Batterie), 840g (mit Objektiv)
Batterie PX-21 (4.5 V)
Baujahr(e) 1969-1975, 176.697 Exemplare, diese #272497 
Kaufpreis, Wert heute 660 Mark (1969), heute ca. 50€
Links Camera-Wiki, Wikipedia, Dresdner Kameras, Praktica Collector, Bedienungsanleitung, Vielseitige Praktica (Buch), Prakticas reparieren lassen.

2016-02-06

PX625 (PX13) und Alternativen


Heute verbotene Quecksilber-Batterie PX625 und die Alternativen Wein-Cell (Zn-Luft, links oben), PX625A (Alkali, rechts oben). In der unteren Reihe der Adapter mit Diode, zu bestücken entweder mit LR44 (Alkali) oder SR44 (Silberoxid).
Alkali-Batterien wie die LR44
liefern 1.5V
Unglaublich viele Kameras der 60er und 70er Jahre nutzen die PX625 (auch PX13) als Batterie. Sie passte einfach perfekt zu simplen CdS-basierten Belichtungsmessern, hielt lange durch (manchmal Jahre!) und lieferte zuverlässige Messwerte. Aufgrund ihres hohen Gehalts an Quecksilber wurde sie (und ihre direkten Schwestern) ab Ende der 70er Jahre durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt (meist LR44 bzw. SR44). Anfang der 90er Jahre dann wurde sie in den wesentlichen Märkten verboten und ist heute so gut wie nicht mehr zu bekommen (zumindest nicht "frisch"). Was tut man aber, wenn man alte PX625-schluckende Kameras oder Belichtungsmesser heute noch betreiben will. Dazu gibt es mindestens die folgenden Alternativen:
 
1) PX625A, die Alkali-Variante der PX625 in gleicher Gehäuseform, aber anderer Chemie an Bord. Sie liefert 1.5V und hat eine Alkali-typische, aber für unseren Zweck ungünstige Kennlinie. Einige wenige Kameras besitzen vielleicht eine sog. Brückenschaltung und kommen auch damit klar, bei den meisten sollte man sich aber nicht auf die Messergebnisse verlassen.

...mit Schottky-Diode auf die Hg/Zn
typischen 1.35 V reduziert.
2) Die sog. Wein-Cell, eine Zink-Luft Batterie in entsprechender Bauform. Sie liefert die richtige Spannung von 1.35 V und hat auch eine waagerechte Kennlinie und ist somit die (fast) ideale Alternative. Nachteil: Zink-Luft Batterien laufen, einmal aktiviert, nur wenige Monate egal ob man sie verwendet oder nicht. Die Wein-Cell habe ich mit der Olympus 35SP erfolgreich ausprobiert.

3) Ein Batterie-Adapter für die gebräuchlichen 44er Knopfzellen, am Besten mit eingelöteter Schottky-Diode, die die Spannung auf die gewünschten 1.35 V reduziert. Als Zelle verwendet man am besten eine Silberoxid-Knopfzelle (SR44), damit ergibt sich eine fast perfekte Alternative zur alten PX625. Bei der Verwendung der preiswerteren Alkali-Variante LR44 gilt das unter 1) gesagte. Ich habe meinen Adapter nicht selbst gebaut, sondern von einem anderen Bastler auf e-bay erworben. Mein Spannungsmesser zeigte die entsprechenden Spannungen an (siehe Bilder) und bestätigte die einwandfreie Funktion.  
Hier noch ein paar Links zum Weiterlesen und ggf. Selbstbauen: Silverbased.org, alles andere im Detail steht in diesem Artikel von Frans DeGruijter.
Ein sehr schönen Überblick über diese und andere heute nicht mehr erhältliche Kamerabatterien liefert Photoetnography. Besonders gefäält mir die jeweils angegebene heutige(n) Alternative(n).

Nur um zu verdeutlichen, wieviele Kameras diese Batterie verwendet haben (eine umfangreiche Liste gibt es in Frans DeGruijters Artikel), hier diejenigen aus meiner Sammlung: Nikon F1 FTn, Olympus 35 SP, Canon Pellix, Olympus OM1, Rollei 35, Rolleiflex SL26, Contaflex 126, Olympus Pen F (Aufsteck-Beli), Zeiss Ikon Contessa S310, Praktica LTL3, Pentax Spotmatic SP-F, Topcon RE Super. Der Grund warum ich mir jetzt den Adapter zugelegt habe, ist meine neueste Erwerbung: King Regula Reflex 2000 CTL.