2021-02-21

Korelle K


Mein neuestes Schmuckstück für die Vitrine heißt Korelle K und ist eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte kleine Kamera. Die Firma Kochmann aus Dresden brachte sie wohl um Ende 1932/Anfang 1933 als Ersatz ihrer Korelle 3x4 auf den Markt, denn dort tummelten sich schon etliche andere 3x4-Kameras mit fast identischen Spezifikationen und man wollte (und konnte) sich hiermit vom Mainstream abheben. Das "K" steht meines Erachtens für Kino-Film (andere behaupten Kleinbild, Kunststoff könnte auch passen), was das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zu den damals "Kleinfilm" genannten 3x4-Kameras für den 127er Rollfilm war. 
Die Korelle K ist eine der ersten Halbformatkameras (18x24 mm auf perforiertem 35mm Kinofilm), die wie eine "normale" Kamera daherkam und einigermaßen kompakt war. Es gab schon in den 1920ern einige Kameras für dieses beim bewegten 35 mm Film übliche Negativformat. Diese sahen allerdings auch aus wie Filmkameras und waren recht groß und umständlich in der Bedienung (z.B. Roth's Minnigraph oder die Ellison Kamra). Lediglich die sehr seltene französische „Les Cent Vues“ (Mollier, ca. 1925)  kann als Vorbild für die Korelle K gelten. Interessanterweise fand das Konzept erst einmal keine weiteren  Nachahmer. Halbformatkameras wurden erst ab Ende der 1950er in Japan wieder populär, z.B. mit so großartigen Kameras wie der Olympus PEN Serie.

Die Korelle K war aber auch in technischer Hinsicht bemerkenswert. Sie war in keinem der folgenden Punkte wirklich die erste Kamera, gehörte aber jeweils zu den Pionieren und zeigte schon 1932, was erst Jahre später technischer Standard werden sollte. 
  • Da ist das Gehäuse aus Bakelit, dem ersten synthetischen Kunststoff mit Relevanz. Obwohl schon 1907 erfunden dauerte es wegen Weltkrieg und anderen Gründen ca. 20 Jahre bis die ersten Alltagsgegenstände daraus verfügbar waren. Als erste Bakelit-Kamera gilt die QRS-Kamra von 1928, ein seltener Ellison Abkömmling. Die erste in größeren Stückzahlen produzierte Kamera aus diesem Kunststoff war 1930 die Kodak No. 2 Hawkette. Meiner Recherche nach war die Korelle K die erste Bakelit-Kamera aus deutscher bzw. europäischer Produktion. Äußerlich geprägt wie feines Leder fasst sich die Korelle auch heute noch sehr gut an. Abnutzung ist an meinem Exemplar nur an den Metallteilen zu erkennen, das Plastik ist erstaunlich arm an Kratzern und hervorragend erhalten. Meine ist schwarz, es gab sie aber auch in braun bzw. rot-braun

  • Man sieht es der Kamera nicht direkt an, aber es gab Wechselobjektive mit 5, 7.5 und 10 cm Brennweite. Die Kamera hatte Zeit-typisch einen Compur Zentralverschluss, der aus diesem Grund zusammen mit der Blende hinter dem und nicht im Zentrum des Objektivs zu finden ist. Das übliche 3.5 cm Standard-Objektiv sitzt in einem 22mm Gewinde im Verschluss und kann durch einige Umdrehungen einfach abgeschraubt werden. Objektive wurden von Meyer, Schneider, Zeiss und später auch Leitz angeboten. Vermutlich hat die Kundschaft davon keinen großen Gebrauch gemacht: Kameras mit diesen Teleobjektiven sind heute extrem rar und teuer. 

  • Im Gegensatz zu fast allen anderen Zentralverschluss-Kameras am Markt, hatte die Korelle K als eine der ersten von ihnen einen Gehäuseauslöser.  Gekoppelt mit dem Filmtransport konnte so eine Doppelbelichtungssperre realisiert werden. Dabei entsperrt der Filmtransport den Auslöser nur, spannt aber leider nicht gleichzeitig den Verschluss. Vergisst man dies und drückt dann den Auslöser, erzeugt man leider ein leeres Negativ, weil der Auslöser wieder gesperrt wird und man den Film (ohne Aufnahme) transportieren muss, um ihn wieder zu entsperren. Trotzdem ein Fortschritt, der sich in den 1930er Jahren und dann besonders in den 50ern als Standard durchsetzt.

  • Und dann war da natürlich der Kino-Film, der zusammen mit dem kleinen Negativformat die für diese kompakte Kamera unglaubliche Anzahl von bis zu 100 Aufnahmen pro Filmladung ermöglichte. Es wurden spezielle Patronen mitgeliefert, die vom Fotohändler oder dem Fotografen selbst mit loser 35mm Kinofilm Meterware befüllt wurden. Das war damals auch bei der Leica und der im gleichen Jahr wie der Korelle erschienenen Contax I üblich. Jeder Hersteller hatte eine eigene spezielle Kassette. Erst 1934 erschien mit der Retina Kodak's 135er Kassette. Diese wurde zur Norm, weil sie vor-konfektioniert verkauft wurde und in alle Kameras passte. Zum Glück auch in die Korelle K!
Auf mein eigenes Exemplar habe ich lange gewartet. Die Kamera ist relativ selten, ich vermute nur wenige Tausend Stück, die von Ende 1932 bis ca. 1935 produziert und verkauft wurden. Daher und auch wegen ihrer interessanten Features erzielt sie ordentliche Sammlerpreise. Ich habe also viele der relativ seltenen e-bay Auktionen ziehen lassen müssen und nun recht günstig zuschlagen können. Meine Kamera ist, wie man an den Bildern sieht, super erhalten und funktioniert auch zu 100%. Lediglich der Fokus-Schneckengang ist recht schwergängig und die Filmkassette bzw. Aufwickelspule fehlen. Allerdings passt ja die 135er Patrone und ich habe mir schon eine Aufwickelpatrone gebastelt, sodass ich demnächst mal einen Film riskieren werde. 
Nur die Sache mit dem Filmtransportknopf hat mich zunächst verwirrt: Auf allen offiziellen Darstellungen (Katalogseiten, s.u.) ziert die Kamera ein flacher Knopf, während fast alle Fotos von Kameras den breiten Knopf wie meine zeigen. Die Lösung ist vermutlich simpel: Schraubt man mit den beiden Schräubchen den breiten Knopf ab, kommt darunter der flache zum Vorschein. Ich glaube, dass der breite Knopf wie auch die metallene Kappe auf dem Bildzählwerk es erst im letzten Moment in die Serienproduktion der Kamera geschafft haben. Daher haben sie alle Serienkameras, die Katalogdarstellungen wurden aber von einem Prototypen genommen.   

Datenblatt Frühe Halbformatkamera 18x24 für 35mm-Film in modernem Design. Erste Bakelit-Kamera aus Europa.
Objektiv Carl Zeiss Tessar 3.5 cm f/2.8 (#1415228), auswechselbar über Gewinde. Weitere Objektive erhältlich: Meyer Trioplan 2.8/3.5, 2.8/5 und 2.8/7.5 cm; Tessar 3.5/3.5, 3.5/7 cm; Schneider Xenar 2.9/3.5, 3.5/3.5, 3.5/5, 3.8/7.5, 3.8/10 cm; Leitz Elmar 3.5/3.5, 3.5/5, 4.5/7.5 cm.  
Verschluss Compur T-B-1-2-5-10-25-50-100-300, später auch mit Compur Rapid (1/500 s), Verschluss und Blende hinter dem Objektiv. Compur #2487320
Fokussierung Schneckengang, Verschieben des ganzen Objektivs. Naheinstellgrenze 0.5 m
Sucher optischer Newton-Sucher
Filmtransport Drehrad, Transport entsperrt Gehäuseauslöser, Filmvorschub in aufnehmende Filmpatrone, keine Rückspulung! Filmzählwerk, automatisch vorwärts zählend bis 100, manuelle Rückstellung
sonst. Ausstattung Stativgewinde 3/8'', Drahtauslöseranschluss, Tiefenschärfetabelle aus Metall. Als Zubehör gab es spezielle Filmkassetten und Aufwickelspulen, sowie einen Objektivdeckel aus Bakelit.
Maße, Gewicht Bakelit-Gehäuse: 90x32x56 mm, Kamera gesamt: 90x54x65, 338 g (mit Film)
Baujahr(e) 1932-1935, diese hier laut Objektivseriennummer von 1932
Kaufpreis, Wert heute 130 RM (mit Tessar f/2.8), ca. 300 €, rote erzielen höhere Preise. Solche mit den Teleobjektiven sind sehr wertvoll.
Links Pacific Rim Camera, Camera-Wiki, EarlyPhotography, Half-frame cameras
Korelle K im Photo Porst Katalog, 13. Auflage 1935


2021-02-14

Baby Ikonta (520/18)


Zeiss Ikon hatte neben seinem Oberklassemodell Kolibri noch eine weitere 3x4-Kamera am Start. Die Ikonta 520/18 gehört zu einer Reihe von insgesamt fünf fast identisch ausgestatteten Faltbalgen-Kameras für verschiedene Rollfilmformate. Die Serie startete im Jahr 1929 und wurde im Zeiss Ikon Katalog unter den Modellnummern 520/x geführt. Die 520/18 ist die kleinste (für den Rollfilm 127) und wird daher (inoffiziell) als Baby Ikonta bezeichnet.
Die Seriennummer (hier T 28155) findet man
auf der aufgeklappten Rückwand, sonst ist sie
versteckt unter dem Sucher.
Während die Kolibri 1930 zu den ersten 3x4 Kameras gehörte und in ihrer „Normalausführung“ mit Tessar und Compur über 120 RM kostete, platzierte Zeiss Ikon die Ikonta am Ende des Jahres 1931 bewusst ins unterste Preissegment (siehe die Photo Porst Katalogseite unten) für unter 40 RM. Es war ja Weltwirtschaftskrise und in Deutschland sollte das schlimmste Jahr 1932 noch kommen. 

Ihre Standardausführung umfasste also das 3-linsige Novar und den Derval Einfachverschluss. In der Tat sind auch die meisten heute gehandelten Kameras so ausgestattet. Ansonsten ist die Verarbeitung Zeiss Ikon typisch sehr solide, der Balgen aus Leder und die Kamera gehört zu den kompaktesten der Klasse. Das Objektiv springt beim Druck auf einen Knopf in Aufnahmeposition, Spannen des Verschlusses: nicht nötig!

Auch heute noch ist diese Ikonta der preiswerteste Einstieg in eine 3x4 Kamerasammlung. Mein Exemplar hat mich nur 13,50 € plus Versand gekostet. Es war allerdings auch recht runtergekommen, obwohl im Prinzip alles noch funktioniert. Ich habe am Titelbild eine virtuelle Renovierung (aka Retusche) vorgenommen, den wirklichen Zustand kann man an den anderen Bildern sehen. 

Auch wenn ich keinen Beweis vorlegen kann, vermute ich, dass die Baby Ikonta zu den stückzahlenmäßig häufigsten 3x4 Kameras gehört. Einfach wegen ihres günstigen Preises und des großen Namens. Auch scheint sie tatsächlich bis ca. 1937 produziert worden zu sein, im Gegensatz zu den  allermeisten anderen 3x4 Kameras. Am Ende ihres Produktionszeitraums war sie allerdings meist mit dem Compur Rapid und einem f/3.5 Novar oder Tessar zu bekommen.

Datenblatt preiswerte 3x4 Halbformat-Kamera für Rollfilm 127
Objektiv Novar 5cm f/4.5 (Triplet). Auch mit f/6.3 Novar oder Tessar f/4.5 und f/3.5 erhältlich. 
Verschluss Zeiss Ikon Derval (T-B-25-50-75), selbstspannend. Auch mit Compur 300, ab ca. 1935 mit Compur Rapid erhältlich. 
Fokussierung per Frontlinsenverstellung, kürzeste Entfernung 1m
Sucher Einfacher Klappsucher
Filmtransport mit Drehrad, 3x4-Kamera typische doppelte Bildnummernanzeige
sonst. Ausstattung ISO-Drahtauslöseranschluss, 1/4 Zoll Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 30x70x100 mm, 298g
Baujahr(e) 1931-1937, diese #T 28155 von 1931
Kaufpreis, Wert heute 37,80 RM (1932), ca. 10-20 €
Links Camera-Wiki, Earlyphotography, Emtus, Pacific Rim Camera, engel-art, Collectiblend, Instruction Manual (english)


2021-02-01

Voigtländer Perkeo 3x4


Langsam wird es wirklich eine richtige Sammlung in der Sammlung und ich habe tatsächlich für sie in der Vitrine umgebaut, weil einfach in der 3x4-Kamera-"Ecke" nicht mehr genug Platz war. Diese Kameras auf Basis des 127er Rollfilms (Vest Pocket Film) erlebten zum Anfang der 1930er Jahre insbesondere in Deutschland eine kurze Blüte und waren quasi die Vorboten ähnlicher Kleinbildkameras für den 135er Film. Fast jeder der damaligen Kamerahersteller hatte eine 3x4-Kamera im Programm, da durfte auch die älteste Fotofirma auf dem Markt: Voigtländer aus Braunschweig, nicht fehlen! 

Voigtländer hatte schon eine lange Erfahrung beim Bau von Faltbalgenkameras und entsprechender Mechanik. So ist es ihnen wohl nicht schwergefallen, auf diesen Kleinfilm-Hype (relativ spät erst) 1932 aufzuspringen. Tatsächlich verwendet der kleine Perkeo zum Teil dieselben Teile (z.B. die charakteristischen Drehknöpfe) und Mechanik wie seine größeren Schwestern Virtus (6x4.5 auf 120er Rollfilm) und Prominent (6x9). Perkeo nimmt übrigens Bezug auf den Pfälzer Hofzwerg und Hüter des Heidelberger Fasses, der mit seinem Spitznamen Pate für eine ganze Reihe technischer Artikel und auch anderer Kameras stand. Viel Ehrgeiz ins Design hat Voigtländer allerdings nicht gesteckt. Alle Bedienelemente sind irgendwie zweckmäßig um die Kamera herum verteilt und weder im horizontalen noch im vertikalen Modus gibt es eine ebene Fläche, auf der sie im geöffneten Zustand ordentlich stehen könnte. Ein ausklappbarer Standfuß oder ähnliches fehlt und ich musste die elektronische Retusche für mein Titelfoto oben bemühen.

Die Kamera gehörte zum guten Mittelfeld der 3x4-Kameraklasse und war z.B. bei Photo Porst in der gezeigten Ausführung für 80 RM erhältlich. Ungefähr genauso viel musste man für eine entsprechend ausgestattete Korelle 3x4 oder eine Nagel Vollenda 48 bezahlen. Im Gegensatz zu diesen Spreizenkameras hatte sie einen traditionellen Laufboden, eher ungewöhnlich in dieser "Zwergenklasse". Ein von Voigtländer entwickelter Mechanismus erlaubt das Fokussieren mittels Knopf am Gehäuse, und das sogar (schon) in geschlossenem Zustand. Ebenfalls ungewöhnlich ist das 55 mm Objektiv, etwas länger als die meist verwendeten 5 cm Optiken der Konkurrenz. Die üblichen Objektiv/Verschlussvarianten (siehe Tabelle unten)  existieren in (mindestens) zwei Gehäuseversionen der Kamera. Dies hier ist die frühe Variante mit einem klappbaren Rahmensucher. Die spätere Variante hatte einen rechteckigen, optischen Teleskopsucher, eingelassen in einem runden Buckel der Gehäuseoberseite. Daneben sind Kamera(s) mit einem rechteckigen, aufgeschraubten Teleskopsucher aufgetaucht. Hierbei handelt sich aber wohl um nachträgliche Umbauten der ersten Version. So wie auf der Zeichnung im Porst Katalog (siehe unten) hat der Sucher in Wirklichkeit aber nie ausgesehen! Die späte Version mit dem Teleskopsucher hatte übrigens auch die mir fehlende ausklappbare Kamerastütze.    

Mein Exemplar ist recht gut erhalten und voll funktionstüchtig. Ein paar Zeiss bumps und etwas Grünspan hier und da unterstreichen die angesetzte Patina der durchaus etwas benutzten Kamera. In Sammlerkreisen gehört sie heute eher in die teurere Kategorie, da sie tatsächlich recht selten ist. Auch wenn auf vielen Seiten als Baujahre 1931-1935 angegeben wird, war Voigtländer wohl eher spät (1932) auf dem Markt und auch recht bald wieder runter. Ich habe bei intensiver Recherche im Netz nur Kameras mit Objektiv-Seriennummern zwischen 798xxx und 818xxx gefunden. Die Compur Seriennummern waren alle zwischen 252xxxx und 255xxxx, was beides auf ein relativ enges Produktionsfenster hindeutet. Schätzungen belaufen sich auf ca. 10,000 Exemplare, aber vielleicht ist das schon hochgegriffen.

Datenblatt Kleinfilmkamera für 3x4 cm auf 127 Rollfilm
Objektiv Voigtländer Anastigmat "Skopar" 5.5 cm f/3.5 #8001009 (4 Linsen in 3 Gruppen). Auch erhältlich mit 3.5 Heliar (5 Linsen) oder 4.5 Skopar (3 Linsen).
Verschluss Compur Zentralverschluss, T-B-1-2-5-10-25-50-100-300 1/s. Auch erhältlich mit Embezet Verschluss (T-B-100-50-25, nur Skopar f/4.5)
Fokussierung mit Drehrad am Gehäuse, kürzeste Entfernung 0.9 m.
Sucher einfacher Aufklapp-Durchsichtsucher, späteres Modell mit optischem Teleskopsucher
Filmtransport mit Drehrad, doppeltes rotes Bildnummern-Fenster für Halbformat
sonst. Ausstattung Stativgewinde 3/8", Anschluss für Drahtauslöser, Tiefenschärfetabelle auf Frontklappe, Gehäuseöse für optinale lederne Handschlaufe,
Maße, Gewicht ca. 34 x 66 x 113 mm, 365 g
Baujahr(e) 1932-1933, diese vermutlich 1932, ca. 10,000 Exemplare (?)
Kaufpreis, Wert heute 80 RM (1932), ca. 200 - 300 € je nach Zustand
LinksCamera-wikicinci, IFMPagesperso-orange, Kulturbeutel, earlyphotography.co.uk


2021-01-17

Pentacon Electra

Eher zufällig bin ich vor zwei Wochen über sie im Netz "gestolpert". Irgendwie konnte ich mich erinnern,  schon mal von ihr gelesen zu haben. Ich habe also nachgeschlagen und war danach noch mehr verwirrt. Es handelt sich um einen frühen Zeitautomaten mit CdS-Zelle, "made in DDR". Und dann stand da auf (fast) allen Seiten, dass sie von 1960 (!) bis ca. 1969 gebaut wurde. 
Blick von hinten ins Innere der Kamera
auf Verschluss und Elektronik
Das ist falsch, da war ich mir sehr sicher, habe aber doch etwas gebraucht, um die Puzzlesteine zum Beweis zusammenzubekommen. Außerdem musste ich mir natürlich eine dieser Pentacon Electras besorgen und habe ein besonders schönes, noch funktionierendes Exemplar im Originalkarton für wenig Geld ergattert. Was will ich mehr. Hier ist also die ganze Geschichte mit Bildern...

Da ist zunächst mal alleine der Name der Kamera. Sie ist ein originales Gewächs des VEB Pentacon und heißt auch so. Pentacon als Firmenname gibt es aber erst seit 1964, davor hieß man 'VEB Kamera und Kinowerke' und Pentacon war lediglich der Name des Contax-SLR Exportmodells. Ähnliches gilt auch für ORWO und die SL-Patrone ('Schnelladekassette'), auch dies wird im Prospekt zur Kamera so erwähnt, aber erst frühestens ab 1964 so vermarktet. 

Aber für mich das Entscheidende ist die Technik: CdS-Fotowiderstände mit entsprechender elektronischer Logik wird für Belichtungsmesser erst ab 1961 in kommerziellen Produkten verwendet. Der erste Belichtungsmesser damit war der berühmte Lunasix von Gossen (1961), 1962 kamen dann schon erste Kameras: Minolta SR-7, Nikon F "Photomic" oder Yashica Lynx-5000, alle noch mit einem externen "Beli-Auge". Während die einen schnell in Richtung TTL dachten (Pentax Spotmatic, Topcon RE Super), war es Yashica, die als erste mit CdS-Zelle und Elektronik einen Verschluss steuern konnten und so die Zeitautomatik auf den Markt brachten. Der Durchbruch dazu kam 1966 in Form der Yashica Electro 35

Mein Exemplar kam im Originalkarton und
mit Rechnung und Anleitung. 
Aber nicht nur in Japan, sondern auch in der alten Kamerametropole Dresden werkelte man Mitte der 1960er an Elektronik. Das zentrale Patent DD44166 wurde schon 1964 angemeldet und ist mir seit meiner Beschäftigung mit der Praktica PL electronic bekannt. Genau, damals hatte ich auch zum ersten Mal  hier über die Pentacon Electra gelesen. Die SLR erhielt "nur" den stufenlosen elektronischen Verschluss, vermutlich weil ein externer CdS-Meter in TTL-Zeiten fast wie ein Rückschritt aussah. Dafür bekam dann die moderne Plastik-Volkskamera Electra die Zeitautomatik spendiert. Die Praktica PL electronic kam 1968 auf den Markt, für die Electra gibt McKweon's in seiner letzten Ausgabe 1967 an. Ich schließe mich hier an. 

Man könnte noch ein paar weitere Argumente für die späten 60er Jahre anführen, z.B. Material und quadratisch-praktisches Design der Plastikkamera. Die dafür notwendige Spritzgusstechnologie hat sich auch erst im Laufe der 1960er Jahre durchgesetzt. Vielleicht wurde die Electra ja auch mit ihrer Vorgängerin Prakti verwechselt, die tatsächlich 1960 vorgestellt wurde, aber noch zeitgemäße Selenzellen-Technologie und ein Metallgehäuse verwendet hat.  

Mein Exemplar ist sehr gut erhalten. Ich habe es natürlich sofort aufgeschraubt, untersucht und gereinigt. Zu meinem Entzücken funktioniert alles (nach Reinigung von etwas eingerosteten elektrischen Kontakten). Mit neuen Batterien (der gewöhnliche AA-Typ!) steuert die Automatik immer noch den Verschluss, und das hinunter bis zu mehreren Sekunden! Leider ist dieser nicht der schnellste, bei 1/125 s ist nach oben hin Schluss. Auch die kleinste Blende ist "nur" 13.5, so dass sich ein maximaler EV von 10 ergibt. Das reicht selbst bei niedrig empfindlichen Filmen nicht mehr für Strand- oder Schneeszenen, die dann vermutlich alle überbelichtet rauskommen. Das ist vielleicht ihre größte Schwäche. Falls doch mal die Batterien ausfallen (oder es gerade im Sozialismus keine zu kaufen gab), löst der Verschluss immerhin mit 1/125 s aus. Das ist mit den vier Blendenstufen für außen noch praktikabel, außerdem kann damit auch geblitzt werden.
Mechanische Blende vor dem CdS-Element

Noch ein Wort zur Elektronik: Ähnlich wie bei der Yashica Electro 35 wird auch bei der Electra das CdS-Element von einer analogen Blende beschattet, bei der Yashica zur Simulation der Filmempfindlichkeit, bei der Pentacon ist es die eigestellte Blende. Für das jeweils andere werden elektrische Widerstände bemüht, beides elektronisch zu regeln funktionierte damals wohl noch nicht.

Die Electra bekam dann noch etwas Modellpflege. Die "Electra 2" hatte ein kleines "Verwackel"- Warnlämpchen im Sucher, das Verschlusszeiten unter 1/30 s anzeigte, ansonsten ist es aber dieselbe Kamera. Wann genau dieses zusätzliche Feature kam und auch wie lange diese Kameras insgesamt auf dem Markt waren, kann ich nicht sagen. Ich vermute fast bis hinein in die frühen 1980er Jahre, solange noch SL-Kassetten verfügbar waren. Wenn jemand dazu was weiß, bitte melden!

Datenblatt Kleinbildsucherkamera 24x36 mm für SL-Film mit Zeitautomatik
Objektiv Meyer Domiplan 45 mm f/2.8 (3 Linsen, vergütet), fast kreisrunde Blende mit 12 Lamellen, kleinste Blende 13.5
Verschluss elektro-magnetisch gesteuerter "Priomat" Zentralverschluss hinter dem Objektiv, stufenlos und ausschließlich automatisch gesteuerte Zeiten von mehreren Sekunden (getestet, offiziell 1/2 s) bis 1/125s. Ohne Batterie: 1/125s
Belichtungsmessung mit CdS-Photowiderstand über dem Objektiv, Einstellung von Filmempfindlichkeit von 50 oder 100 ASA per Schalter. Belichtungsmesser steuert Verschluss direkt nach Vorwahl der Blende mittels Wettersymbolen.
Fokussierung am Objektiv (1 m bis unendlich), keine Scharfstellhilfe. Symbole für Landschaft, Gruppenaufnahme und Portrait. 
Sucher einfacher optischer Durchsichtsucher.
Blitz Anschluss über Mittenkontakt, Umschalter für Elektronenblitz (1/125s) oder Blitzbirnen (1/30s).
Filmtransport SL-Patrone, einfaches Drehrad für Vorschub, Zählwerk (rückwärts von 12 bis 1)
sonst. Ausstattung Stativgewinde 1/4'', Drahtauslöseranschluss, optionale Bereitschaftstasche aus Kunstleder (14 Mark)
Maße, Gewicht 126 x 77 x 67 mm, 275 g (mit Batterien und Film: 345g)
Batterie 3V, 2x AA (Original DDR: "Heizelemente R6, EAaT")
Baujahr(e) ab 1967 bis ca. 1980 (?)
Kaufpreis, Wert heute 195 Mark (1972, offizielle Preisliste), ca. 10-30 € je nach Zustand.
Links Bedienungsanleitung, Prospekt (1970)IfM-Wolfen, Camera-Wiki, SL-System, Lippisches Kameramuseumfotoapparate-meier.de


2021-01-10

Zeiss Ikon Kolibri (523/18)

So langsam wird es eine kleine Sammlung innerhalb der Sammlung: Das ist schon die achte 3x4-Kamera, die ich hier vorstelle. Die (oder besser Der?) Kolibri aus dem Hause Zeiss Ikon (interne Katalog Nummer 523/18) ist eine sehr eigenwillig aber durchaus elegant und relativ praktisch gestaltete Handtaschenkamera. Gebaut wurde sie aus Blech, das ringsum mit elegantem Leder bezogen war, ihre abgeschrägten Flächen lassen sie schmaler erscheinen als sie wirklich war. Haupt- und Alleinstellungsmerkmal in ihrer sonst von Faltbalgen-Spreizenkameras dominierten Kameraklasse ist der versenkbare und blank verchromte Springtubus für das Objektiv. Mit jeweils einem kleinen Dreh und Federkraft ist es schnell aus- aber auch wieder eingefahren.  
Das Objektiv stammt natürlich aus dem Hause Zeiss und sitzt im damals üblichen Compur 300 Verschluss, es gab eine Einstiegsversion mit einem Novar f/4.5 im Telma-Verschluss. Die meisten Käufer werden wohl aber diese mittlere Ausstattung mit dem Tessar f/3.5 gewählt haben. Die high-end Variante mit dem Biotar f/2, der sogenannte Nacht-Kolibri wurde wohl sehr selten gekauft, und erzielt heute Sammlerpreise weit jenseits der 1000€-Marke.
Die Kamera war wohl relativ erfolgreich, hob sie sich doch erfreulich von den vielen ähnlich ausgestatteten Kameras zumindest vom Design her ab. Interessanterweise hat keiner der Konkurrenten versucht, das Konzept zu kopieren. Aber vielleicht war dazu ja die ganze Kameraklasse viel zu kurz am Markt, wie ich hier schon ausgeführt habe. Sie ist neben der Nagel Pupille die vermutlich am meisten gesuchte und gesammelte 3x4 Kamera und erzielt auch heute noch ganz ordentliche Preise. Sie ist verglichen mit der Pupille gar nicht so selten, eine vertrauenswürdige Quelle hat ca. 250 Seriennummern ausgewertet und kommt auf eine Produktion von ca. 17.000 Stück. Was ich allerdings wette (und die genannte Quelle gibt mir dazu Recht!) ist, dass der Produktionszeitraum nur von 1930-1932 dauerte. Die meisten anderen Quellen sprechen von einem Zeitraum bis 1935. Ich glaube solange wurden ggf. noch Restbestände in aller Welt verkauft. Die Seriennummern sprechen aber eine recht deutliche Sprache: Bisher wurden nur R, S und T Nummern gesichtet, und diese sind eindeutig auf 1932 begrenzt.  

Datenblatt Kleinfilmkamera für 3x4 auf Rollfilm 127, mit versenkbarem Springtubus.
Objektiv Carl Zeiss Tessar 5 cm f/3.5. (# 1165599). Die Kamera war auch mit einigen anderen Zeiss Objektiven erhältlich, siehe Porst Anzeige unten.
Verschluss Compur Zentralverschluss, T-B-1-2-5-10-25-50-100-300, #1072786. Die Billigversion der Kamera war auch mit einem Zeiss Telma Verschluss erhältlich.
Fokussierung durch Schneckengang mit Hebel (ganzes Objektiv) und Schärfentiefeanzeige.
Sucher einfacher Newton-Sucher, einklappbar 
Blitz kein Anschluss möglich
Filmtransport mit Drehrad, wie für die Klasse üblich zwei rote Bildnummer Fenster auf der Rückseite
sonst. Ausstattung Drahtauslösergewinde, Stativgewinde 3/8 Zoll, einschraubbarer Standfuß (fehlt bei meiner)
Maße, Gewicht ca. 120 x 70 x 35 mm, 480g
Baujahr(e) 1930-1932, diese #R73372 von 1930, ca. 17.000 Exemplare
Kaufpreis, Wert heute in dieser Ausführung 121,50 RM (1932), heute je nach Zustand und Zubehör ca. 100-200€
Links Bedienungsanleitung (english), EarlyPhotography, Sammlung  Kurt Tauber, Camera-Wiki, Pacific Rim Camera, Collectiblend, Zeiss Ikon Cameras (American brochure from 1931), Zeiss Historica (S. 20ff, Zeiss Ikon Produktion, Kolibri Abschätzung)
Bei KniPPsen weiterlesen Das Verschwinden der 3x4 Kameras, Nagel Pupille, Kochmann Korelle 3x4, Welta Gucki 3x4, Zeh Goldi, Foth Derby

Kolibri im Photo Porst Katalog 1932Amerikanische Anzeige 1931

2021-01-01

Vest Pocket Kodak Autographic Special



1901 Brownie No.2, Rollfilm 120
1912 Vest Pocket Kodak, Rollfilm 127
1934 Retina, 135er Patrone
1964 Instamatic 100, 126 Kassette
1972 Pocket Instamatic, 110 Kassette
1982 Kodak Disc 4000, Disc Film
Kodak Meilensteine bei der Einführung neuer Filmtypen
George Eastman hatte seiner Firma Eastman Kodak den griffigen Slogan "You press the button - We do the rest!" verpasst und sich ganz klar auf die fotografischen Laien als Zielgruppe konzentriert. Dabei hat er immer wieder erfolgreich neue (Massen-) Märkte erschlossen und nicht ganz uneigennützig gleichzeitig ein neues Filmformat eingeführt. Denn die von Kodak selbst produzierten, meist einfachen Kameras waren nur Mittel zum Zweck, und das hieß Filme verkaufen und damit den Gewinn machen. Die meisten anderen Meilensteine dieser Art habe ich hier schon vorgestellt, siehe die Liste links. Diesmal geht es also um den Rollfilm 127 und der wurde mit dieser Kamera 1912 eingeführt. 
Erstmalig gab es eine Kamera, die nicht nur einfach zu bedienen war, sondern die man immer dabei haben konnte, weil sie in die Westentasche passte. Und daher bedurfte es keines Kunstnamens, sondern sie hieß einfach Vest Pocket Kodak, der zugehörige nur 46 mm breite Rollfilm für 8 Aufnahmen a 4 x 6.5 cm, wurde entsprechend Vest Pocket Film ("VP") genannt. 
 
Die Kamera besteht im Wesentlichen aus gepresstem und schwarz lackiertem Aluminium-Blech, das eine nur 1 Zoll (2,54 cm) dicke "Dose" formt. Das zunächst sehr einfache Meniskus-Objektiv und der Verschluss sitzen im Zentrum der Frontplatte, die mittels eines Spreizenmechanismus in die Fotografierposition herausgezogen werden kann, dazwischen ein lichtdichter Lederbalgen. Der Filmtransport passiert super simpel mit einer Flügelschraube, kontrolliert durch ein rotes Fensterchen auf der Rückseite, durch das man die Zahlen auf dem Papierträger des Films lesen kann. Garniert wird das Ganze noch durch einen Brilliantsucher und einen Ausklappständer.  Dieses sogenannte "Standardmodell" kommt 1912 für nur US$ 6 auf den Markt und wird sofort ein Erfolg


Aber so wie heute bei den Smartphones kommen schnell Updates, das erste davon war das Autographic feature, etwas was nur Kodak (wg. Patentschutz) bieten konnte und wieder etwas für die Kundenbindung. Ab 1915 kamen dann auch besser ausgestattete Modelle der Kamera. Das hier abgebildete "Special" stammt von ca. 1918 und hat einen schicken (nach 102 Jahren recht abgegriffenen) Lederüberzug und ein deutlich besseres (anastigmatisches) Objektiv. Ein fast genau solches Modell hat auch Ansel Adams als 15-jähriger bei seinem zweiten Besuch im Yosemite National Park benutzt. Es gehört heute dem George Eastman House in Rochester, NY. 

Mit über 1.8 Millionen Exemplaren war die Kamera ein früher Megaseller und passt auch als solcher gut in meine Sammlung (siehe auch die anderen hier und hier). Für alles weitere möchte ich auf die guten Links im Internet unten verweisen. 

Datenblatt erste "Westentaschen"-Kamera für den 127er Rollfilm,
diese hier die "Autographic Special" Version, mit Lederbezug und Autographic Feature
Objektiv Kodak Anastigmat F/7.7 (ca. 87 mm Brennweite, vermutlich Dreilinser von Typ Cooke Triplet), andere Objektive waren auch erhältlich. 
Verschluss "Kodak Ball Bearing Shutter", selbstspannender Einfachverschluss, T-B-25-50 1/s. Dies war  die häufigste Ausführung, andere Verschlüsse wurden auch verbaut.
Filmtyp, Bildgröße 127er Rollfilm (mit oder ohne Autographic), 1 5/8'' x 2 1/2 '' (4x6 cm)
Fokussierung   Fixfokus in dieser Version. Andere Objektive waren auch in Grenzen fokussierbar.
Sucher schwenkbarer Brilliantsucher für Hoch- und Querformataufnahmen 
Filmtransport mit einfacher Flügelschraube, Bildzähler auf Filmträgerrückseite, Ansicht durch rotes Fenster.
sonst. Ausstattung einklappbarer Standfuß (auf der Rückseite ist die Kamera-Seriennummer 128420), Gewinde für Selbstauslöser, Autographic-Klappe und Stylus für Notizen auf dem Negativsteg zwischen den Bildern.
Maße, Gewicht 1'' x 2 3/8'' x 4 3/4'', 9 ounces (laut Prospekt), ca. 26 x 63 x 123 mm, 312 g 
Batterie keine
Baujahr(e) 1912-1915 ursprüngliche Standardversion,
1915-1926 Autographic Version,
1915-1926 Autographic Special mit Belederung und besseren Objektiven. Insgesamt mehr als 1,8 Millionen Kameras, diese hier von ca. 1918.
Kaufpreis, Wert heute diese Version 1918: US$ 13.50, Standardversion ab US$ 7.50.  Heutiger Wert je nach Version und Zustand ca. 30-100€. 
Links The Vest Pocket Kodak, Camera-Wiki, Mischa Koning's Kodak SiteCamera Manual
Auf KniPPsen weiterlesen George Eastman, Rollfilm 127, Gevaert G27, Instamatic 100, Kodak Disc 4000, Autographic Film 116, Kodak Junior 1A

2020-12-24

Bentzin Primarette mit Meyer Makro Plasmat


Manchmal erstaunen mich Dinge so sehr, dass ich es nicht lassen kann, darüber zu schreiben. Wie zum Beispiel extreme Preise, die bei Kamera-Auktionen erzielt werden. Ich hatte hier schon mal eine Nikon F, die nur wegen ihrer niedrigen Seriennummer plötzlich für ein Vielfaches ihres "normalen" Wertes verkauft wurde. Bei dieser Primarette des eher unbekannten Kamerahersteller Bentzin war mir erst nicht klar, was (in diesem Fall) mehrere Bieter dazu bewegt, ein gutes Brutto-Monatsgehalt für eine seltsame, ca. 85 Jahre alte Kamera zu bieten. 
Zugegeben, die Kamera selbst ist schon etwas Besonderes mit ihrem extra Sucherobjektiv, das ein umgekehrtes Bild auf eine Mattscheibe projiziert. Damit ließ sich sicher besonders präzise scharf stellen, fast wie bei einer zwei-äugigen Spiegelreflex (TLR), die sie aber nicht war.  
Nach etwas recherchieren ist mir jetzt aber klar, was hier den Preis nach oben getrieben hat: Es ist das Objektiv! Mit anderen Objektiven (z.B. einem Zeiss Tessar oder einem Meyer Trioplan) liegt das normale Preisniveau für die Kamera so um die 1000€, immer noch viel für eine eher unbekannte Marke der 1930er. 

Das Objektiv aber scheint unter einigen Photographica Sammlern einen gewissen Kultstatus zu besitzen und hatte wohl schon in den 1930ern den Ruf, eines der besten, wenn nicht DAS beste Objektiv auf dem Markt zu sein. Von Meyer wird es in einer Broschüre recht unbescheiden als "absolut frei von Verzeichnung und anderen optischen Defekten" bezeichnet. Es wurde in seiner späten Zeit bei Meyer Optik in Görlitz vom ehemaligen Zeiss-Forscher Dr. Paul Rudolph entwickelt, dem "Vater" von u.a. Tessar und Planar. Weil es vermutlich damals schon vergleichsweise teuer war, ist es heute eher selten anzutreffen, und sowas treibt natürlich Sammlerpreise nach oben. 
Trotzdem ist es mir schleierhaft, warum das Objektiv heute in relativ aktuellen Fassungen (z.B. Leica M) als Umbau angeboten wird und dafür 4 bis 5-stellige Summen verlangt werden. Man muss bedenken, die Linsen sind nicht vergütet und können wohl trotz der damaligen Leistungsdaten mit heutigen Spitzenobjektiven nicht mehr mithalten! Ich möchte jeden einladen, mal bei ebay "Plasmat 2.7" zu suchen und zu staunen, welche Preise für so alte Objektive noch aufgerufen werden. Ich werde jedenfalls am Thema nochmal dranbleiben und hoffe, dass mir der Verkäufer der Kamera verzeiht, dass ich seine Fotos für diesen Beitrag "geklaut" habe.