2014-11-29

Canon Pellix

Versetzen wir uns in Canon's SLR Entwicklungsabteilung zu Beginn des Jahres 1961. Seit 1959 hat man mit der Canonflex Serie die erste eigenen SLR am Markt, man konnte einen Aufsatzbelichtungsmesser aufstecken, der neueste Schrei. Die Integration von Belichtungsmessern an und in die Kameras ist das Thema, was die Kamerawelt bewegt. Die Entwickler bei Canon designen gerade die RM, mit Selen-Messer inklusive des charakteristischen Wabenfensters nebem dem Prisma. Die Kamera wird allerdings dadurch noch wuchtiger als das ursprüngliche Canonflex design ohnehin war. Die Konkurenz ist da schon deutlich kompakter. 1960 zeigte dann auch noch der große Wettbewerber Asahi Pentax einen Prototypen mit TTL Messung auf der Photokina, ein Schock für Canon und die meisten anderen Konkurenten. Topcon reagierte am schnellsten und brachte 1963 mit der RE Super die erste TTL Kamera auf den Markt (sogar mit Offenblendmessung!). Pentax's Spotmatic SP kam erst 1964 wurde aber die hübschere und bei weitem erfolgreichste SLR der 60er.
Nun aber zurück zu unseren Entwicklern bei Canon. Die Geschäftsleitung hat den Auftrag erteilt, ein neues, kompakteres und massentaugliches Modell zu entwickeln, das sich eher an den erfolgreichen Konkurenten denn an dem alten Canonflex Design orientieren soll. Heraus kommt die Canon FX mit eingebautem (aber exterem) CdS Belichtungsmesser. Spätestens ab 1963 ist klar, dass unbedingt auch eine Variante mit TTL her muss. Da trifft es sich gut, dass Canon's Entwicklungsingenieur Takeshi Goshima schon 1958 ein Patent für eine TTL Belichtungsmessung angemeldet hat (US 2,937,582), allerdings damals noch für eine Messsucherkamera, bei der ein Paddel mit der Messzelle am Kopf zum Messvorgang in den Strahlengang geschwenkt wird. Bei einer Spiegelreflex ist dafür jedoch der Spiegel im Weg. Da hat man sich wohl gedacht: Machen wir den Spiegel halt halbdurchlässig, und bei weiterem Nachdenken über die Idee und deren Umsetzung, haben sie sich komplett in die Idee des feststehenden, teildurchlässigen Spiegels verliebt. Vermutlich war es die Marketing Abteilung, die Morgenluft witterte und es der Konkurrenz mit einer technischen Revolution zeigen wollte. Dafür taufte man sogar die Kamera PELLIX (kommt vom lateinischen Pellicula = dünne Haut, als Pellicle Mirror bezeichnet man halbspieglende/halbtransparente Folien), bisher wurden Kameras stets nüchtern mit Buchstaben oder Zahlen benannt. Auch wanderte der Markenname klein auf die rechte Kameraseite und machte Platz auf dem Prisma, wo nun groß PELLIX prangte. Teil der Verliebtheit in das neue Prinzip wurde sicherlich auch von den $ (oder ¥)-Zeichen im Auge befeuert, denn ein feststehender Spiegel läßt sich bedeutend einfacher und billiger (!) produzieren als ein mit dem Verschluss koordiniert klappender Rückschwingspiegel. Nun, so oder ähnlich könnte es gewesen sein, ich war leider nicht dabei.
 
Im März 1965 kam die Kamera also auf den Markt, leider nur (immerhin?) als vierte KB-SLR mit TTL Messung.  Die Medallien gingen an 1. Topcon RE Super (1963), 2. Alpa 9d (1963) und 3. Asahi Pentax Spotmatic SP (1964). Tja, und die Käufer verliebten sich nicht so wie erhofft in das neue Spiegelprinzip, in den ersten 12 Monaten verkauften sich lediglich ca. 35,000 Stück. Im gleichen Zeitraum verkaufte sich Pentax' Spotmatic über 200,000 mal und sogar Nikon's teurere F über 50,000 mal, zu der übrigends auch 1965 der TTL finder Photomic T erschien. Hier nochmal die beworbenen Vorteile und die (meist nicht erwähnten) Nachteile:

(+) Sucher verdunkelt nicht während der Aufnahme. Macht eigentlich nur Sinn für die Action und Sport-Fotografie (s.u.) 
(+) Weniger Erschütterung (kein Spiegelschlag) für Langzeitaufnahmen. Im Prinzip könnte der Verschluss so leise ablaufen wie bei einer Messsucherkamera, tut er aber nicht! 
(-) dunklerer Sucher, der ca. 1/3 des Lichtes abbekommt. Das entspricht 2/3 Blendenstufen Abblenden, oder das f/1.2 50 mm wirkt im Sucher wie sonst ein f/1.7.
(-) weniger Licht für den Film (2/3 der Lichtmenge).  Das entspricht 1/3 Blendenstufen, das f/1.2 50 mm wird zu einem f/1.4, das f/1.4 zu einem f/1.7 etc. Oder man muss einen DIN entsprechend empfindlicheren Film verwenden.
(-) Schmutz auf dem Spiegel stört nicht nur im Sucher, sondern kommt mit auf's Bild!
(-) mechanische Empfindlichkeit der Spiegelfolie. Viele Kameras mussten angeblich deswegen zum Service.
(-) Fremdlicht kann bei geöffnetem Verschluss über den Sucher auf den Film gelangen. Dagegen hatte Canon einen Okularverschluss eingebaut.
(-) Direktes Sonnenlicht könnte ggf. Löcher in einen Tuchschlitzverschluss brennen, da dieser nicht mehr von einem echten Spiegel beschattet wird. Dagegen hat Canon extra einen besseren Metallfolienverschluss verbaut.

Ich denke bei nüchterner Betrachtung wird schnell klar, dass hier mehr Nachteile als Vorteile zusammenkommen und die (teilweise) Beseitigung der Nachteile die Kostenvorteile des einfacheren Spiegels wieder aufzehren. Canon hat die Kamera als QL (quick load) Version noch bis 1970 im Programm gehalten und nur insgesamt 111,000 Stück verkauft. Schon 1966 kam mit der FT eine klassische SLR mit stop-down TTL, die viel besser lief (550,000). Diese war die direkte Grundlage für die FTb, Canon's erster wirklicher SLR Bestseller (1,800,000).
Das Pellix-Prinzip ist der SLR Welt aber durchaus erhalten geblieben und zwar für sogenannte High-Speed Motor Kameras von Canon und später auch Nikon, die bis zu 10 Bilder pro Sekunde durchziehen können, eben weil kein Klappspiegel sie mehr ausbremst. Auch die Tatsache, dass das Sucherbild während der Aufnahmen stehen bleibt, ist essentiell für solche Action-Fotografie. Und Sony setzt seit der A55/A33 (2010) das Prinzip bei allen neuen Alpha-DSLR's ein, allerdings um Phasen-AF kontinuierlich während Video-Aufnahmen bieten zu können - der Sucher ist allerdings ein (gutes) EVF-Display. Aber auch hier hat die Marketing Abteilung wieder zugeschlagen und bezeichnet das Ganze als Translucent Mirror Technology, auch wenn translucent eigentlich nur "lichtdurchlässig", nicht aber "bilddurchlässig" bedeutet. Nun ja, sie sammeln dafür sogar aktuelle Innovationspreise ein, ohne Canon's Pellix von 1965 zu erwähnen. Warum auch, das machen dann eben andere...


Datenblatt Mechanische KB-Spiegelreflexkamera mit TTL-Nachführbelichtungsmessung
Objektiv Canon FL Bajonett, hier mit Canon FL 50 f/1.8 (6 Linsen in 4 Gruppen, vergütet)
Verschluss Horizontaler Metallfolienverschluss, 1s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation 1/60s.
Belichtungsmessung eingeschwenkte CdS-Zelle, TTL abgeblendet. Nachführmessung mit Nadelanzeige im Sucher. Empfindlichkeitseinstellung 10-800 ASA. 
Fokussierung SLR mit feststehendem, teildurchlässigem Spiegel (20µm Mylar), Mattscheibe mit Mikroprismenzentrum, nicht auswechelbar.
Sucher Spiegelreflex, 90-93% des aktuellen Bildes, 0.86x Vergrößerung bei 50 mm Brennweite
Blitz Synchronbuchse (X), 1/60s Synchronzeit.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, mechanischer Selbstauslöser (10 s) = Abblendtaste, aktiviert gleichzeitig Belichtungsmessung, Auslösesperre, Sucherokularverschluss gegen Fremdstreulicht, Batterietester, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 141/90/49 mm, 707g (950g m. Objektiv)
Batterie 1.35V PX625 (oder 1.35 V Alternative)
Baujahr(e) 1965 (1966 abgelöst von Pellix QL),
nur ca. 35.000 Exemplare
Kaufpreis, Wert heute 58,000 ¥, DM 1200 (1965), heutiger Wert ca. US$50
Links Photoethnography, Wikipedia, Manual (english), Camera-Wiki , mir.com.my, Canon Camera Museum, James Ollinger

2014-11-20

Metz ist pleite

Die Metz-Werke sind pleite, musste ich heute in der Zeitung lesen. Die Medien berichten hauptsächlich über den Fernseh- und Unterhaltungselektronik-Hersteller. Dass sie aber auch zu den führenden Blitzgeräteherstellern gehören, weiß jeder Fotointeressierte. Meinen Mecablitz 32 CT-3 habe ich hier schon vorgestellt und der Post genießt überdurchschnittliche Aufmerksamkeit.
Jetzt kommt erstmal das Insolvenzverfahren und es bleibt zu hoffen, dass zumindest Teile des Unternehmens (z.B. die Blitzgerätesparte?) überleben und gegebenenfalls einen neuen Investor finden. Warten wir's ab...

2014-11-19

Nikon S @work

Am letzten Freitag war es soweit, einen Fujicolor C200 habe ich meine "neue" Nikon S eingefädelt und mich dann per Zug auf den Weg nach Manhatten gemacht, ich hatte da was zu erledigen. Es war zwar kalt, am Morgen konnte man den ersten Schnee auf Autodächern sehen, aber die Sonne schien. Ideale Bedingungen eine alte Kamera auszuprobieren. Und, das Ding kommt echt cool rüber. In New York bin ich innerhalb weniger Stunden insgesamt drei Mal auf die Kamera angesprochen worden, eine Verkäuferin meinte, es wäre sicher eine neue (auf alt getrimmte) Digitalkamera. 


Den Verschluss hatte ich ja schon mit meiner neuen iPhone-Methode getestet und wusste, dass bis auf die 500stel alles im Rahmen ist. Dabei ist mir aber auch die einzige technische Schwäche der Kamera aufgefallen: Beim Spannen des Verschlusses ist er nicht ganz lichtdicht, der zweite Vorhang hängt etwas hinter dem ersten her und eine millimeterweite Lücke klafft zwischen beiden. Ich wusste also was zu tun war: Jeweils beim Spannen immer schön den Objektivdeckel drauf! Was soll ich sagen: Ich hab's natürlich ein paar mal vergessen und je nach Umgebungslicht helle Streifen auf der rechten Bildseite erzeugt. Vermutlich könnte ein Service diese Schwäche des Verschlusses beheben, ich werde es aber vermutlich nicht machen (lassen). Bei meinen Testfotos habe ich meist die 100stel oder 60stel verwendet, in Innenräumen aber auch die 40stel aus der Hand! Die Aufnahme unten von Grand Central Station ist 1/4, aufgestützt auf die Brüstung.  
 

Als Belichtungsmesser habe ich auch mein iPhone bemüht, es gibt eine App dafür (Pocket Light Meter). Aber schon nach einer kurzen Zeit gewöhnt man sich daran, Zeit und Blende auch nach Gefühl zu stellen. Die Blende ist was ganz spezielles am Nikkor 5cm f/2, insgesamt 10 Lamellen erzeugen eine fast kreisrunde Öffnung, wo sieht man sowas heute noch? Man kann relativ einfach auch Zwischenwerte einstellen, allerdings dreht sich der Indexpunkt beim Fokussieren mit dem Objektiv, nicht besonders ergonomisch.

Fokussieren ging nach etwas Eingewöhnung auch gut von der Hand, der Entfernungsmesser ist sehr präzise und gut im Sucher zu erkennen. Bei späteren Nikons (S2, S3 und SP) soll das sogar noch besser sein. Hakelig und etwas störend war nur die Unendlichsperre und die (bei meinem Exemplar) recht schwergängige Fokussierschnecke, ggf. würde Öl helfen, ich traue mich aber nicht welches dranzutun. Der Sucher selbst könnte etwas größer sein, er zeigt wohl auch nicht das ganze Bildfeld und eine Paralaxenmarkierung oder gar -korrektur gibt es auch nicht. Dafür waren bei Nikon später ja auch die Nachfolgemodelle zuständig. Auch die Naheinstellgrenze von nur 3 ft (ca. 1m) ist in heutigen Zeiten, wo man mit dem iPhone fast beliebig nah ran kommt, sehr gewöhnungsbedürftig.
Ansonsten muss ich sagen, hat das Fotografieren damit wirklich Spaß gemacht. Der Verschluss läuft extrem leise und ruhig, im lauten Manhatten fragt man sich oft: War's das jetzt? Der Verschlussaufzug ohne Schnellschalthebel ist etwas lästig, der Hebel kam dann ja 1954 mit der S2.
Ein paar Features der Kamera konnte ich mangels zusätzlichem Zubehör nicht wirklich ausprobieren. Objektivwechseln gelingt dank Bajonett recht einfach, ich habe nur leider kein Wechselobjektiv. Es ist wohl trotzdem fummeliger als mit modernen SLR-Bajonetten. Völlig anders ist der Blitzanschluss und man muss wohl sehr lange suchen um die speziellen Stecker zu finden (oder ein Kolbenblitzgerät mit solchen). In meiner Bedienungsanleitung, die noch original zu meiner Kamera gehört, gibt es handschriftliche Kommentare zum Blitzen, die den Angaben von Nikon zur Verwendung kurzer Zeiten widersprechen.
Der Film war recht schnell mit New York Impressionen gefüllt, mit den letzten Bildern habe ich noch Herbststimmung bei uns im Neighborhood eingefangen. Am Samstag zu The Photoplace zum Entwickeln und Scannen geschickt, heute Mittag (Dienstag) hatte ich die JPG-Dateien in der Dropbox und war beeindruckt (einfach auf die Fotos hier klicken und die höhere Auflösung sehen...).

2014-11-13

Cosina CT-1, die generische SLR


Die Cosina CT-1 von 1979 ist einer speziellen Weise eine besondere Kamera und sollte in keiner ernsthaften SLR Sammlung fehlen. Sie ist das Destillat von 4 Jahrzehnten SLR-Entwicklung und vereint alle jene Komponenten, Materialien und Designmerkmale, die sich in dieser Zeit gegenüber ihrer jeweiligen Konkurrenz durchgesetzt haben. In einem Wort: die GENERISCHE Spiegelreflex.
In a special way Cosina's CT-1 from 1979 is an outstanding camera and should not be missing in any serious SLR collection. It is the distillate from 4 decades SLR development and combines all those components, materials and design features that have prevailed during this period compared to their respective competitors. In a word, the GENERIC SLR.
Sie hat alle wesentlichen Funktionen, die man Ende der 70er von einer SLR erwartete, und auch alle Bedienelemente dort, wo man sie vermutete. Gleichzeitig verzichtet sie auf alles Besondere. Die Kamera hat tatsächlich nichts, was an anderen Kameramodellen nicht schon ausprobiert und optimiert worden wäre.
It has all the essential features that one expected from an SLR at the end of the '70ies'. Also all the controls are where they are susposed to be. At the same time it has nothing special. The camera actually does not have anything that would not have been tried and optimized on other camera models already .
Cosina startete als optischer Betrieb und betrat die Bühne der Kamerabauer erst 1973, zu einem Zeitpunkt als andere gerade die Segel strichen (Besonders die deutsche Kameraindustrie, aber auch  japanische Firmen wie Topcon, Miranda und andere, die keiner heute mehr kennt). Die Familie Kobayashi starte mit (ebenfalls generischen) M42 Modellen und guckte sich das jeweils Beste von der Konkurenz ab. Konsequenterweise wechselte man 1978 zum (lizenzfreien) Pentax K-Bajonett, von dem viele damals glaubten es würde sich zum allgemein akzeptierten Industriestandard mausern. Mit diesen generischen Kameras hatte die Firma Cosina aber schnell ihre Bestimmung gefunden: Als kleiner, flexibler und unabhängiger Hersteller bot man internationalen Vertriebsgesellschaften an, genau diese Durchschnittkameras unter anderen Markennamen zu bauen (erster Coup). DieListe der Kameras, die Cosina unter anderem Namen hergestellt hat ist recht umfangreich und die allermeisten basieren auf diesem CT-1 Grundmodell. Im Laufe der Zeit kam ein schnellerer Copal Verschluss (bis 1/2000 s) zum Einsatz, das Grundprinzip blieb und kann am Besten an der Anordnung der drei charakterischen Bedienelemente Schnellspannhebel, Auslöser und Zeitenrad erkannt werden.
Cosina started as an optical factory and did not enter the scene of the camera producers until 1973, at a time when others just gave in (especially the German camera industry, but also Japanese companies like Topcon , Miranda and others that no one knows anymore today). The Kobayashi family started with (also generic) M42 models and copied the best features from the respective competition. Consequently, they changed in 1978 to the Pentax K-bayonet (public doamain), which many at the time believed to become the generally accepted industry standard. With these generic cameras the Cosina people quickly found their destiny: As a small, flexible and independent producer they offered to build cameras for international distributors, using their brand names (first coup). The list of cameras that Cosina produced under different names is quite long and the vast majority are based on this CT-1 base model. Over time, a faster shutter (Copal, up to 1/2000 s) was used. The basic principle remained the same and can be detected best by the arrangement of the three charakteristic controls: quick-release lever, trigger and shutter speed dial.
Als die Ära der klassischen SLR's ab Ende der 1980er durch die neue AF-Generationen  abgelöst wurde, entschlossen sich schließlich die großen Kamerahersteller, zumindest ein klassisches Modell im Programm zu halten, um ihre alte umfangreiche Objektivpalette weiter zu unterstützen. Sie suchten also einen Lohnfertiger für die Kameras und fanden: Cosina (zweiter Coup). So kommt es, dass sich Nikon FE10/FM10, Canon T60, Olympus OM2000 und andere alle technisch auf die CT-1 zurückführen lassen und mit ihren jeweiligen Markenschwestern nicht viel mehr gemein haben als das jeweilige Bajonett und den Namen auf dem Prisma. Pentax und Minolta wählten einen anderen Weg und verschoben ihre alten Werkzeugmaschinen nach China und produzierten dort Kameras wie die K-1000 und X-370. Die K-1000 ist übrigens bei fast identischer Spezifikation einer der wichtigsten Konkurenten zur Cosina CT-1 und ihren Zwillingsschwestern.
As the era of classical SLR's from the late 1980s has been replaced by the new AF generation, the major camera manufacturers decided to keep at least one classical model in the portfolio, to support the old range of non AF-lenses a little longer. Therefore they looked for a contract manufacturer for the cameras and found: Cosina (second coup). It happens that Nikon FE10 / FM10 , Canon T60 , Olympus OM2000  and others all can be technically traced back to the CT-1 and do not have much more in common with their brand sisters than the respective bayonet and the name on the prism. Pentax and Minolta chose another path and moved their old production tools to China and produced cameras like the K-1000 and X-370th over there. The K-1000 is a way with an almost identical specification the closest competitor to Cosina's CT-1 and its twin sisters.
Cosina's dritter Coup  und der Grund, warum sie als Hersteller mechanischer Kameras im Zeitalter der Digitalfotografie immer noch existieren, ist die Sache mit Voigtländer (ich hatte es hier schon mal erwähnt...).  1999 erwarb man nämlich teilweise Namensrechte an der ältesten Fotomarke der Welt und stellte auf Basis des CT-1 Chassis eine manuelle Messsucherkamera vor, die es mit Leica's M Serie aufnehmen sollte. Man hatte wohl richtigerweise geahnt, dass mit der digitalen Fotorevolution manuelle Filmkameras wohl langfristig nur noch in einer (und genau dieser) Nische existenzfähig sind. Sogar Carl Zeiss sprang noch auf diesen Zug auf und bot zeitweise eine eigene, angeblich hochwertigere Messsucherkamera an. Bitte mal raten, wer diese im Auftrag produziert hat: Cosina! Auch gab es zeitweise eine Voigtländer Bessaflex SLR mit M42 Gewinde, richtig: auch hier steckt die CT-1 noch drin. 
Cosina's third coup and the reason why they still exist as a manufacturer of mechanical cameras in the age of digital photography, is the story around Voigtländer (I had mentioned it here before).  In 1999 they acquired partially the name rights for the oldest photo brand of the world. On the basis of the CT-1 Chassis they presented manual rangefinder cameras to take on Leica's M series. Cosina's assumption probably was correct that manual film cameras can only survive in one (and exactly this) niche during the digital photo revolution. Even Carl Zeiss jumped on the train and offered its own, supposedly better quality rangefinder camera. Please guess who produced it on Zeiss' behalf: Cosina! Also, for a short time there was a Voigtlander Bessa Flex SLR with M42 thread, again the CT-1 was its basis. 
Eine persönliche Geschichte zur Kamera muss ich aber auch noch loswerden. Im Mai 1982, als ich meine allererste SLR erwarb (Nikon EM) kaufte auch mein damals bester Freund sich seine SLR Ausrüstung: eine Vivitar XV-1 (genau, eine Fremdmarken CT-1) und gleich mit extra Weitwinkel und Teleobjektiv. Ich war natürlich neidisch auf seine extra Objektive, hätte aber für mich selbst niemals diese Entscheidung für eine solche "Billigmarke" getroffen. Und irgendwie billig gebaut sind sie schon. Auch wenn meine CT-1 oben auch nach 35 Jahren noch funktioniert (sie wurde vermutlich kaum benutzt) fühlt sie sich in der Hand einfach nicht so wertig an, wie die meisten SLRs, die ich in meiner Sammlung habe. Allein das Gehäusegewicht von lediglich 420 g spricht Bände (meine FT3 von 1977: 750g!). Trotzdem war ich neulich froh eine CT-1 in diesem Zustand bei e-bay zu bekommen, es ist nämlich gar nicht so einfach, wie man annehmen sollte.
And here is a personal story to the camera. In May 1982, when I bought my very first SLR (Nikon EM ) also my then best friend bought his SLR equipment: a Vivitar XV-1 (exactly: a foreign brand CT-1) and from the beginning with an extra wide angle and a telephoto lens. Of course I was jealous of the extra lenses he could afford, but even at the time I wouldn't buy such a "cheap brand". And somehow cheaply built they are. Although my 'new' CT-1 here is still working after 35 years (it was probably not used at all) it just feels less valuable than most other SLRs I have in my collection. Look at the body only weighing 420 g (compare my Nikon FT3 from 1977: 750g!). Still, I was glad to get a CT-1 in this condition, it is in fact not as easy as one might think.

Datenblatt Data Sheet Mechanische KB-Spiegelreflexkamera mit Nachführbelichtungsmessung Mechanical SLR with Match Needle Metering
ObjektivLens Pentax K BajonettPentax K Mount
Verschluss Shutter Vertikaler Metalllamellenschlitzverschluss, 1s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation 1/125s. vertical metal blade focal plane shutter, 1s - 1/1000 s and B. flash sync X=1/125s.
Belichtungsmessung Meter Zwei CdS-Zellen, TTL. Nachführmessung mit +/-Nadelanzeige im Sucher. Empfindlichkeitseinstellung 25-1600 ASA.  two CdS cells, TTL. +/- Match needle in viewfinder. Sensitivity 25-1600 ASA. 
Fokussierung Focussing SLR, Mattscheibe mit Mikroprismenzentrum, nicht auswechelbar. SLR, focusing screen with micro prisma center, not interchangable.
Sucher Viewfinder Spiegelreflex, 93% des aktuellen Bildes, 0.86x Vergrößerung bei 50 mm Brennweite SLR, 93% of the actual picture, 0.86x magnification at 50 mm focal length
Blitz Flash Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/125s Synchronzeit. Hot shoe and PC socket (X). 1/125s shutter sync.
Filmtransport Film advance Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel. Quick advance lever, image counter, rewind crank.
sonst. AusstattungOther Features ISO-Gewinde für Drahtauslöser, mechanischer Selbstauslöser (10 s), keine Abblendtaste, Auslösesperre und Hauptschalter bei angeklapptem Schnellspannhebel ISO cable release thread, mechanical self-timer (10 s), no stop-down lever, release lock and main switch realized with advance lever
Maße, GewichtSize and Weight ca. 133/85/48 mm, 420 g
Batterie Battery 1.35V Hg (funktioniert auch mit 1.5 V LR44)1.35V Hg (works also with 1.5 V LR44)
Baujahr(e) Production Year(s) 1979, ab 1980 als CT-1A1979, since 1980 as CT-1A
Kaufpreis, Wert heute Original Price, Today's Value DM 199 (1980), heutiger Wert ca. US$10DM 199 (1980), today's value about US$10
Links The casula collector, Wikipedia, Manual (english), Camera-Wiki , Cosina made Kamera Liste, Simon Hawketts, Dante Stella

2014-10-31

Verschlusszeitentester Nr. 3 (iPhone 6)

Verschlussablauf der Nikon S, spaltenweise von links oben bis rechts unten.

Ich habe an dieser Stelle schon zwei verschiedene Verfahren zum Testen von Verschlusszeiten vorgestellt: 1) per Photodiode und Soundeingang am Computer, 2) per Grauabgleich mit einer Digitalkamera (und hier der Vergleich der beiden Methoden).
Hier nun Methode Nr. 3: Man nehme eine Videokamera, die fähig ist deutlich mehr als 30 Bilder pro Sekunde aufzunehmen, also Zeitlupen (Slow-Motion) produzieren kann und filme eine Zeitlupe vom Verschlussablauf. Ich habe selbst keine Ahnung welche verschiedenen Kameras das alles können, für mich ist nur wichtig dass ich seit kurzem selbst eine besitze: mein iPhone 6. Das kann 240 fps (frames per second), also alle 4.167 ms ein Bild. Und iOS 8 enthält auch iMovie, mit dem man den erzeugten Slo-mo-clip bearbeiten und analysieren kann. Bei meinen Versuchen, erwies es sich als wichtig, dass die Videos bei genügend Licht aufgenommen werden, da sonst die Einzelbilder arg "verwischen" und nicht mehr scharf ausgewertet werden können. 

 

Bei iMovie oder einem anderen Video-Editor (z.B. die Freeware VirtualDub) heißt es nun die Frames (Einzelbilder) zählen, bei denen der Verschluss offen ist. Im obigen Fall (Nikon S, siehe Bild ganz oben) brauchte der erste Verschlussvorhang 7 frames, d.h. 29 ms für die Strecke von 34 mm (sic!). Damit ergibt sich eine Verschlussgeschwindigkeit von ca. 1.17 m/s, nicht besonders schnell. Der zweite Vorhang startet aber schon bevor der erste sein Ziel erreicht hat. Den Abstand vom ersten Vorhang habe ich an einem der Frames zu 25 mm bestimmt, d.h. 73.5% (25/34) des Bildes waren zu jederzeit frei, oder anders ausgedrückt: die Belichtungszeit betrug 73.5% x 29 ms = 21.3 ms = 1/47 s. Eingestellt war 1/60 s, das ist eine leichte Überbelichtung um 27%.
So einfach die Methode auch scheint, ist sie doch mit einem recht ordentlichen Fehler behaftet, der einzig an der verfügbaren Framerate der Videokamera hängt. 240 fps sind schon ganz nett, aber der Vorhang der Nikon S hier braucht ca. 7 Frames, genau könnten es aber auch 6.5 oder 7.5 sein, so genau kann man nicht ablesen. Setzt man das in die obige Rechnung ein, erhält man eine Verschlusszeit von 1/50 bis 1/44 sec. Bei einem modernen, vertikalen Verschluss wird die Sache aber schlechter. Durch die kürzere Strecke und gleichzeitig schnelleren Vorhängen ergibt sich auch ein größerer relativer Fehler.


Um die Methode im Vergleich zu den beiden anderen zu testen habe ich meine Nikon F nochmal durchgemessen. Ich muss allerdings  zugeben, dass ich für die grüne Kurve oben jede Verschlusszeit jeweils nur einmal "gefilmt" habe. Daher fehlt den Daten die Statistik. Allerdings habe ich versucht, die jeweiligen Fehler abzuschätzen (siehe Fehlerbalken). Bei den langen Zeiten ist der Messfehler minimal, da man einfach nur die Frames zählen muss, bei denen der Verschluss komplett offen ist. Dazu kommen jeweils zur Hälfte die Zeit die der erste Vorhang braucht, um den Verschluss zu öffnen, bzw, der zweite Vorhang, um ihn wieder zu schließen. Bei der Nikon F läuft der Verschluss mit ca. 4 frames ab (bei 240 fps). Eine 1/4 s sollte also z.B. 60 Frames liefern, gemessen habe ich 63, also 5% Überbelichtung.

Die kurzen Zeiten ab 1/125 s müssen komplett anders ausgewertet werden. Hier habe ich die Methode im Vergleich zur Quick'n'Dirty Abschätzung oben nochmal verfeinert. Es kommt es darauf an, die Verschlussgeschwindigkeit möglichst genau zu bestimmen:  Anhand der Vorhangpositionen kann man die Verschlussgeschwindigkeit über die Differenz der Einzelbilder bestimmen (die Zeitdifferenz beträgt ja genau 1/240 s). Hier ist das Ergebnis für die Nikon F, die mittlere Vorhanggeschwindigkeit beträgt 2.32 m/s (entspr. 3.7 frames auf 36 mm):

Gleichzeitig erhält man an den entsprechenden Positionen auch die Schlitzweite aus den Bildern. Jetzt muss man nur Geschwindigkeit (in mm/s) durch Schlizbreite (in mm) teilen und erhält die Verschlusszeit (in 1/s). Es mach übrigens nichts, dass die Verschlussvorhänge wie man im Diagramm sieht während des Ablaufs noch beschleunigen. Da sie es beide gleich tun (hoffentlich!) kompensiert sich der Effekt mit der sich ebenfalls entsprechend vergrößernden Schlitzbreite. 
Die Ergebnisse im Vergleich können sich sehen lassen. Bei den langen Zeiten ist die Übereinstimmung mit der ebenfalls dort sehr genauen Oszilloskopmethode sehr gut, bei den kurzen Zeiten ist es bei der Videomethode viel einfacher, sichere Werte abzulesen. Nur die 1/1000 s macht mir noch Sorgen. Hier bräuchte man doch noch eine schnellere Kamera. Es gibt tatsächlich Consumer Digitalkameras, die 1000 fps liefern (z.B. die Exilim Serie von Casio). Das allerdings nur bei einer Bildauflösung von 224x64 Pixeln. In dem Sinne, ist schon erstaunlich, dass das iPhone 6 die 240 fps bei der vollen HD (1280x720) Auflösung schafft. Hut ab, Apple!

2014-10-28

Nikon S

Ein lang gehegter Traum ging gestern mit dem Kauf dieser Nikon S Messsucherkamera in Erfüllung. Schon als Student habe ich mir 1988 Peter Braczko's Nikon Buch schenken lassen und immer wieder darin fasziniert über Nikon's Anfänge im Kamerbau und die exzellenten Messsucherkamers gelesen. In Deutschland wurden diese nie offiziell verkauft (u.a. weil Zeiss Ikon gerichtlich gegen die Verwendung des Namens nIKON vorging). Deshalb sind sie auch sehr selten zu finden und man muss schon lange suchen und viel Glück haben, mal eine in die Hand zu bekommen. Ich erinnere mich noch an mein erstes Mal: Es war ca. 1990 in einem der Fotoläden in Bielefeld, die ich regelmäßig abgescannt habe. Es war (vermutlich) eine S2. Die Kamera war in einem eher schlechten Zustand, der Messsucher war verstellt und auch der Verschluss bedurfte der Überholung. Das Ganze für 600 DM (mein damaliges Monatseinkommen) plus die Reparaturkosten haben mich aber schnell ernüchtert davonziehen lassen. Danach habe ich in Deutschland nie wieder eine in die Hand bekommen.
Dazu musste ich 2007 nach Japan (auf Geschäftsreise) fahren. In Tokyo gibt es einige Gebrauchtkameraläden, die Nikon's Rangefinder führen. Sukiya Camera in Ginza hatte bestimmt 20 verschiedene Messsucherkamers im Fenster, und das Wichtigste vom Objektivprogramm im Angebot. Ich bin natürlich reingegangen, habe auch mal durch einen SP-Sucher geblickt, musste aber feststellen, dass trotz des großen Angebots das Preisniveau sehr hoch ist (für eine sehr gut erhaltene SP wurden umgerechnet ca. 2000 € verlangt).
Jetzt hier in den USA sieht die Sache schon freundlicher aus, denn vermutlich ist auch die Mehrheit aller 138,598 Nikon Rangefinder Cameras hier verkauft worden. Auf ebay.com kann man eigentlich immer welche finden und auch bei meinen Besuchen auf Kameraflohmärkten habe ich schon die eine oder andere in der Hand gehabt. Gestern habe ich dann zugeschlagen, der Preis war eher ein Schnäppchen, bedenkt man den exzellenten Zustand des guten Stücks. Der Verschluss arbeitet nach erstem Ermessen korrekt, der Messsucher ist hell und klar und zeigt wohl richtig an. Den äußeren Zustand geben die Fotos hoffentlich wieder und die Kamera kam mit der originalen Ledertasche und Anleitung.

Die "S" ist Nikon's erstes wirklich erfolgreiches Kameramodell, auch weil mit ihr der Export nach Übersee, zunächst natürlich den USA begann. Das tatsächlich erste Modell hieß Nikon I, wurde schnell technisch zur M und schließlich zur S weiterentwickelt. Alle 3 Modelle können äußerlich schnell verwechselt werden. Man läuft aber kaum Gefahr einer "I" über den Weg zu laufen, die ca. 700 Exemplare befinden sich fest in Sammlerhand. Das Exemplar mit der kleinsten bekannten Seriennummer wechselte 2011 für US$ 159,000 den Besitzer. Aber selbst die anderen Einser sind Sammlern im Schnitt $20,000 wert. Interessanterweise gibt es aber nur sehr wenige optische oder technische Unterschiede zu meiner Nikon S hier.

Nikon und die anderen japanischen Kamerahersteller haben alle als Nachahmer begonnen und vornehmlich deutsche Erfolgsmodelle kopiert. Gerade Nikon hat aber schnell gezeigt, wie man die besten deutschen Zutaten neu kombinieren, dann optimieren und schließlich die deutschen Wurzeln ganz hinter sich lassen kann. Die Nikon S sieht auf den ersten Blick wie ein Contax Klon aus (beonders wegen des Bajonetts), verwendet aber auch technische Elemente der Leica, z.B. den Tuchschlitzverschluss. Das Ganze gewürzt mit exzellenter Handarbeit schuf unverwüstliche und praxisgerechte Kameras, die schnell den Markt eroberten. Im Netz gibt es die ganze Geschichte zu lesen (siehe Links ganz unten). Ich jedenfalls erfreue mich eines neuen Top-Exponates meiner Sammlung und habe schon einen Film damit verschossen, hier sind ein paar Bilder davon.   

Datenblatt KB-Messsucherkamera für 24 x 34(!) mm
Objektiv Nikon S Bajonett für Wechselobjektive, Normalobjektiv Nikkor H.C 5cm f/2 (6 Linsen in 3 Gruppen), vergütet
Verschluss Horizontaler Tuchschlitzverschluss, 1-1/500 s, B und T. Alte Zeitenskala: 1,2,4,8,10,20 (extra Langzeitwerk); 30,40,60,100,200,500 (1/s)
Belichtungsmessung keine
Fokussierung Manuell am Objektiv und Feinfokussierung per Finger-Stellrad, heller Messsucher. Minimale Entfernung (Normalobjektiv) ca. 1 m (3 feet) 
Sucher Optischer Durchsichtsucher (Vergrößerung 0.6x) ohne Paralaxenkorrektur, eingespiegelter gekoppleter Entfernungsmesser.
Blitz Nichtgenormte und getrennte Synchronanschlüsse für schnell und langsam abbrennende Blitzlampen (X = Elektronenblitz wird nicht unterstützt).
Filmtransport Drehknopf gekoppelt mit Verschlussaufzug, Bildzählwerk (muss manuell zurückgesetzt werden), Rückspulknopf.
sonst. Ausstattung Leica-Glocke für Drahtauslöser, Unendlich-Sperre, Zuberhörschuh, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 136x79x43(66) mm, 644g(850g) (mit Objektiv)
Batterie keine
Baujahr(e) 1951-1954 (36724 Stück), diese hier ca. Mai 1953
Kaufpreis, Wert heute US$295 (1951), heutiger Wert ca. US$800
Links Bedienungsanleitung, Manual (original with this camera), Chris Ozdoba's Nikon Seite, Taunusreiter, Camera-Wiki, Wikipedia (de, en), Peter Lausch, Nikon's eigene Website, Cameraquest 1, Cameraquest 2

2014-10-19

Agfa Silette SLE


Seit langer Zeit endlich mal wieder ein Post von mir und eine Kamera, die ich eigentlich gar nicht haben wollte. Sie kam zusammen mit der Kodak Werbelampe, quasi als kostenlose Beigabe. Ich habe natürlich gleich recherchiert und man findet recht viel über Agfa's Silette Serie (siehe Links ganz unten), aber zu dieser Kamera eigentlich nicht viel. Vermutlich weil sie nur im Jahr 1958 gebaut wurde und dann auch noch unter zwei verschiedenen Bezeichnungen (neben SLE wurde auch "Automatic" verwendet). Agfa brachte ab dem Jahr 1959 im Prinzip technisch ähnliche Kameras in neuem Design raus. Sie ist also recht selten und daher hat sie einen Platz in meiner Sammlung verdient.
Was Agfa im Jahr 1958 als Automatik beworben hat, wurde später als Nachführmessung bezeichnet und der Zeiger des Belichtungsmessers wurde hier immerhin im Sucher eingeblendet. Das war zu der Zeit keine Selbstverständlichkeit. Auch die Tatsache, dass Blende und Verschlusszeit mit dem Belichtungsmesser gekoppelt waren plazierte diese Kamera im Marktsegment des gehobenen Amateurs bzw. wohlhabenden Bürgers. 285 DM entsprechen nach heutigem Geld immerhin ca. €500. Noch bis in Ende der 1970er Jahre wurden Kameras ohne eingebauten oder mit ungekoppelten Belichtungsmesser verkauft, heute kaum noch vorstellbar.
Meine Kamera hier kam leicht defekt bei mir an, die Scheibe vor dem Selenbelichtungsmesser war gesprungen (ich habe sie mit Tesa geklebt) und der Verschluss war von altem Harz verklebt. Nach Ausbau des Frontlinsenelemts habe ich mit Waschbenzin diesen schnell wieder gängig gemacht:


Die Belichtungsmessernadel bewegt sich noch etwas, ich bezweifele aber, dass noch etwas vernünftiges angezeigt wird. Alles in Allem eine nette Bereicherung meiner Sammlung.


Datenblatt KB-Sucherkamera mit gekoppeltem Belichtungsmesser
Objektiv Agfa Color-Solinar 50 mm f/2.8, 3 Linsen (Triplet-Typ), vergütet
Verschluss Prontor SLK Zentralverschluss, 1-1/300 s, B
Belichtungsmessung gekoppelter, eingebauter Selen-Belichtungsmesser mit Nachführmessung, Blendenstufen 2.8-22
Fokussierung Manuell, ohne Fokussierhilfe. Minimale Entfernung 1 m (3.5 feet)
Sucher Heller optischer Durchsichtsucher mit Leuchtrahmen, automatische Paralaxenkorrektur, eingespiegelte Messnadel des Belichtungsmessers.
Blitz Synchronbuchse (M/X umschaltbar) bei allen Verscchlusszeiten.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Selbstauslöser (10 s, Hebelstellung "V"), Filmmerkscheibe, Zuberhörschuh, Stativgewinde
Maße, Gewicht ca. 128/88/72 mm, 680g
Batterie keine
Baujahr(e) 1958
Kaufpreis, Wert heute 285 DM (1958), heutiger Wert ca. US$40
Links Emtus, Sammlung Kurt Tauber, Camera-Wiki, Wikipedia (Silette Serie allgemein)

2014-08-14

Kodak Werbelampe


Ein Kollege, den ich schonmal mit zu einem Kameraflohmarkt genommen hatte, rief mich letzten Samstag morgen unvermittelt an. Er war gerade in seiner Nachbarschaft bei einem Yardsale und hatte einige alte Kameras entdeckt, von denen er mir jetzt Fotos schickte. Die Kameras sollten pro Stück $5 kosten, es handelte sich um eine Polaroid Land No. 95, eine Kodak SIX-20 Box und zwei Agfa Knippsen aus den 50ern. Ich war nicht sonderlich interessiert, wusste aber nicht recht wie ich dem netten Kollegen den Gefallen abschlagen sollte, mir einen zu machen. Wir texteten etwas hin und her, bis er mir schließlich ein Foto der Lampe oben schickte. Ich war sofort begeistert und beauftragte den Kollegen in Kaufverhandlungen einzutreten. Die Lampe ist also seit heute mein, sie war nicht ganz billig, allerdings gab es zwei der Kameras als kostenlose Beigabe (davon an dieser Stelle später mehr...).

2014-07-13

Zoom Nikkor Auto 43-86 mm f/3.5

Anfang der '60er Jahre waren Zoomobjektive gerade frisch auf dem Markt und auch Nikon versuchte sich hier. Das allererste Zoom allerdings war 1959 das Voigtländer Zoomar 36-82mm f/2.8. Nikon konterte zunächst mit zwei Tele-Zooms (85-250 f/4-4.5 und 200-600 f/9.5-10.5). 1961 wurde ein 35-80mm f/2.8-4 angekündigt, dann aber doch nicht gebaut. 1963 erschien dann, zunächst fest eingebaut in der Nikkorex Zoom, dieses Objektiv mit höchst seltsamen Brennweitenbereich. Während meiner aktiven Zeit als Nikon Amateur hat es mich nie angesprochen, als Sammler nun finde ich es durchaus interessant. Nach dem Fund der Nikkorex F habe ich mich auf dem Kameramarkt nach einem zeitgemäßen Objektiv umgeschaut. Das eigentliche Normalobjektiv Nikkor-H 50 mm f/2 war nicht zu bekommen, da habe ich mich für das Zoom hier entschieden. Ein paar Nikkorex F Fotografen dürften es in den 60ern in Kombination eingesetzt haben.


Auch wenn Nikon es als Meilenstein lobt, ist das Objektiv nach Meinung einiger angeblich Nikon's schlechteste optische Konstruktion (siehe auch hier). Ob es letztendlich Nikon's Ruf geschadet hat, möchte ich bezweifeln. Nikon hat 1976 selbst gehandelt und die optische Konstruktion von 9 Elementen in 7 Gruppen auf 11 Elemente in 8 Gruppen grundlegend umgestellt und damit einige der optischen Schwächen behoben. 


Trotz aller zugegebenen Schwächen war es für Nikon ein Bestseller. Immerhin blieb es 19 Jahre lang (von 1963-1982) im Verkaufsprogramm. Laut Roland's Nikon pages wurden in vier Versionen insgesamt 432. 603 Objektive gebaut:
Und es ist kein Scherz: Die Seriennummern starten mit 438601, mein Exemplar ist eines der letzten der ersten Serie und stammt von ca. 1973.

VersionLinsen/GruppenSeriennummernBaujahre
Zoom-NIKKOR Auto 43-869/7438601-5542611963 - 1974
Zoom-NIKKOR C 43-869/7 Multicoated570001-6254801974 - 03/1976
Zoom-NIKKOR 43-86 11/8 774071-80597611/1975 - 1977
Zoom-NIKKOR 43-86, AI11/8810001 - 10486141977 - 03/1982

2014-07-08

Nikkorex F


Diese Nikkorex ist sicher nicht meine Traum-Nikon, allerdings konnte ich beim letzten Kameramarkt nicht widerstehen, als sie mir für nur $25 angeboten wurde. Schon 1988 habe ich das Nikkorex Kapitel in Peter Braczko's Nikon Bibel verschlungen (wie auch den Rest des Buches) und damals angenommen, dass ich wohl niemals so ein Ding in die Hand bekommen würde. In der Tat ist sie Nikons seltenste SLR, wenn man von ein paar Sondermodellen absieht. Nur ca. 60,000 Stück (laut eigener Zählung) hat Nikon von Mamiya bauen lassen, die ganze Geschichte kann man in o.g. Buch oder diversen Web-Seiten (siehe Links unten) nachlesen. Aber Achtung: Nicht alles was da geschrieben steht, stimmt. Weder sind Teile dieser "Billig"-Nikon aus Plastik, noch sind statt eines Prismas Spiegel verbaut. Wer diesen Kamerabrocken mal selbst in der Hand gehalten hat, würde sowas nie schreiben. Das Gehäuse ist in der Tat größer als das der Nikon F und unten gezeigte Kombination mit dem zeitgemäßen 43-86 Zoom-Nikkor (für weitere $50) hängt mit 1,2 kg an der Schulter des Fotografen. Vielleicht ist das der Grund, warum an meinem Modell die rechte Gurtöse fehlt. Das ist aber auch der einzige Defekt, alles andere funktioniert und sogar die Zeiten scheinen zu stimmen. 

Die recht niedrige Seriennummer (Start bei 350001) und auch die Ausstattungsdetails lassen auf ein frühes Modell von 1962 schließen (siehe diesen Vergleich bei Richard DeStoutz). Wenn man die Nikkorex F mit anderen SLR aus der Zeit vergleicht (z.B. die super elegante Minolta SR-2 oder eine Pentax S3), dann wird schnell klar, warum sie kein Verkaufschlager wurde. Nikon hat dann auch schnell begriffen und 1965 mit der (selbst produzierten) Nikkormat den Grundstein für ihren Erfolg auch im Amateurmarkt gelegt.


Datenblatt Mechanische KB-Spiegelreflexkamera
Objektiv Nikon F Bajonett für Wechselobjektive, Standard war das Nikkor-H Auto 50 mm f/2
Verschluss Vertikal ablaufender Metalllamellenverschluss (Copal Square), 1s - 1/1000 s und B. Blitzsynchronisation 1/125s
Belichtungsmessung keine, Aufsteck-Selenbelichtungsmesser als Zubehör
Fokussierung SLR, Mikroprismenmattscheibe mit Fresnellinse, nicht auswechelbar.
Sucher Spiegelreflex, Augenkorrekturlinsen als Zubehör.
Blitz Separate Synchronbuchsen für FP und X. Minimal 1/125s Synchronzeit. Aufsteck-Zubehörschuh als Zubehör verfügbar.
Filmtransport Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Selbstauslöser (10 s), Filmmerkscheibe
Maße, Gewicht ca. 153/102/52 mm, 790g (>1 kg mit 50mm f/2)
Batterie keine
Baujahr(e) 1962-1964 (diese 1962), nur ca. 60.000 Exemplare
Kaufpreis, Wert heute US$ 110 (1962), heutiger Wert ca. US$50-100
Links Manual (english), Nikon Homepage, Richard de Stoutz, Camera-Wiki, Cameras in Malaysia, Cameraquest, Peter Lausch, Nikkorman, Niko van Dijk