2012-08-25

Kodak ohne Film und Foto...


Nur 7 Monate nachdem Kodak unter Chapter 11 schlüpfte (siehe hier), um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern und notwendige (drastische) Restrukturierungen durchzuführen, kommt jetzt die Meldung, die Fotonostalgiker verzweifeln läßt: Kodak will sich von seinen ehemaligen Kernbereichen trennen. In Zukunft soll es also keine Filme mehr von Kodak zu kaufen geben, keine Fotopapiere und auch sonst keine Produkte für Endkunden mehr. Die Fotokioske, an denen Meschen in Super- und Drogeriemärkten ihre Digitalfotos printen, werden ebenso demnächst nicht mehr rot-gelb sein. 
Was ein Untergang. Kodak wird, wenn es überhaupt überlebt, drastisch schrumpfen und eine Firma für Druckmaschinen, dazugehörige Verbrauchsmaterialien (Tinte) und Software werden. Im Augenblick sieht es noch so aus, dass Kinofilm für die großen Studios in Hollywood erstmal weiterläuft. Vermutlich existieren langfristige Verträge, aber auch das ist ja kein Endkundengeschäft. Interessant wird in den nächsten Monaten die Frage, wieviel Kodak durch die Versteigerung ihrer Fotopatente erlösen kann. Derzeit sieht es auch hier nicht gut aus. Angeblich haben sich die Großen der Digitalbranche (Apple, Google, Microsoft, ...) zusammengetan, um ja keinen Bieterwettbewerb aufkommen zu lassen. Kodak kann einem wirklich leid tun.  

2012-08-14

Kodak Autographic Film (116)

Das hier ist eine Metallspule für Eastman's Kodak No. 116 Rollfilm aus meiner No.1A Kodak Junior Faltbalgenkamera. Vermutlich war auch mal Autographic Film aufgespult, sowas wie der analoge Vorläufer einer Datenrückwand. Die Erfindung wurde schon vor 100 Jahren gemacht und zwar von Henry Jacques Gaisman, einem sehr vielseitigen Erfinder. George Eastman kaufte ihm die Erfindung 1913 für 300,000 US$ ab, damals eine riesige Summe, angeblich die größte Summe die bis dahin für eine einzelne Erfindung gezahlt wurde. Von verschiedenen Rollfilmen gab es ab 1914 jeweils eine Autographic Variante mit demselben Bildformat, man brauchte aber auch eine entsprechende Kamera. Der Autogrphic Film kostete nicht mehr als der entsprechende Film ohne, Kodak hatte wegen des Patents allerdings ein Alleinstellungsmerkmal und konnte so die Kunden an seine Filme binden.
So, wie funktioniert das Ganze nun? Autographic Film war erst einmal ein ganz normaler Schwarzweiß-Rollfilm, hatte aber statt einem einfachen Papierträger eine doppelte Papierschicht hinter dem Film. Die äußere war rot und leicht lichtdurchlässig, die mittlere schwarz und so eine Art Kohlepapier. Wenn man mit einem spitzen Gegenstand wie einem Stift Eindrücke darauf hinterließ, wurde es an diesen Stellen durchscheinend. Jetzt konnte man also nach der Aufname die spezielle Autographic-Klappe auf der Rückseite der Kamera öffnen, mit dem Stylus, einem Metall-Stift (fehlt leider bei meinem Exemplar) seine Notizen aufzeichnen und musste dann für ein paar Sekunden das Ganze ans Licht halten. Dadurch wurde dann das Geschriebene auf den Zwischenraum zwischen den Bilden einbelichtet. Klever, oder? 

Kodak's Autographic Film kam 1914 auf den Markt und Kodak stattete viele seiner Kamermodelle mit dem Feature aus und hat sogar später Kamerarückwände damit extra angeboten. Ganz ähnlich wie die Datenrückwände in den 1980ern. 1932 hat Kodak die Produktion der Autographic Filme wieder eingestellt, vermutlich weil höher empfindliche Filme aufkamen, die es technisch deutlich schwieriger machten, das Prinzip umzusetzen. Vielleicht war aber auch das Kundeninteresse nicht so groß und kaum einer verwendete diese Funktion? Auch die Datenrückwände der 80er haben meines Wissens sich nicht wirklich breit durchgesetzt.

2012-08-12

No.1A (Autographic) Kodak Junior


Eine Kollegin von mir veranstaltete neulich einen "garage sale", um den alten Krempel ihrer Eltern loszuwerden und dabei war ein ganzer Karton alten Fotokrams, ich habe mir die ältesten und interessantesten Stücke rausgepickt. Diese Kodak "folding camera" war definitiv die älteste in der Kiste, vermutlich noch vom Großvater. Wenn man den Beschreibungen im Netz Glauben schenken kann, dass sich solche alten Kodak Schätzchen anhand der eingravierten Patente datieren lassen, dann stammt dieses Modell von 1914 oder 1915, ist also ca. 98 Jahre alt. Bis auf ein fehlendes Stück Ziegenleder ist sie noch sehr gut erhalten, die Optik ist klar und die Mechanik funktioniert.

Kodak No1A 

Neben den billigen Boxkameras waren die Faltbalgen-Modelle für Rollfilme die beherrschende Kameraklasse (nach Stückzahlen) der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fast jeder Hersteller hatte verschiedene Modelle im Programm. Es gab sie in verschiedenen Größen und natürlich auch Preisklassen, das Grunddesign war aber immer das selbe. Eastman Kodak hat natürlich in vorderster Front mitgespielt und hatte mit den Autographic Modellen ein Alleinstellungsmerkmal am Markt. Dazu in einem speziellen Post demnächst mehr. 



Die No.1 A Junior verwendete 116er Rollfilm (bzw. die Autographic Version davon) und bot damit Negative in 6,5 x 11 cm Größe, die im allgemeinen nicht vergrößert, sondern per Kontaktabzug prozessiert wurden. Den Rollfim 116 gab es schon ab 1899 am Markt und wurde von Kodak erst 1984 eingestellt, vermutlich weil er mit 70 mm Breite (doppelter KB-Film und als Kinofilm) sowieso ins Konzept passte. Verschiedene Modelle wurden angeboten, dies hier ist das best ausgestattetste mit variablem Fokus und f/7.7 Anastigamat Objektiv. Wer mehr wissen möchte, schaut sich am Besten die Bedienungsanleitung an, die es wie üblich bei Mike Buktus gibt (Spende nicht vergessen...!).

2012-07-28

Kodak Retina I Fotos

Hier nun drei ausgewählte Fotos, aufgenommen mit meiner 66 Jahre alten Kodak Retina I bei einer Waterraftingtour auf dem Lehigh River in Pennsylvania am letzten Samstag. Die Kamera hatte ich in einen verschließbaren Plastikbeutel gepackt und wenn es die Situation erlaubte ab und zu mal rausgenommen, um Fotos zu machen. Mit einer normalen Digitalkamera hätte ich mich sowas nicht getraut.
Fast alle Fotos auf dem Film sind was geworden, ich bin wirklich zufrieden. Einige sind etwas überbelichtet, andere unscharf oder leicht verwackelt. Was will man erwarten bei der ganzen Schätzometrie bzgl. Entfernung und Beleuchtung. Auf dem unteren Foto sieht man am unteren Rand Fremdlichteinfall, das habe ich auf einigen der Fotos. Woher der kommt, weiß ich nicht genau, vielleicht ist der Balgen doch nicht ganz dicht und je nachdem, wie das Licht fällt...

Dennoch wirken insbesondere die Portraitfotos witziger und natürlicher als moderne Digitalbilder. Vielleicht, weil die abgebildeten Personen die alte Kamera nicht wirklich ernst genommen haben? Ich werde vermutlich doch noch mehr mit der Kamera fotografieren, hat irgendwie was...

2012-07-17

Kodak Retina I

Kodak's Retina, später auch Retina I genannt, ist ohne Zweifel ein Meilenstein der Kamerageschichte. Mit ihr führte Kodak 1934 die bis heute erfolgreichste Konfektionsform für fotografischen Film ein, die Kleinbildpatrone, auch 135er genannt. Auch wenn es nicht ganz richtig ist, wird im Allgemeinen Oskar Barnacks Leica als erste ("Still"-) Kamera für den 35mm Kinofilm angesehen. Frühe Leicas und auch Zeiss' Konkurrenzprodukt Contax nutzten allerdings jeweils spezielle Filmkassetten, die vom Fotografen selbst (in der Dunkelkammer) befüllt werden mussten. Kodak's neue (Wegwerf-) Kassette war so gestaltet, dass sie in beide Systeme passte und natürlich auch in die neue Retina, die aus dem 1931 erworbenem Kamerwerk Dr. Nagel in Stuttgart stammte. Ohne diesen entscheidenden Schachzug von Kodak und viele weitere Kameras, die für die Patrone auch von anderen gebaut wurden, wäre auch das 135er wie viele andere Formate schnell wieder Geschichte geblieben. Hier habe ich mal einen alten Kodachrome eingefädelt:
Kodak Retina, later also called Retina I, is undoubtedly a milestone in camera history. In 1934 Kodak introduced the most successful form of photographic film for still cameras together with this camera: The 135 cartridge for standard 35 mm film. Although it's not 100% correct, Oskar Barnack's Leica is generally considered the first still camera for 35mm motion picture film. Early Leica and Contax cameras each used proprietary cartridges for the film, which had to be loaded by the photographer himself (in the dark room!). Kodak's new (disposable) cartridge was designed in a way that it would fit in both systems as well of course in the new Retina. To compete with the high end German cameras Kodak had acquired "Kamerawerk Dr. Nagel" in Stuttgart in 1931, who then would produce a long series of Retina cameras for the new cartridge. Without this strategic move and also other producers quickly adapting the 135 film, the new format might have gone the way of many other formats we don't know anymore today. The picture below shows an old Kodachrome as an example:
Die Kamera ist ein simples, kompaktes und äußerst solides Meisterstück. Basierend auf dem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts äußerst beliebten Faltkamera-Designs für Rollfimkameras enstand eine Kleinbildkamera, die wohl kompakter kaum sein kann. Eingeklappt passt sie spielend in die Jackentasche, mit 455 g (inklusive Film) ist sie bei sehr ähnlicher Größe nur 5 g schwerer als meine aktuelle Olympus E-PL1 mit dem Lumix 20 f/1.7. Vom ersten Modell 1934 (Typ 117) ausgehend gab es bis 1941 regelmäßige Modellpflege (Typen 126, 141, 148 und 167) und auch entsprechende schwarze Varianten (Typen 118, 119, 143, 149). Während des Krieges wurden statt Kameras in Stuttgart Zeitzünder gebaut. 1946 nahm man mit diesem Typ 010 (schwarz:013) die Produktion der Vorkriegsmodelle 148 und 149 wieder auf. Die Basisfeatures der Retina I blieben stets dieselben, lediglich Kleinigkeiten wie der Auslöser am Gehäuse, Doppelbelichtungssperre etc. kamen während der 11-jährigen Produktionszeit dazu. Alle Modelle wurden  wie damals üblich wahlweise mit verschiedenen Objektiven (Carl Zeiss Tessar, Kodak Ektar, Schneider Xenar, etc.) oder auch Verschlüssen (Compur, Compur-Rapid) angeboten (s.u.).

The camera is a simple, compact and extremely robust masterpiece. Adapting the at the time very popular folding camera design the Retina could have hardly become more compact. Folded it fits easily in any pocket, and with 455 g (including film) it is only 5g heavier than my current Olympus E-PL1 with the Lumix 20 f/1.7 (while at similar size). Starting from the first model in 1934 (Type 117) until 1941 Kodak did regular facelifts (types 126, 141, 148 and 167) and also offered corresponding black variants (types 118, 119, 143, 149). During the war instead of cameras time fuses have been built in the Stuttgart factory. In 1946 the production resumed with this type 010 (black:013), which were essentially the same as the prewar models 148 and 149. The basic features of the Retina I types have always remained the same, only little things like the release button on the body, double exposure lock etc. were introduced during the 11-year production period. All models could be ordered with different lenses (Carl Zeiss Tessar, Kodak Ektar®, Schneider Xenar, etc.) and also shutters (Compur, Compur-Rapid) (see below).

Ich habe meine hier günstig bei ebay erstehen können und war erstaunt, wie gut sie trotz ihres Alters von 62 Jahren noch in Schuss ist. Alles funktioniert noch reibungslos, die Verschlusszeiten habe ich kurz nachgemessen und was soll ich sagen, es passte! 
I got mine cheap from ebay and was amazed about how well it is in shape despite its age of 62 years. Everything still works smoothly. I checked the shutter speeds and what should I say, all fit!

Seite aus meinem Photo Porst Katalog von 1937, abgebildet
ist Typ 141 (98 RM), für 75 RM gibt es Typ 126 mit dem
einfacheren Verschluss
Page from my Photo Porst catalog 1937, displayed
is type 141 (98 RM), for 75 RM type 126 is available
with a simpler shutter
Jetzt ist ein Film in der Kamera und auch die ersten Aufnahmen sind schon gemacht. Man muss sich schon an die archaische Bedienung gewöhnen: Belichtung und Entfernung schätzen und einstellen (oder hiermit undhiermit messen), dann den Verschluss spannen. Ohne gleichzeitig gespannten Verschluss und transportierten Film ist kein Auslösen möglich. Diese Doppelbelichtungssperre kann man aber durch direkte Betätigung des Verschlusses am Objektiv umgehen. Danach Filmtransport durch Drehen am Rädchen, einen Schnellschalthebel zum kombinierten Filmtransport und  Verschlussaufzug gab's erst ab 1951 beim Nachfolgemodell Ia. Immerhin zählt das Bildzählwerk mit und auf der Unterseite der Kamera Kamera gibt es noch einen Tiefenschärfeindex.

I put a film in the camera and the first shots are already made. You need to get used to the archaic operation mode: estimate exposure and distance (or measure it hereby andherewith), then cock the shutter. Without simultaneously having the shutter cocked and the film advanced the shutter release button on top of the camera is blocked. You can trick this double exposure lock by directly releasing the shutter at the lens. After the image is taken advance the film by turning the wheel, a fast advance lever for combined film transport and shutter cocking appeared only from 1951 with successor Retina Ia. At least a frame counter and on the bottom of the camera camera a depth of field index add to the features.
Kodak hat seine Retina-Serie konsequent ausgebaut. Parallel zum Modell I gab es ein entsprechendes Modell II mit eingebautem Entfernungsmesser, nach dem Krieg dann Nachfolgemodelle mit Belichtungsmesser und sogar Wechselobjektiven. Über die Retina Reflex-Modelle, die die Palette nach oben hin abrundeten, habe ich ja schon berichtet.

Kodak expanded its Retina series continuously over time. Parallel to the model I there was a model II with a built-in range finder. After the war follow-up models came on the market with exposure meters and even interchangeable lenses. I've already reported about the Retina Reflex models that rounded the range off upwards.
Eine Anekdote über die Retina I darf auch hier nicht fehlen. Edmund Hillary hat bei der Erstbesteigung des Mount Everest sein berühmtes Gipfelfoto von Tensing Norgay mit einer, damals schon 15 Jahre alten Retina (Typ 118) aufgenommen, die er gebraucht gekauft hatte. Heute steht diese in einem Museum in Neuseeland und ist vermutlich die wertvollste Retina auf dem Sammlermarkt. Von Hillary selbst gibt es kein Foto, angeblich weil Tensing mit der Kamera nicht umgehen konnte (oder auch, weil sie schlicht auf den zur Neige gehenden Sauerstoff achten mussten).

An anecdote about the Retina I should not be missing here. At the first ascent of Mount Everest Edmund Hillary took his famous summit photo of Tenzing Norgay with a black Retina I (Type 118). The camera was at that time already 15 year old and he had bought it second-hand. Today this particular piece is in a museum in New Zealand and is probably the most valuable on Retina on the collectors' market. From Hillary himself there is no photo, allegedly because Tensing could not handle the camera (or just because they simply had to pay attention to the dwindling oxygen).
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Fotos aus meiner und werde natürlich berichten.
Anyway, I'm very excited about the photos of mine and will of course report.

2012-07-10

Verschlusszeiten-Tester


Angeregt durch verschiedene Websites (siehe auch unten) habe ich mir schon vor einiger Zeit einen elektronischen Verschlusszeiten-Tester gebaut. Das Ganze mit der einfachst-möglichen Schaltung (Photodiode, Widerstand und Batterie in Reihe an einen Klinkenstecker) für den Mikrophon-Eingang des Laptops, welches mittels eines Freeware Audioprogramms die Hauptarbeit, sprich die Zeitmessungen erledigt. Wie hätte man sowas früher ohne Computer gemacht?


Wenn man genau hinschaut, kann man aus dem Bild oben die Schaltung nachbauen, die Photodiode stammt wie die meisten anderen Bauteile aus einem Elektronik-Baukasten, in Ermangelung eines einfachen 7kOhm Widerstands habe ich einen entsprechenden Drehpoti eingebaut. Nachdem alles richtig zusammengelötet war, ergab sich als größte Schwierigkeit das Signal zu verstehen, welches das Audioprogramm so schön aufzeichnet. Wie man anhand des Screenshots sehen kann, ist das Signal erstmal nicht eindeutig. Durch Vergleich verschiedener Messungen findet man aber schnell raus, was man am Ende ausmessen muss. Das Programm zeigt auch Millisekunden an, wenn man will. Ich fand es aber einfacher, direkt mit der Anzahl der Samples zu rechnen. Bei einer Abtastrate von 44100 Hz ergibt sich im Beispiel eine Verschlusszeit von 1/58 s (44100/761 ist ungefähr 58), nahe dran an der eingestellten 60stel. Die Feinstruktur der Linie mit derselben Strukturbreite kommt übrigends von der verwendeten LED, die im amerikanischen Netz eben mit 60 Hz "flackert". Wenn man Tageslicht nimmt, ist die Linie flach.


Unten seht ihr als Beispiel zwei Messreihen meiner Kameras als Funktion der Abweichungen vom Sollwert. Zunächst einmal war ich überrascht, wie genau der mechanische Schlitzverschluss meiner 43 Jahre alten Nikon F noch arbeitet. Alle Verschlusszeiten bis zur 250stel weichen weniger als 20% ab, das ist weniger als 1/3 Blendenstufe und wird von allen Filmmaterialien in der Regel so weggesteckt. Die Retina Reflex S ist noch mal fast 10 Jahre älter und hat mit dem Zentralverschluss auch das vermutlich empfindlichere "Organ". Da verwundert es nicht, dass viele Zeiten doch etwas länger sind als angegeben. Was die z.T. erheblichen Überbelichtungen bei den kürzesten Zeiten angeht, habe ich noch meine Zweifel bezüglich der Messmethode. Berichte im Netz sagen, dass eine verbesserte Schaltung mit zwei Photodioden hier korrektere (also kürzere) Ergebnisse liefert. Das werde ich bei Gelegenheit aber mit dem elektronisch gesteuerten Schlitzverschluss meiner Nikon FE2 ausprobieren (wenn ich neue Batterien dafür habe). 

Alles in allem eine wirklich nette Bastelei, auch für ungeübte Elektronik-Laien. Hier noch ein paar Links zu weiteren Anleitungen: Lalo B, Kiev Survival, Baytan, Buonaluce, photo.net, etc...

2012-07-01

Agfa Clack

Die letzte und erfolgreichste (mit fast 1.7 mio Exemplaren) von Agfa's Box Kameras ist nun auch in meiner Sammlung. Sie wurde von 1954 bis 1965 im Agfa Camera-Werk in München gebaut. Auch wenn sie nicht mehr so aussieht wie die Urgroßmutter der 120er-Film 6x9 Box-Kameras, die Kodak Brownie No.2 oder viele andere Nachahmner (hier eine andere Agfa-Box aus meiner Sammlung), fast alle Ausstattungsmerkmale sind Box-typisch (einlinsiges Meniskus-Objektiv, Einfachverschluss mit B und 1/30s, zwei Blendenwerte: ca. f/11 und f/13). Nur der wirklich ordentliche optische Sucher zum direkten Durchschauen gehört eher zu technisch anspruchsvolleren Kameras der Zeit.
   

Über die Kamera ist wirklich schon viel geschrieben worden im Netz, so dass ich mich hier auf die Bilder und ein paar Links beschränke. Der meiner Meinung nach beste Zusammenfassung stammt von Eric Fiss, andere Seiten finden sich im Camera-wiki, in Wikipedia oder auch hier. Meine Kamera ist wohl ein eher frühes Exemplar mit Blechhülle und ohne eingebautem Gelbfilter, wurde mal in Enschede in Holland gekauft und fand irgendwie den Weg in die USA.


Datenblatt Ungewöhnliche Boxkamera (6x9) aus Bakelit
Objektiv Meniskus 95 mm f/11, abblendbar um eine Stufe
Verschluss selbstspannender Boxkamera- ("Guillotinen") Verschluss, ca. 1/30 s (M) und B
Film(format) Rollfilm 120, 6x9 cm
Fokussierung Fixfokus, ab ca. 3m, einschwenkbare "Nah"-Linse für 1.5m bis 3m.
Sucher Einfacher, optischer Durchsichtsucher.
Blitz Synchronkontakte an der Oberseite, Agfa-Blitz Clibo zum Aufstecken als Zubehör.
Filmtransport Drehknopf an der Oberseite, rotes Filmfenster in der Rückwand
sonst. Ausstattung gebogene Rückwand, aufsteckbare Filter (30mm), Stativgewinde, Trageschlaufe
Maße, Gewicht ca. 111 x100 x 93 mm, 328 g (ohne Film)
Baujahr(e) 1954-1965, made in Germany (München)
Kaufpreis, Wert heute 19,50 DM (1954), ca. 5 €/US
Links Manual (english)Bedienungsanleitung (deutsch)
Bei KniPPsen weiterlesen Agfa Click I, Agfa Click IIalle Box-Kameras

Seiten aus dem Photo Porst "Photohelfer" Katalog von 1956

2012-06-27

King Regula Sprinty C 300

Fast zufällig stolperte ich neulich bei ebay über diese Kamera. Bei einem Startgebot von nur US$ 3.99 und US$ 7 Versandkosten konnte ich nicht widerstehen und habe Sekunden vor dem Auktionsende das erste (und letzte) Gebot abgegeben und das Ding war meins. Als es dann ein paar Tage später bei mir war, konnte ich den 1A Zustand bewundern und war auch sonst angetan vom funktionellen Design dieser Einfachkamera made in Germany. 

Kein Leder, sondern nur geprägtes Plastik. Trotzdem macht die dadurch sehr leichte Kamera nicht einen billigen Eindruck.
Von der Firma King KG (später Regula-Werke King & Bauser GmbH) kannte ich nur die Regula Blitzgeräte. Dass sie mit knapp 5 mio gebauten Kameras zu den erfolgreichsten deutschen Kameraproduzenten der Nachkriegszeit gehören habe ich erst durch Recherchen zu diesem Beitrag erfahren. Funktionelles aber einfaches Design, regelmäßige Updates der Modellpalette, viel Plastik (ohne wirklich billig zu wirken) und günstige Preise am Markt trugen wohl dazu bei, dass King sich länger als andere deutsche Wettbewerber im Konkurrenzkampf mit den Japanern behaupten konnte. Ein missglückter Ausflug ins High-End SLR Geschäft Anfang der 70er (King verlor einen Patentstreit mit Leitz und musste Strafe zahlen) und das Setzen auf das Disk-Format Anfang der 80er führten 1984 zum Konkurs der Firma. Schade eigentlich.  
Funktionelles Design und Einstellhilfen auch für Fotografie-Laien garantieren gute Fotos.
Die Regula Sprinty Serie gehört aber sicherlich zu King's Erfolgsmodellen. Gebaut von 1963 bis zum Ende der 70er Jahre kamen fast jährlich in Nuancen verbesserte Modelle herraus, so dass es am Ende 9 verschiedene Modelle waren, die auch unter anderen Namen leicht modifiziert verkauft wurden. Meist gab es parallel ein Modell mit und eines ohne eingebauten (ungekuppelten) Belichtungsmesser zu kaufen. Das Modell C 300 hier kam 1971 auf den Markt und war bis auf den fehlenden Belichtngsmesser technisch auf dem Höhepunkt der Entwicklung der Serie. Später kamen nur noch ein Sockel für Blitzwürfel hinzu. 
Das Objektiv der Kameras war ein 45 mm f/2.8 von ISCO in Göttingen, vermutlich ein Dreilinser mit allerdings vergüteten Linsen, was ordentliche Bilder verspricht. Das interessanteste Merkmal ist aber der Rectamat Zentralverschluss, der gleichzeitig (rechteckige) Blende ist. Blende und Verschlusszeit sind nicht unabhängig voneinander einstellbar und können in Gruppen ausgewählt werden (siehe Foto). Eine wirklich praktikable Lösung, die vermutlich später ähnlich auch in vielen vollautomatischen Kameras verbaut wurde. 


Meine Tochter war auch gleich ganz verliebt in die Kamera und hat mich (relativ schnell) überredet, einen Film damit zu verschießen. Trotz abgelaufenen Haltbarkeitsdatum auf dem Fuji Superia X-Tra 400 Film haben die Ergebnisse unsere Erwartungen übertroffen. Alle 36 Bilder sind etwas geworden, trotz Entfernung und Belichtung schätzen. Einige sogar sehr gut, wie das Bild oben beweist. Im Netz wird die Regula Sprinty C 300 als Kamera für die Lomografie verwendet, dafür ist sie aber fast schon zu gut!

2012-06-20

Rückspulkurbel

Vor ca. 24 Jahren brach bei meiner ersten selbstgekauften Spiegelreflexkamera die Führung der Rückspulkurbel und machte die ganze Kamera unbrauchbar. Natürlich hätte ich es reparieren lassen können. Aber, erstens hatte ich damals schon zwei andere Nikon Gehäuse (Nikon FE2 und Nikkormat FT3), zweitens hätte die Reparatur auch damals schon mehr als eine gebrauchte EM gekostet, ein wirtschaftlicher Totalschaden also, drittens hatte ich auch dafür kein Geld übrig. 
Diese Führung ist ein kleines Plastikteil im Materialwert von wenigen Cents vermutlich, allerdings konnte man es als Privatmann nicht einzeln irgendwo bestellen. Am letzten Wochenende habe ich eine defekte Nikon FG20 (die EM-Nachfolgerin) für 5 US$ erstanden, komplett zerlegt und so kommt meine alte EM nun wieder zu einer funktionierenden Rückspulkurbel. Bei Gelegenheit werde ich hier über das eine oder andere Einzelteil der Kamera und seine Funktion hier bloggen, so wie hier schon geschehen...

2012-06-15

Seiko MFC-E

Das hier ist ein Seiko MFC-E Schlitzverschluss (Baujahr ca. 1985) aus einer Nikon FG-20, die ich (schon defekt) als Ersatzteillager für billig Geld gekauft habe. Mit ihrer Rückspulkurbel ist nach ca. 25 Jahren meine allererste eigene SLR (Nikon EM) nun wieder ganz. Danke an die Spenderin. Auch die EM hatte übrigends wie viele andere kompakte SLR Kameras der späten 1970er und frühen 1980er Jahre genau diesen vertikal ablaufenden Metall-Lamellen-Schlitzverschluss von Seiko. MFC steht für Metal Focal Plane Compact und das E für Elektronik. Die erste Kamera mit dem MFC-E war die Pentax ME von 1977, weitere prominente Kunden von Seiko für den Verschluss waren Minolta (XD-Serie) und damit auch Leica (R3, R4). Vorläufer war der MFC-M der bei ansonsten identischen Spezifikationen voll mechanisch gesteuert wurde.


Hier in Kürze die Specs: 1-1/1000 s, elektr(on)isch gesteuert, mechanische Verschlusszeit (und X-Blitzsynchronzeit) 1/90 s (Nikon) oder 1/100 s (Pentax, Minolta), was im Rahmen der Genauigkeit vermutlich das selbe ist und B. Wenn man nachrechnet ergibt sich eine Geschwindigkeit der von oben nach unten ablaufenden Lamellen von 2 m/s, der Schlitz bei der 1/1000 s ist 2 mm breit. Seiko legte Anfang der 1980er mit dem MFC-E2  (Pentax ME-Super und andere) nochmal nach und erreichte nun bei 3 m/s 1/125 s als Synchronzeit (volle Öffnung) und 1/2000 s als kürzeste Verschlusszeit bei einem etwas schmaleren Schlitz. Dieser Verschluss wird heute immer noch in den von Cosina in Lizenz gebauten analogen Kameras verbaut, die unter verschiedenen illustren Marken angeboten werden (Voigtländer Bessa, Nikon FM10, Zeiss Ikon ZM, ...).
Neben Seiko ist insbesondere die Firma Copal in Japan zu nennen, wenn es um technische Spitzenleistungen bei Schlitzverschlüssen geht. Anfang der 1980er steigerte Copal in Zusammenarbeit mit Nikon die Geschwindigkeit der Verschlusslamellen auf ca. 7 m/s (Nikon FM2, FE2, strukturierte Titan-Lamellen), was eine 1/4000 s als kürzeste und 1/250s als Synchron-Zeit erlaubte. In der Nikon F-801 kamen dann optimierte Aluminium-Lamellen zum Einsatz und die 1/8000 s wurde erreicht. Aktueller Rekordhalter bei reinen Schlitzverschlüssen ist seit 20 Jahren Minoltas Dynax 9i von 1992 mit 1/12.000 s (13.3 m/s). Noch schnellere Zeiten bei modernen DSLR's werden durch eine Komibantion von Schlitzverschluss und elektronischem Verschluss über den Kamerasensor erreicht.   

Für Interessierte an weiteren (technischen) Infos über Schlitz- und andere Verschlüsse sind hier noch vier Links: a) ScanDig.info, b) die Olypedia, c) Kamera-Geschichte.de, d) und natürlich Wikipedia (der deutsche Artikel ist leider nicht so umfangreich). Viel Spaß!