2011-06-16

Olympus PEN EES-2

Ende der 1950er Jahre waren Kameras entweder Meisterleistungen der Feinmechanik und Optik (und damit sehr teuer, sowie meist recht solide und schwer), oder sie waren wie die Boxkameras einfach und billig (jedoch mit sehr bescheidenen Bildleistungen), oder groß, sperrig und umständlich (wie z.B. viele Mittelformat-Balgenkameras). Es gab also eine Marktlücke: Die erste Kamera, die kompakt und hochwertig, aber gleichzeitig einigermaßen preiswert war, hieß Olympus PEN und kam 1959 auf den Markt. Um die kompakten Dimensionen zu realisieren, verwendete man das sog. Halbformat von 18x24 mm auf dem Standard-Kleinbildfilm (hochkant, wenn man die Kamera wie üblich hält). Damit waren auf einem Film bis zu 72 Aufnahmen drin!
Olympus löste Anfang der 60er Jahre einen regelrechten Halbformatboom aus und legte selbst fast im Jahresrythmus neue PEN-Modelle nach. Nach den ersten rein mechanischen Modellen PEN und PEN S kamen welche mit ungekoppeltem Belichtungsmesser (PEN D Serie), dann die automatischen PEN EE Modelle, am Ende der Sucherkameraserie sogar ein Modell mit automatischem Filmtransport. Legendär sind die Spiegelreflexmodelle PEN F und FT, die gar nicht wie SLR-Kameras aussehen. Der ganze Halbformat-Hype bekam einen Dämpfer als Heinz Waaske mit der Rollei 35 zeigen konnte, dass man kompakte Kleinbildkameras sogar für das Vollformat bauen konnte. Die anderen Kamerahersteller stiegen aus dem Halbformat mit der Zeit aus, Olympus baute bis in die 80er Jahre noch insgesamt ca. 17 mio. PEN's.  
Die sehr erfolgreiche und damit weit verbreitete automatischen PEN-EE wurde in verschiedenen Varianten von 1961 bis 1983 (als EE3) gebaut. Die Varianten unterschieden sich nur in Details: Das S in der Typbezeichnung steht für das lichtstärkere f2.8/30 mm Objektiv, ansonsten wurde ein f3.5/28 mm Fixfokus verwendet. Beides sind vergütete Vierlinser vom Tessar-Typ, von den optischen Leistungen auf das anspruchsvolle Halbformat hin ausgelegt. 1968 bekamen alle Untervarianten einen Zubehörschuh mit Mittenkontakt verpasst und die -2 wurde angehängt. Der charakteristische Selen-Belichtungsmesser steuerte die Belichtungsautomatik, die 2 Belichtungszeiten (1/40 s bei Blende 2.8-8 und 1/200 s bei 4-22) automatisch einstellte. Für's Blitzen (1/40 s) konnte die Blende manuell verstellt werden.
Mein Exemplar habe ich am letzten Sonntag auf der Second Sunday Camera Show in Wayne, NJ für 20$ erworben. Es ist bis auf ein paar Kratzer sehr gut erhalten, vermutlich funktioniert aber der Selenbelichtungsmesser wegen seines Alters nicht mehr korrekt. Es ist wirklich eine schnuckelige Kamera, bei der man sich heute noch gut vorstellen kann, dass bei der einfachen Bedienung viele Menschen damit gerne fotografiert haben. Ich bin auf die PEN-Sucherkameras beim Erscheinen der digitalen PEN-Serie 2009 wieder aufmerksam geworden. Olympus hat sich hier auf die alte Tradition besonnen und mal wieder einen kleinen Boom ausgelöst. Auch die Bilder auf dieser Seite wurden (bis auf eines;-)) mit meiner Olympus PEN (E-PL1) aufgenommen. Auch bei dieser kann man fast wieder von Halbformat sprechen, hat doch der FourThirds-Sensor mit 17.3x13 = 224.9 mm² ungefähr 60% der Fläche eines DX Sensors (23.7 x 15.6 = 369.7 mm²), wie er in den meisten digitalen SLR's eingesetzt wird.

Datenblatt Super kompakte, automatische Halbformat-Sucherkamera
Objektiv D.Zuiko 2.8/30 mm (Tessar-Typ) für Halbformat 24 x 18 mm (hochkant 4:3), Bildwinkel 53°, entspr. ca. 43 mm bei Kleinbild
Verschluss automatisch gesteuerter Zentralverschluss (Copal X) mit zwei Zeiten 1/200 s und 1/40 s, Blitzsynchronisation bei 1/40 s.
Belichtungsmessung Selen-Zelle rund ums Objektiv, steuert Blende und Verschlusszeit. 25 - 400 ASA.
Fokussierung Vier Einstellungen von Portrait (ca. 1 m) bis Landschaft (unendlich), keine Fokussierhilfe.
Sucher Heller Sucher mit Leuchtrahmen.
Blitz Hot shoe und Blitzsynchronbuchse für  M und X-Synchronisation.
Filmtransport Daumenrad, Rückspulkurbel.
sonst. Ausstattung ISO-Gewinde für Drahtauslöser, Bildzählwerk bis 74 Aufnahmen
Maße, Gewicht ca. 110/69/52 mm mit Objektiv, 368 g
Batterie keine.
Baujahr 1968-1971
Kaufpreis, Wert heute 1968: DM 169, ca. $30
Links Manual (english), Blogeintrag vom 15.6.2010, Olympus PEN Video

2011-06-12

Kodak Instamatic 104

Eine von Kodaks Stärken bestand stets darin preiswerte und einfach zu bedienende Kameras für die breite Masse zu bauen, um letztendlich das große Geschäft mit den Filmen zu machen. 1963 führte der gelbe Riese die neue 126er Filmkassete ein und gleichzeitig natürlich eine neue Kamera, die diesen Film verwendete. Dies war die Kodak Instamatic 100. Mit ihr konnte man einen sogenannten Flashgun-Adapter für die damals üblichen Blitzbirnchen verwenden, recht umständlich, verglichen mit der sonst super einfachen Bedienung der restlichen Kamera. 1965 brachte Sylvania den Blitzwürfel auf den Markt, im Prinzip vier Blitzbirnchen inkl. Reflektoren in einem einfachen bläulichen Platikwürfel. Und Kodak natürlich die dazugehörige Kamera: aus der Instamatic 100 wurde die Instamatic 104, außer der Neuerung mit dem Blitz blieb die restliche Kamera gleich.
Die Kamera ist wirklich sehr einfach. Ein simples Fixfokus-Objektiv (einlinsiger Meniskus f11/43 mm aus Kunststoff), auch die Belichtung war fix: Es gab keine Blende und auch die Belichtungszeit (1/90 s, Zentralverschluss) war nicht zu ändern. Doch: Setzte man den Blitzwürfel auf, dann belichtete die Kamera 1/40 s, findige Knippser verwenden ausgebrannte Blitzwürfel für schattige Lichtsituationen. Der Begriff Instamatic setzte sich allgemein für Kameras durch, die 126er Filmkasseten verwendeten, und davon gab es jede Menge. Allein Kodak verkaufte bis 1970 angeblich über 50 Millionen Kameras, hauptsächlich natürlich die ganz preiswerten Modelle wie die 104 hier, welche für 15,95 $ angeboten wurde. 126er-Kameras wurden bis in die 90er Jahre hinein gebaut und dann durch das APS-System ersetzt, was dann aber recht schnell von der digitalen Fotorevolution überrollt wurde.
Kodak verwendet den sogenannten CAMEROSITY code und keine Seriennummer, um seine Produkte zu markieren. Man kann diesen recht leicht entschlüsseln, dazu ordnet man die Ziffern 1 bis 0 den zehn Buchstaben aus Camerosity zu. "YEOR" wie bei meiner Kamera ergibt 0465, sprich April 1965, also ein frühes Modell. Meine "104" habe ich zusammen mit zwei anderen Kameras vor ein paar Wochen auf einem Flohmarkt für (insgesamt) 15$ erstanden, ca. 35 Jahre nach meiner ersten eigenen Kamera, die quasi ein Nachbau der Kodak ist. Die Agfamatic braucht übrigends sog. X-Blitzwürfel, die mechanisch gezündet werden können. Die Kodak Instamatic 104 hat noch ein Batteriefach für zwei AAA-Zellen und einen eingebauten Kondensator, um die N-Blitzwürfel elektrisch zünden zu können. 
Für die Instamatic-Kassete gab es nicht nur einfache Kameras. Ich durfte eine Zeit lang mit der wohl technisch wertvollsten 126er fotografieren, wie ich schon berichtet habe


2011-06-05

Sears SL9 (Ricoh 35 Flex)

Diese Kamera habe ich heute auf einem kleinen Flohmarkt für nur 5 $ erworben (inklusive der zwei Vorsatzlinsen (s.u.) in einem Lederetui und einer originalen Betriebsanleitung). Beim späteren Ausprobieren und Recherchieren habe ich dann festgestellt, dass das Ding sehr gut erhalten und voll funktionsfähig ist und auch nur geringe Gebrauchsspuren aufweist. Ein echtes Schnäppchen also.
Sears ist eine große amerikanische Kaufhaus- und Versandhauskette, bekannt durch das damals höchste  Gebäude der Welt, den Sears Tower in Chicago (der allerdings heute nach seinem neuen Besitzer heißt und nur noch das höchste Gebäude in den USA ist). Sears hat in den USA, wie Foto Quelle oder Photo Porst in Deutschland japanische Kameras unter eigenem Namen vertrieben. Diese hier heißt im Original Ricoh 35 Flex, kam 1963 auf den Markt und war Ricohs erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera. 
Bemerkenswert an der Kamera ist die Möglichkeit zur vollautomatischen Belichtungssteuerung. Mit den beiden kleinen Hebeln unten am Objektiv kann man Blende und Zeit manuell einstellen. Beide haben aber auch eine Stellung mit einem kleinen grünen A für Automatik. Interessanterweise gibt es neben der Vollautomatik auch eine Zeitautomatik mit Blendenvorwahl, aber nicht das Gegenstück dazu. Versucht man eine Zeit vorzuwählen und läßt die Blende auf A, dann springt auch die Zeit auf A zurück. Damit gehörte die Kamera zu den ersten auf dem Markt mit automatischer Belichtungssteuerung. Die allererste war wohl 1961 die französische Royer Savoyflex Automatic, die ebenfalls wie die Ricoh/Sears einen eingebauten Selenbelichtungsmesser zur Steuerung verwendet.
Das Objektiv, ein vierlinsiges 2.8/50 ("f = 5 cm") Rikenon kann man nicht auswechseln. Statt dessen gibt es zwei relativ einfache Vorsätze (jeweils 2-linsig) , einen für Weitwinkel und einen für Tele. Ich habe heute an meinen Exemplaren Brennweiten von ca. 40 mm (Weitwinkel) und 70 mm (Tele) ermittelt, nicht die Reißer, aber immerhin. Die übrigen technischen Daten sind schnell aufgezählt: Seikosha Zentralverschluss 1/30 s bis 1/300 s und B, nur vier Blendenlamellen mit 2.8 bis 22, aufsteckbarer Zubehörschuh, Drahtauslöser- und Stativgewinde, Schnittbildentfernungsmesser und Anzeige des Belichtungsmessers im Sucher (Über-, Unter-Belichtung, bzw. richtig). Anschluss eines Blitzgerätes per Kabel, Bildzählwerk. Filmempfindlichkeit von 25 bis 400 ASA.
Diese Art von Kameras war Anfang der 60er Jahre recht verbreitet. Von verschiedenen anderen Kameraherstellern gab es ähnliche Modelle: Mamiya Auto-Lux 35 (= Revue Auto-Lux 35 und Porst Autoflex), Canonex, Nikkorex 35 und andere. Spätestens Ende der 60er Jahre war dann aber die Zeit der Zentralverschluss-SLR's vorbei und Schlitzverschluss und Rückschwingspiegel setzten sich durch.
Nachtrag 2023: Ich habe diese Kamera leider schon vor Jahren (mit Gewinn) verkauft, einfach weil ich dachte, sie passt nicht wirklich gut in meine Sammlung. Nun, heute bedaure ich den Verkauf, da sie doch eine kleine Kameraklasse repräsentiert, die die Belichtungsautomatik im Massenmarkt populär gemacht hat. Mehr dazu in meiner kleinen Geschichte der Belichtungsautomatik.

Datenblatt Vollautomatische Amateur-Spiegelreflex Kamera mit Zentralverschluss
Objektiv Vierlinsiges Rikenon 2.8/5cm, nicht auswechselbar. Weitwinkel- und Televorsatz, ergeben 40 mm bzw. 70 mm Brennweite.
Verschluss Seikosha Zentralverschluss 1/30 - 1/300 s und B. Blitzsynchronisation bei allen Zeiten.
Belichtungsmessung Eingebaute Selenzelle mit Nadelanzeige im Sucher. Vollautomatik, Zeitautomatik oder manuelle Einstellung möglich.
Fokussierung Einstellscheibe mit mit Schnittbild und Mikroprismenring. Nicht auswechselbar
Sucher Nadelanzeige des Belichtungsmessers mit roten Bereichen für Über- und Unterbelichtung.
Blitz X-Synchronbuchse. Zubehörschuh (ohne Mittenkontakt) aufsteckbar.
Filmtransport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, Bildzählwerk. Aufklappbare Rückwand.
Maße, Gewicht ca. 142/95/83(110 mit Vorsatzlinse) mm.
Batterie Keine.
Baujahr 1963 bis 1966, made in Japan.
Kaufpreis, Wert heute k.A. (1963), ca. 100 US$

2011-05-22

Zeitraffervideo

Heute zur Abwechslung mal kein historischer Geburtstag eines Fotopioniers, sondern ein Experiment zur Erstellung eines Zeitraffer-Videos. Meine Olympus E-PL1 kann zwar Videos aufnehmen, aber hier ging es mir um den Zeitraffer-Effekt. Ich musste für meine Tochter ein neues Bett aufbauen (es ist MALM von Ikea), eine gute Gelegenheit das mal auszuprobieren. Und so geht's:
  • Kamera auf"s Stativ stellen, richtigen Ausschnitt wählen und weder Kameraposition noch Zoom später verändern.
  • Kameraeinstellungen: 400 ASA, Manuell, und Fokus nach einmal automatisch Scharfstellen auch auf manuell gestellt, damit auch hier alles gleich bleibt. Die Bildqualität habe ich auf low (1280 x 960 Pixel) eingestellt, das ergibt bei meiner Kamera ca. 250 KB große JPGs. Kleinere Einstellung geht bei der Kamera nicht, das Video habe ich später sowieso auf VGA (640 x 480)  runtergerechnet.
  • Dann kann's losgehen, einfach bei jedem Teilschritt eine Aufnahme machen, in meinem Fall waren es 72.
  • Zur Konvertierung der einzelnen Bilder in ein Video habe ich VirtualDub verwendet, eine GPL-Freeware, die viel mehr als das kann. Dazu zieht man nach dem Start der Software einfach das erste Foto der Serie per Drag&Drop auf die Programmoberfläche und speichert das Ergebnis unter "Save AVI..." als Video ab. Man kann, wenn man will noch mit den Einstellungen und der Kompressionsrate rumspielen, das hängt aber auch von den auf dem Rechner installierten Video-Codecs ab. Man erhält eine mehr oder weniger große Video-Datei (bei mir fast 90 MB, unkomprimiert). Das ist natürlich viel zu groß, um es so ins Netz zu stellen, daher...
  • Mit einer weiteren Freeware (Pazera Free Mov to Avi Converter) habe ich dann das AVI-file in ein mpg-Video verwandelt. Auch hier kann man noch mit den Einstellungen spielen. In meinem Falll ergab sich eine Dateigröße von 1.6 MB bei VGA-Auflösung. Das kann man heutzutage gut verschicken oder zu Flickr u.ä. hochladen. Blogger hier verkleinert die Video-Datei nochmal, so dass die oben gezeigte Auflösung schlechter ist, als das VGA-Original!
Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten so was zu machen. Viel Spaß beim selbst ausprobierem!

Nachtrag vom 1. Dezember 2013. Nachdem ich einem Kollegen vor 2 Wochen geholfen habe, 2 dieser Malm Betten (wieder) aufzubauen, wollte ich ihm dieses Video auf meinem iPhone zeigen, wo es nicht lief (Flash und iOS...). Daher hier eine weitere Variante per GIF, erstellt mit PhotoScape:

2011-05-18

Das erste Farbfoto...

...wurde heute vor 150 Jahren, am 17. Mai 1861 im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrags vor der Royal Institution vom Schotten James Clerk Maxwell gezeigt. Stielecht zeigt es ein Tartanband, ein Gewebe mit dem typischen Muster von Schottenröcken und ähnlichen schottischen Textilien. Man muss aber schon recht genau hinsehen, um das zu erkennen, denn Maxwells Foto gibt nicht die wirklichen Farben des Originals wieder, dazu reichte die Qualität der damals verwendeten Schwarz-Weiß-Materialien nicht aus. (Häh, Farbfoto auf S/W-Film? Erklärung: siehe unten...).
Maxwell ging es bei seinem Vortrag aber nicht um die Erfindung der Farbfotografie, sondern er wollte das Prinzip der additiven Farbmischung demonstrieren. Damals herrschte die Meinung, dass die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb wären. Mit diesem Experiment wollte er beweisen, dass für die additive Mischung die Grundfarben Rot, Blau und Grün sind. Dazu beauftragte er Thomas Sutton, einen damals bekannten Fotografen und Erfinder, drei Fotos durch entsprechend farbige Filter aufzunehmen. Die entsprechenden Schwarz-Weißen Glasplatten wurden dann bei der Vorführung wieder durch die Filter deckungsgleich projiziert und lieferten entsprechend ein farbiges Bild.


Dummerweise waren die damaligen Schwarz-Weiß-Fotoemulsionen auf den Glasplatten hauptsächlich empfindlich für blaues Licht, etwas Grün wurde noch erkannt, aber die Platte, die durch den roten Filter aufgenommen wurde, zeigte fast überhaupt keine Zeichnung. Es gab damals noch keine panchromatische Sensibilisierung der Silberkristalle, die wurde erst Jahrzehnte später gefunden. Maxwells Farbdia war also weit entfernt von perfekter Farbwiedergabe. Er konnte aber mit seinem Experiment zeigen, wie es geht. Und tatsächlich: Auch heute noch verwenden die meisten Farbdisplays sein Prinzip. Ich erinnere mich noch gut an die ersten (riesigen) Videobeamer in den 1980er Jahren, die mit drei großen Projektionsobjektiven rote, grüne und blaue Bilder deckungsgleich auf die Leinwand warfen. Maxwell wird eigentlich nicht direkt zu den Fotopionieren gezählt, da stand er drüber. Er war einer der bedeutensten Physiker und Mathematiker des 19. Jahrhunderts und hat Grundlagen gelegt, auf denen Einstein, Planck und Co. die moderne Physik bauen konnten.

2011-05-14

Hama Diaschneidegerät

Das Ganze kann man auch mit einer Schere machen: Dias schneiden. Und das habe ich auch bei vielen meiner über 5000 Dias gemacht. Irgendwann Anfang der 90er bin ich dann günstig in Besitz dieses komfortablen Diaschneiders gekommen. Eingebaut ist ein Kühlschranklämpchen und aufgesetzt ist eine Lupe, womit manschon während des Rahmungsvorgangs die Dias genauer betrachten kann.
Viele kleine Details runden dieses Zubehör ab. Das Vorschubrädchen, die Griffmulde zum Entnehmen des abgeschnittenen Dias etc. Das Ganze Ding wirkt ein bißchen wie aus dem Braun Designstudio.

2011-05-08

Edwin H. Land

Edwin Herbert Land wurde heute vor 102 Jahren (am 7.5.1909) in Bridgeport, Connecticut geboren und man kann ihn als den letzten großen Pionier der analogen Fotografie bezeichnen. Er hat der Fotografie fast im Alleingang das Kapitel "Sofortbild" hinzugefügt und dass er auch noch den Polfilter erfunden hat, tritt weit hinter die Polaroid Kameras zurück, auch wenn diese Tatsache namensgebend für seine Firma war. Seine Karriere war genauso einzigartig wie erstaunlich: Seine Eltern, jüdische Einwanderer aus der Ukraine besaßen eine Schrottplatz, waren aber wohlhabend genug, um ihren Sohn nach Harvard zu schicken. Er studierte dort Chemie, schmiss das Studium aber schon im zweiten Semester und ging nach New York City, um in seiner Kellerwohnung an der Erfindung des Polfilters zu arbeiten. Es heißt, dass er nachts die Labore der Columbia Uni verwendet hat, um Experimente für seine Erfindung zu machen. Nach dem Durchbruch bei der Erfindung kehrte er nach Harvard zurück, hat aber nie einen Abschluss gemacht. Später hat er mindestens zehn Ehrendoktorwürden erhalten und auch seine Mitarbeiter bei Polaroid haben ihren Chef und Chef-Wissenschaftler mit Dr. Land angeredet. 

Edwin Land wurde als Technik-besessen beschrieben. Wenn ihn einmal eine Idee gepackt hatte, dann hat er solange an der Aufgabe gearbeitet bis er eine Lösung hatte. Schlafen, essen oder Kleidung wechseln waren in solchen Phasen unwichtig. Auf die Idee mit der Sofortbildkamera hat ihn angeblich seine dreijährige Tochter gebracht, als sie direkt nach der Aufnahme das Foto sehen wollte. Nur drei Jahre später (am 21. Februar 1947) demonstrierte Land den Prototyp der ersten Sofortbildkamera und kurz vor Weihnachten 1948 kam die Kamera auf den Markt und war ein toller Erfolg. Sein Meisterstück hat er 1972 mit der Polaroid SX-70 Kamera abgeliefert, der ersten faltbaren, vollautomatischen Sofortbildspiegelreflexkamera. Mein (oben abgebildetes) Modell SX-70 Sonar von 1978 war nebenbei die erste Autofokus SLR, einige Jahre vor den ersten Kleinbild-SLRs mit AF. Auch der SX-70 Film (natürlich in Farbe) war wieder ein Quantensprung, er entwickelte sich selbst bei Tageslicht ohne das Eingreifen des Fotografen. Dazu mehr hier in einem separaten SX-70 Post.
Edwin Land hat in seinem Leben 535 Patente erteilt bekommen und ist damit nach Thomas A. Edison (1097) der  zweitfleißigste Erfinder in der Geschichte des US-Patentwesens. Er verstarb, auch sonst hoch dekoriert, vor 20 Jahren am 1. März 1991 und musste den Niedergang seines Unternehmens Polaroid nicht mehr miterleben. 
Viel mehr über Edwin Land und Polaroid kann im Internet (z.B. hier) gefunden werden. Einfach mal googlen! Für Technikinteressierte sei aber besonders das Kapitel 12 in "Neblette's Handbook of Photography and Reprography" empfohlen, welches Edwin Land u.a. selbst geschrieben hat und umfassend über Film und Kameras informiert. Leider gibt es das Kapitel selbst nicht im Netz zu lesen, bei Amazon kann man das Buch aber manchmal günstig gebraucht erwerben.

2011-05-01

Filter

Im digitalen Fotozeitalter sind sie fast ausgestorben, denn Software oder der Bildprozessor in der Kamera kann in vielen (aber nicht allen!) Fällen ihre Funktion übernehmen: die Rede ist von fotografischen Filtern. Oben auf dem Bild ein Ausschnitt aus meiner Filtersammlung, die anderen, die ich noch zusätzlich besitze sind entweder doppelt oder haben lediglich ein anderes Filtergewinde. Von links oben nach rechts unten sind das...

1) Polfilter, der Filter schlechthin. Mehr dazu in einem zukünftigen Post.
2) Skylight-Filter. Habe ich einige, meist als ständiger Frontlinsenschutz auf dem Objektiv. Der Filter ist ganz leicht rötlich und entfernt so bläuliche Streustrahlung (Dunst) aus den Fotos.
3) Gelb-, 4) Orange- und 5) Grün-Filter, für die Schwarz-Weiß Fotografie, s.u.
6) ein blauer Kunstlichfilter, ermöglicht gelbsticharme Aufnahmen bei Glühlampenlicht auf Tageslichfilm. Kann man sich in Zeiten eines digitalen und automatischen Weißabgleichs kaum noch vorstellen.
7) Infrarotfilter, ganz was Spezielles, auch dazu gibt es einen eigenen Post.
They are almost extinct in the digital photo era, because software or the imaging processor in the camera can be used instead (at least in most cases). I'm talking about photographic filters. The image shows some out of my collection, the others I own in addition are either duplicates or just have another filter thread.
From top left to bottom right there are ...

1) polarizing filter, THE filter per se. More about that in a future post.
2) Skylight filter. I have some, mostly as a permanent lens protection. The filter is slightly reddish and removes scattered radiation (haze) from the photos.
3) yellow, 4) orange and 5) green filter, for black and white photography, see below
6) a blue incandescent light filter, allows shooting natural colors under incandescent lighting on daylight film. This need is hard to imagine in times of digital and automatic white balance.
7) Infrared filter, something quite special, also has its own post.

Um zu demonstrieren, welchen Effekt die farbigen Filter bei Schwarz-Weiß-Fotos zeigen, habe ich mal ein farbiges Digitalfoto genommen und genau solche Filter angewendet. Denn einen farbigen Filter zu benutzen heißt nichts anderes als die jeweiligen Komplementärfarben zu blocken. Man kann das mit einem Fotobearbeitungsprogramm ganz einfach nachstellen. Beispiel Gelbfilter: Man nimmt ein Farbfoto und setzt einfach den blauen Farbkanal auf Null. Das Bild erscheint dann sehr gelb. Wenn man dieses dann nach SW konvertiert, d.h. alle Farbsättigung rausnimmt bekommt man das selbe Ergebnis als wenn man durch den Gelbfilter fotografiert hätte.
Wie man sieht, haben die farbigen Filter einen Effekt auf die Grautonwiedergabe und können somit gestalterisch eingesetzt werden. Allgemein kann am sagen, dass die Farbe des Filters verstärkt (also heller dargestellt) wird, ähnliche Farben werden besser differenziert, die Komplementärfarbe wird jedoch abgeschwächt (dunkler dargestellt). Weitere Infos gibt es hier (SW-Fotografie) und hier (andere nützliche Filter).
For demonstration what effect the colored filters would do to a black and white photo, I took a digital photo and applied such filters virtually. Using a color filter is nothing else than blocking the respective complementary color. You can easily simulate this with a photo editor. For example the yellow filter: simply set the blue color channel to zero. The image will then appear very yellow. Converting this to B&W yields the same result as if you'd taken the photo through a yellow filter.
As you can see, the color filters have an effect on the distribution of the different grey levels and can be used creatively. General, as a rule of thumb: Colors similar to the filter color will be amplified (ie brighter) and get a better differentiation, the complementary colors become darker. More information can be found here (SW Photography) and here (other useful filters) .

2011-04-26

Metz Mecablitz 32 CT3


Dieser Computer Thyristor (daher CT3) Blitz war mein zweiter Elektronenblitz, ich habe ihn Anfang 1987 zur Vervollständigung meiner wachsenden Nikon Ausrüstung für 169 DM gekauft. Für den ersten (Vivitar 3200) habe ich wohl einen Käufer gefunden, ich erinnere mich nicht mehr so genau. Auch wenn es ein kleiner Metz ist, für mich war es ein Schritt in Richtung einer mehr professionellen Ausrüstung. Metz Blitzgeräte wurden (und werden) von den Profis genutzt und das Ding bietet bis auf die relativ geringe Leitzahl jeden Komfort den eine Kamera-Blitz-Kombi 1987 bieten konnte.
Zunächst einmal konnte man ihn sowohl nach links und rechts als auch nach oben schwenken. Damit war indirektes Blitzen und damit eine natürlichere Ausleuchtung möglich. Eine Streuscheibe ermöglichte die Verwendung von Weitwinkelobjektiven bis 28 mm. Ein Blick auf die Rückseite verrät die drei (gelb, blau und rot) Automatikmodi, die mit jeder (auch heutigen!) Kamera genutzt werden können.Weitere technische Daten können hier nachgelesen werden, eine Bedienungsanleitung gibt's hier.

Das Beste an dem Ding ist  aber das SCA300 System. SCA steht für System Camera Adapter und macht aus jedem Metz einen kompatiblen Systemblitz für fast jedes wichtige Kamerasystem. Man tauscht einfach den Standard SCA 301 (nur Mittenkontakt) gegen den Adapter für seine Kamera aus, meiner für die FE2 und andere Nikon Kameras heißt SCA 343, und schon kann man alle Spezialfunktionen nutzen, die die Kamera beim Blitzen bietet. Bei der FE2 war das insbesondere TTL Blitzen (Blitzmessung durch das Objektiv), 1987 konnten das noch nicht viele Kameras.
 
Ich bin kein großer Blitz-Fotograf, daher habe ich den Metz relativ selten, dann aber gerne benutzt. Oft war es aber so, dass wenn ich ihn mal brauchte, die Akkus alle und auch keine alternativen Batterien zur Hand waren. Das Ding funktioniert immer noch, vermutlich weil ich es all die Jahre geschont habe, vielleicht sollte ich mal ein paar Versuche mit meinen DigitalkniPPsen machen?

2011-04-21

Hannibal Goodwin

Hannibal Goodwin war ein Geistlicher der episkopalen Kirche in New Jersey, der heute vor 189 Jahren (1822) in Tompkins County im Staat New York geboren wurde. Neben seiner Tätigkeit als Prediger tüftelte er an einigen Erfindungen und meldete er am 2. Mai 1887 das US-Patent Nr. 610861 an. Er hatte damit, später amtlich beglaubigt, den Rollfilm auf Zelluloidbasis erfunden. Fotografieren  hieß damals, schwere und zerbrechliche Glasplatten mit sich herumtragen. Daher experimentierte nicht nur Goodwin mit Zelluloid, dem ersten thermoplastischen Kunststoff, der von John Wesley Hyatt ca. 20 Jahre vorher erfunden wurde, sondern auch der Chemiker Henry M. Reichenbach, der für George Eastman und seine Kodak Kamera einen transparenten Film entwicklen sollte. George Eastman, den viele zu Unrecht für den Erfinder des fotografischen Films halten, hatte gerade erst begonnen, seine Vision umzusetzen, Kameras und Fotomaterial für Jedermann zu verkaufen. Da kam ihm ein alternder Prediger mit dieser wichtigen Erfindung in die Quere!
Goodwins Sprache war als Geistlicher sehr blumig und als technischer und auch rechtlicher Laie hatte seine langatmige Patentanmeldung nicht die Präzision, William Burke, den Patentbeamten schnell zu überzeugen, das Patent zu erteilen. Erst als dieser auch Reichenbachs Anmeldung am 9. April 1889  auf den Tisch bekam  und Kodak sogar mit Produktion und Verkauf der Filme begann, kam Bewegung in die Sache. Goodwin war inzwischen im Ruhestand, hatte rechtliche Berater und durfte immer wieder Erläuterungen und Ergänzungen seiner Anmeldung anfügen. Dennoch zog sich das Verfahren noch über Jahre hin. Erst am 13. September 1898, Goodwin war schon 76 Jahre alt, wurde sein Patent endgültig erteilt. 

Nach diesem Erfolg gründete Goodwin seine eigene Firma, um den Film tatsächlich auf den Markt zu bringen. Zu dieser Zeit hatte Eastman Kodak in Nordamerika einen Anteil von 80% am enorm wachsenden Foto- und Filmmarkt. Leider kann Goodwin die Früchte seiner neuen Firma nicht mehr ernten. Er stirbt am 31.12.1901 und seine Witwe verkauft die Firma und mit ihr die Rechte an dem Patent an E. & H. T. Anthony Company  sowie Adams and Scovill, die sich bald darauf zusammenschließen und später in Ansco umbenennen.  Der neue Eigentümer bietet Kodak die Rechte an dem Patent für eine Million Dollar an, Eastman lehnt aber ab. Daraufhin verklagt Ansco Kodak, ein Patentverletzungsverfahren, was sich wieder Jahre hinzieht. Erst 1914, also fast 25 Jahre nach dem Beginn des Streites wird endgültig entschieden:  Eastman Kodak muss 5 Millionen Dollar an Ansco zahlen, die mit dem Geld ihre Firma ordentlich erweitern können. Nur zum Vergleich: Kodak verkaufte damals einfache Boxkameras für 1$ inkl. Film!
Kann man nun Hannibal Goodwin wirlich als Vater des fotografischen Films ansehen? Seine ursprüngliche Methode wurde in der angemeldeten Form nie verwirklicht und man kann Reichenbach und Eastman auch nicht vorwerfen, von Goodwin abgeguckt zu haben. Goodwin war einfach nur etwas schneller und hatte am Ende Glück, dass sein Patent in dem langen Verfahren Bestand hatte. Für die Arbeiten, den Film zur Marktreife zu entwickeln, gebührt Eastman und seinen Mitarbeitern Respekt. Dass sie am Ende ihrem Konkurrenten soviel Geld zahlen mussten, ist Ironie der Geschichte, hat dem Fotomarkt aber sicher gutgetan, denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Wer noch mehr Details zu dem Patentstreit nachlesen will kann das hier tun.
Zelluloid (Nitro-Zellulose) wird als Filmunterlage übrigends schon lange nicht mehr verwendet und wurde  schon vor fast 100 Jahren langsam durch Zellulose-Acetat (sog. Sicherheitsfilm) und später  auch Polyester ersetzt. Nitrozellulose ist nämlich höchst brennbar und unter bestimmten Bedingungen sogar explosiv. Viele Kinos sind abgebrannt, weil ein stehengebliebener Film sich an der heißen Projektionslampe entzündet hat. Zelluloid lässt sich nämlich von keinem Löschmittel mehr löschen, wie dieser Lehrfilm der freiwillen Feuerwehr in Laxenburg (Österreich) von 1965 eindrucksvoll zeigt: