2011-02-27

The Kodachrome Story

 
Die beiden befreundeten Berufsmusiker Leopold Godowsky (mit der Geige) und Leopold Mannes experimentierten als begeisterte Hobbyfotografen mit allerlei Fotochemie und stießen  nach 1922 auf die Patente von Rudolf Fischer, der die chromogene Farbfotografie  und damit das Prinzip des modernen Farbfilms schon 1911 erfunden hatte. Leider konnte dieser das Problem der unerwünschten Diffusion der Farbkuppler zwischen den verschiedenen Gelatineschichten nicht lösen. 
Godowsky und Mannes machten sich zunächst selbstständig an die Arbeit wurden 1930 schließlich von Kenneth Mees, dem Forschungsdirektor von Eastman Kodak nach Rochester, NY gelockt, wo ihnen ein großes Labor und eine Schar von Mitarbeitern zur Verfügung standen, um das fertig zu entwickeln, was wir als Kodachrome kennengelernt haben.
"Man and God" (der Mensch und Gott), wie die beiden scherzhaft genannt wurden, überwanden das Farbkuppler-Diffusionsproblem durch den sogenannten "kontrollierten Diffusions-Bleichprozess", eine aufwändige 27-stufige Entwicklungs-Prozedur. Das dazugehörige Patent US 2,113,329 wurde am 27. Februar 1935 angemeldet, also heute vor 76 Jahren. Auch in Europa wurden entsprechende Patente angemeldet, in Deutschland u.a. DRP 723388 und DRP 631324. Der erste Film (ein 16 mm Schmalfilm) kam am 15. April 1935 auf den Markt und war damit der erste kommerzielle, moderne Mehrschichten-Farbfilm.
Leopold Godowsky (with the violin) and Leopold Mannes, two friends and both professional musicians were also enthusiastic hobby photographers. In 1922 they experimented with some photo chemistry and discovered the patents of Rudolf Fischer, who invented the the so-called chromogenic color photography and with that the principle of the modern color film already in 1911. Unfortunately, Fischer was not able to overcome the problem of undesired diffusion of the color couplers between the different gelatin layers.
At first Godowsky and Mannes started their own research lab. Eventually, in 1930 they were hired by Kenneth Mees, research director of Eastman Kodak in Rochester, NY. At Kodak's headquarters they headed a big new lab with a bunch of technicians to help them. Finally, the group developed what we got to know as Kodachrome.
"Man and God" how the two used to be named solved the problem by the so-called controlled diffusion bleach process, a complicated 27 steps comprising film development procedure. The appendant patent US 2,113,329 was filed on February 27, 1935. Kodak also filed for patents in Europe, e.g. the German applications DRP 723388 and DRP 631324. The first film (in form of a 16 mm movie film) was launched on the market on April 15, 1935 and with this date Kodak won the race for the first commercially available modern multilayer color film.

Etwas vereinfacht steht in den Patenten folgendes: Der Kodachrome ist im Grunde ein reiner Schwarz-Weiß-Film mit u.a. drei für die jeweiligen Farben Blau, Grün und Rot sensibilisiere Emulsionsschichten. Zunächst gibt es eine S/W-Umkehrentwicklung (Kodachrome ist ein Dia-Film) für alle drei Schichten gleichzeitig. Nach Entfernung des ursprünglichen S/W-Negativ-Silbers wird nun stufenweise mit der Farbentwicklung begonnen. Die einzelnen (und unterschiedlichen Farbentwickler) enthalten neben der Entwicklersubstanz auch den entsprechenden Farbkuppler. An den Stellen, wo nun das positive Silberbild ist kommt es zur Reaktion zwischen beiden und der unlösliche Farbstoff entsteht. Man beginnt mit dem Cyanfarbstoff (rotempfindliche, unterste Schicht) und muss dann anschließend aus den beiden anderen Schichten darüber diesen wieder ausbleichen. Dieser Schritt ist die sogenannte diffusionskontrollierte Bleiche, der entscheidende Schritt. Mit den beiden darüberliegenden Schichten verfährt man genauso, d.h. zunächst den Magentafarbstoff in der mittleren Schicht erzeugen und in der obersten wieder ausbleichen und am Schluss Yellow für die oberste Lage. Am Ende wird alles Silber aus dem Film rausgelöst, alle überflüssigen Chemikalien entfernt und es bleibt ein farbiges Diapositiv über.
What is described in the patents (somehow simplified): The Kodachrome essentially is a pure black and white film comprising three photographic emulsion layers, which are sensitized for the respective colors red, green and blue.
First, there is a black and white reversal processing (Kodachrome was a reversal film) for all three layers. After removal of the B&W negative silver the color processing is done step-by-step, layer by layer. The respective color couplers are contained in the individual and different color developer solutions, but in their reduced form they do not react with each other. Only at the positions of the positive silver image a chemical reaction is triggered between the two, and the insoluble dye is formed. The process starts with the cyan dye (red-sensitive, bottom layer) and subsequently this has to be bleached from the other two layers on top again. This step is the so-called diffusion-bleaching, the crucial step. With the two top layers, the procedure is exactly the same: first generate the magenta dye in the middle layer and bleach it from the top layer and at the end again create yellow in the uppermost layer. At the end, all the silver is removed and all unnecessary chemicals are washed out. Voila: there is a color slide.
Kodachrome photo by Chalmers Butterfield of Shaftesbury Avenue from
Piccadilly Circus, in the West End of London, c. 1949 (source: Wikimedia)
Das Verfahren war so kompliziert, dass kein Fotograf oder gar Fotoamateur seinen Kodachrome selbst entwickeln konnte. Kodak hat das übernommen, bzw. in den USA nach einem Kartellstreit auch anderen Fachlaboren überlassen (müssen). Auch wurde die Prozedur schon 1938 "vereinfacht": Die diffusionskontrollierte Bleiche wurde durch die selektiven Nachbelichtungen und eine sog. schleiernde Entwicklung ersetzt.  Somit sind heute waren bis vor kurzem nur noch 16 Schritte erforderlich, die ein geübtes Fachlabor in 30 Minuten absolviert hat. Nach wie vor aber waren die Farbkuppler nicht im Film selbst enthalten, sondern kamen aus der Entwickler-Lösung. Dies machte den Kodachrome-Film nicht nur zum schärfsten, hochauflösendsten, sondern auch gleichzeitig zum langlebigsten Farbfilm für über 50 Jahre!
The procedure was so complicated that neither professional nor amateur photographers could process their Kodachrome by themselves. Initially Kodak offered this service exclusively, but after an antitrust case in the US they had to offer the processing chemicals also to independent labs. Also, the procedure has been "simplified" in 1938: The diffusion-controlled bleaching was replaced by  selective re-exposure and a so-called fogging development. Thus, today until recently, only 16 steps were required to be completed by a trained specialized lab in about 30 minutes. As before, however, the color couplers were not contained in the film itself, but were included in the developer solution. This made the Kodachrome film not only the sharpest, the highest resolution, but at the same time the most durable color film for over 50 years!
Der Kodachrome 64 (und später der Kodachrome 200) war auch mein Lieblings-Diafilm, auch wenn ich ihn mir nicht immer leisten konnte und daher auf preiswertere E6-Alternativen umgestiegen bin. Insbesondere für Urlaubsreisen hatte er einen Vorteil: In der Packung war immer ein Rücksendeumschlag zum Kodak-Labor (in Deutschland: Stuttgart), so dass man die im Urlaub schon weggeschickten Filme bei der Rückkehr zuhause fertig entwickelt im Briefkasten fand. 
Aber es kam, wie es kommen musste. Mitte der 90er sind andere Filme qualitativ endlich konkurrenzfähig und die Digitalfotografie versetzte Kodachrome endgültig den Todesstoß. Kodak hat am 22. Juni 2009 mitgeteilt auch den letzten verbliebenen Filmtyp (den 64er) nicht mehr zu produzieren, am 30.12.2010 wurde der letzte Film entwickelt. Aber zum Trost: Er wird vermutlich der einzige Film bleiben, der in einem populären Popsong besungen wurde:
The Kodachrome 64 (and later Kodachrome 200) was my favorite slide film, even if I could not afford it all the time and sometimes switched to cheaper E6 alternatives. Especially for holiday trips, Kodachrome had an advantage: In the pack was always a return envelope to the Kodak lab (in Germany: Stuttgart). If you mailed the exposed films during the trip, you would already find the slides in the mailbox when returning home. 
But eventually the inevitable happened. During the 1990ies other films in terms of quality became competitive and later the digital photo revolution sounds the death knell for Kodachrome. On June 22nd, 2009 Kodak announced to discontinue production of the last remaining film type (the 64), on December 30th, 2010 the last film was processed. But as some consolation, Kodachrome will probably remain the only film a popular pop song was dedicated to:



Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
1) Invention of the modern multilayer color film - 100 Jahre moderner Farbfilm
2) Kodachrome
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2011-02-23

Panasonic Lumix G 20 mm f1.7 ASPH.

Meine kleine aber feine µFT-Ausrüstung hat heute Zuwachs bekommen. Das Lumix G 20 mm f1.7 ist mein drittes Objektiv direkt für meine Olympus E-PL1 (lassen wir die anderen über den Adapter ansetzbaren Linsen mal beiseite). Meine ersten Foto-Versuche heute abend bei Kunstlicht waren schon nicht schlecht, eines davon ist oben zu sehen, aber ich werde es wohl erst am nächsten Wochenende ausgiebig testen können. Später dann mehr dazu.
Wenn man das Ding googlet findet man fast ausschließlich Lob und Erstaunen über die optische Leistung dieses Winzlings. Glaubt man vielen Foreneinträgen, dann ist gerade diese Kombination von E-PL1 mit dem "Fremdobjektiv" von Panasonic das Maß der Dinge für das FourThirds-Format und sogar darüber hinaus. Ein besonders schönes Review hat Steve Huff in seinem Blog geschrieben. Darin schlägt das Objektiv an der E-P2 (gleicher Sensor wie die E-PL1) die Nikon D3s (Vollformat) mit dem Nikkor 50 mm f1.8. Nun ja, mal sehen...

2011-02-20

Olympus MMF-2

Dieser Adapter ermöglicht die Verwendung von  FourThirds (FT) Objektiven an MicroFourThirds (µFT) Kameras wie meiner Olympus E-PL1. Als ich diese Kamera vor einem halben Jahr gekauft habe, gab es das Double-Zoom Kit mit dem 14-42 (µFT) und einem 40-150 (FT !) inklusive dieses Adapters zum attraktiven Preis von insgesamt 630 €. Rechnet man die Einzelpreise zusammen gab's also den Adapter quasi umsonst, neu kostet er heute noch 172 €. Für mich wurd es noch preiswerter, da ich das 40-150 gar nicht erst ausgepackt habe und gleich quasi als neu für 10 € unter Neupreis verkauft habe (denn dieses Objektiv gab es in unserem Haushalt schon). Heute gibt es inzwischen das neue Olympus M.Zuiko 40-150 f4-5.6 direkt für µFT und auch deutlich kompakter als das alte.
Obwohl der Adaptter außer der Bajonett-Verriegelung keine beweglichen Teile hat übersetzt er drei Dinge vom einen ins andere System, damit alle (!) Funktionen der FT-Objektive auch an den neuen µFT-Kameras nutzbar bleiben: 1) Das Bajonett selbst. FT und µFT-Bajonett sind sowas wie großer und kleiner Bruder. In Form und Funktion fast identisch (s.u.) ist der Durchmesser bei µFT um 6 mm kleiner. 2) Das Auflagemaß, also der Abstand der Objektivbajonettebene zum Kamerasensor. Dieses beträgt bei FT 38,85 mm, bei µFT genau 20 mm, womit man ausrechnen kann, wie dick der Adapter zwischen den beiden Bajonettebenen ist. 3) Die elektrischen Kontakte für Autofokus und Blendensteuerung. Hier hat µFT mit 11 Goldkontakten 2 mehr als FT, vermutlich Reserve für die Zukunft, denn 9 tun es heute ja auch. Die Unterschiede zwischen FT und µFT werden übrigends schön auf der Website des FourThirds-Konsortiums beschrieben. Das alte Olympus OM-Bajonett ist übrigends mechanisch identisch mit FT, nur mit längerem Auflagemaß von 46 mm.

Der Adapter macht, was er soll. Man muss sich aber auf einen recht langsamen Autofokus einstellen, was die Freude an der Verwendung der FT-Objektivpalette an den PEN-Kameras etwas trübt. Allerdings passen die meist doch recht großen FT-Optiken nicht wirklich zu den schnuckeligen PENs. Ich persönlich verwende den Adapter daher auch meist zum Ansetzen meiner alten Nikon-Objektive (über einen weiteren Nikon-FT-Adapter) und stelle manuell scharf, was an der PEN dank exzellentem Live-View Display und Sucherlupe super geht! Mein Nikon Serie-E 50 mm f1.8 z.B. macht sich hervorragend als lichtstarkes (Portrait-)Tele und es läßt sich klasse mit der Schärfe spielen, wie obiges Beispiel zeigt!

2011-02-14

Jenoptik JC23

Diese Kamera haben wir (so genau weiß ich es nicht mehr) so zwischen 1999 und 2001 für 99 DM bei Aldi gekauft. Sie sollte unsere Nikon RF2 als Immerdabeikamera ersetzen, die zwar noch funktionierte, aber nach einem Sturz teilweise mit Tesafilm zusammengehalten wurde. Neben dem Aldi-typischen niedriegen Preis sprach die gute Ausstattung mit Zoomobjektiv und sinnvollen Automatikfunktionen und auch (ich geb es zu) der Markenname für die Kamera. Ich glaube, wir haben trotz allem nicht viele Filme damit verknippst.

Viel interessanter als die Kamera selbst ist die wechselvolle Geschichte der Marke Jenoptik, die ein schönes Beispiel dafür ist, dass Markennamen einerseits einen eigenen Wert besitzen und damit länger leben können als das ursprüngliche Produkt, das der Marke mal einen Sinn gab. Auf der anderen Seite zeigt die Geschichte der Kameramarke Jenoptik, dass das Konzept nicht trägt, wenn nicht wirklich nachhaltig Qualität transportiert wird. 
Wie war das aber nun konkret mit dieser Marke? Die Geschichte reicht natürlich zurück ins Jahr 1846 als Carl Zeiss in Jena seine feinmechanische-optische Werkstatt gründet, aus der der Optik- und Kamerakonzern Carl Zeiss entsteht, der durch die deutsche Teilung 1945 in zwei Unternehmen, den VEB Carl Zeiss Jena und die westdeutsche Carl Zeiss AG aufgepalten wird. Nach der Wiedervereinigung wird aus dem VEB über Umwege die Jenoptik GmbH, die zu 100% dem Land Thüringen gehörte und die durch eine umfassende Restrukturierung und schließlichen Privatisierung zur heutigen Jenoptik AG wurde. Die wesentlichen Fotobereiche wurden schon frühzeitig an die westdeutsche Carl Zeiss AG verkauft, das Kapital anscheinend sinnvoll in andere Industriefelder investiert. Diese haben aber mit Kameras für den Endverbraucher gar nichts mehr zu tun. 1996 wurde als Tochterunternehmen die Jenoptik Vierzehnte Verwaltungsgesellschaft mbH gegründet, mit dem wohl einzigen Zweck, den Markennamen auch für Endverbraucherprodukte wie analoge und später digitale Kameras auszuschlachten. Gebaut wurden diese Kameras nicht in Jena, sondern in Fernost. Wenn  z.B. Skanhex (der Taiwanesische Lohnhersteller für einige Digitalmodelle) draufgestanden hätte, hätten wohl viele Käufer in Deutschland und auch anderswo von einem Kauf abgesehen. Insofern hatte die Marke einen Wert. Viel Gewinn kann dabei aber nicht abgefallen sein, denn fast im Jahresrythmus wird der Besitzer der Kameramarke umfirmiert, 2000 gehts an die Börse und der neue Besitzer landet schließlich in einer Insolvenz.
Die Marke übernimmt 2004 die Concord Camera Group durch den Abschluss eines weltweiten Lizenzvertrag über die Marke Jenoptik und das ehemalige Firmenlogo der Jenoptik AG. Aber auch hier ist 2009 Schluss. Inzwischen ist wohl auch dem letzten Verbraucher klargeworden, dass Jenoptik-Kameras aber auch garnichts mit Carl Zeiss oder der Optikhochburg Jena zu tun haben. Ein Markenimage muss man halt auch ein bisschen mit Qualitätsprodukten pflegen. Die Jenoptik AG hat seit ein paar Jahren ein neues Logo (siehe links) und erfreut sich wohl in ihrer neuen Industrie-Optik Nische bester Gesundheit.

2011-02-09

Nikon RF2

Irgendwann, vermutlich 1993 kam diese kompakte Nikon in unseren Haushalt, um eine Kamera zu haben, die man einfach immer dabei hat und die trotzdem gute Fotos macht. Wir haben sie gebraucht für ca. 100 DM gekauft und sie hat wirklich gehalten was wir uns versprochen hatten. 

Nikon hat diese Kamera 1988 als Nachfolgerin der RF auf den Markt gebracht, neben einem leicht modifiziertem Gehäuse hatte sie ein 30 sec. AF-Speicher und einen Doppelten Selbstauslöser für 2 Bilder nacheinander. Als Objektiv dient ein 35 mm f 3.5 mit Autofokus und Naheinstellgrenze bis 65 cm, aber zu sonstigen technischen Details finden sich kaum Infos.

Fast alles geht automatisch an der Kamera, Filmtransport und -Rückspulung, wie man am Bild sieht, wird auch per DX der Film automatisch erkannt. Gut fanden wir damals, dass zwei einfache AA-Batterien verwendet werden, anstatt irgendwelcher speziellen und teuren Kamera-Typen. Fast alles ist aus Plastik an dieser Kamera, was der Funktionalität keinen Abbruch tut. Uns ist sie irgendwann runtergefallen; wie man sieht, ist die Scheibe vor Blitz und Sucher gebrochen. Trotzdem funktioniert das Ding immer noch!

2011-02-05

Autoknips


Dieser mechanische Selbstauslöser stammt aus der Exa-II Fotoausrüstung meines Vaters und ist ein Beispiel für externes Zubehör, welches im Laufe der Zeit seinen Weg in die Kameras gefunden hat. Gleiches gilt u.a. für Belichtungsmesser und Blitzgeräte, die heute in fast allen Kameras eingebaut sind. Gebaut wurde er in den 60er Jahren von der Firma Klapprott & Lampe in Hamburg, es gibt verschiedene Modelle davon, mir scheint es, dass er zumindest in Deutschland damals wenig Konkurrenz hatte. Nunja, die kam dann in Form der in den Kameras integrierten Selbstauslösern.

Das Ding hat noch leidlich funktioiniert, als ich es vor 25 Jahren in Besitz genommen habe, man schraubt es in den Drahtauslöseranschluss der Kamera und zieht das Uhrwerk auf, indem man den roten Zeiger, der aussieht wie ein Bahnsignal nach oben dreht. Wenn man den kleinen Sperrschieber an der Seite löst, geht's schnurrend los und der Signalzeigner läuft zurück in die Ausgangsposition und am Ende löst die Kamera aus. Das dauert so ca. 10-15 Sekunden. Zeit genug, um sich selbst im Bild unterzubringen.  
Als ich jetzt wieder in die Hand genommen habe, musste ich feststellen, dass es nicht mehr funktioniert. Ein kleiner Messingstift im Uhrwerk war gebrochen, wie ich beim Zerlegen festgestellt habe.

Nachtrag vom 20.6.2019: Ich habe heute eine ganz tolle Web-Seite nur über Selbstauslöser entdeckt: hier ist sie... 

2011-01-31

Zett Ikolux afs


Dies ist mein zweiter und wohl auch letzter Diaprojektor. Für meinen ersten, den Agfa Diamator M bekam ich irgendwann keine Spezialglühlampen mehr oder sie wurden immer teurer, ich glaube am Ende war der Preis über 40 DM und gehalten haben sie auch nicht sehr lange. Daher habe ich am 8. September 1994 beim Foto-Basar in Bielefeld zugeschlagen und mir für 239 DM den Zett Ikolux Afs gekauft.  Dieser hat eine 150 W, 24V Halogen-Birne und ich kann mich nicht erinnern je eine davon nachgekauft zu haben.

Der Markenname Zett war Anfang der 90er wieder aus der Versenkung geholt worden.  Das Zett-Projektorenwerk in Braunschweig wurde schon 1928 gegründet und gehörte später zu Zeiss Ikon. Dort wurden dann z.B. die Zeiss Ikon Royal Projektoren gebaut. 1990 wurde es an Leica verkauft und seitdem baute man dort fast baugleiche Diaprojektoren unter den Markennamen Zett Ikolux (Weiterführung der Zeiss Ikon Serie) und Pradovit (die Leica-Marke). 2004 wurde Zett dann an einen Finanzinvestor verkauft und firmiert seither unter Zett-Optics GmbH. Diaprojektoren baut man dort seit dem nicht mehr. Mehr über die Geschichte von Zett und Leica-Projektoren erfährt man hier.

Der Ikolux war (bis auf Rundmagazine) ein "Allesfresser", was die Diamagazine angeht. Ich bin damals dann von den Standard-Magazinen mit den Hamafix-Rähmchen auf die Agfa/Reflecta-CS Magazine und CS-Rähmchen umgestiegen (allerdings nur für neue Dias, umgerahmt habe ich nie!). Das Objektiv, ein Talon 85 mm f2.8 wirkt mit seiner Plastikfassung etwas billig, hat aber meinen Ansprüchen genügt. Eigentlich sollte man ja mindestens so gute Optiken zum Projizieren verwenden wie beim Fotografieren, aber soweit habe ich damals noch nicht gedacht. Das Ding steht nun neben meinen über 5000 Dias im Keller, zuletzt benutzt habe ich ihn wohl 2006 kurz bevor bei mir die erste digitale SLR eintraf.

2011-01-27

100 Jahre moderner Farbfilm - Invention of the modern multilayer color film

Das ist Dr. Rudolf Fischer, der heute vor 130 Jahren in Berlin geboren wurde. Als er vor 100 Jahren dreißig wurde, arbeitete er schon ein paar Jahre als Chemiker bei der NPG in Berlin-Steglitz. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Hans Sigrist hatte er die grundlegende Idee für den modernen Farbfilm und hat diese auch in zwei Patenten geschützt bekommen. Patent DRP 253335 ist interessanterweise auf Rudolf Fischer selbst registriert und behandelt die chemische Grundlagen zur Erzeugung der Farbstoffe während der Filmentwicklung (erteilt am 7. Februar 1912), während das nach der Nummer her später eingereichte DRP 257160 auf die NPG registriert ist und schon am 14. Juni 1911 erteilt wurde. Es beschreibt mehrere Möglichkeiten der technischen Umsetzung zur Farbfotografie, u.a. auch die des Mehrschichtenfarbfilms, so wie wir ihn heute kennen.

This is a picture of Dr. Rudolf Fischer, who was born on January 27, 1881 in Berlin. When he turned thirty over 100 years ago, he was working as a chemist at the NPG in Berlin-Steglitz. Together with his colleague Dr. Hans Sigrist he had the basic idea for the modern color film and they got granted two patents. Interestingly, patent DRP 253335 has been registered to Rudolf Fischer himself and covers the basic chemical idea for the formation of dyes during the film development (granted on February 7, 1912). In contrast, DRP 257160, which according to the number was filed later, has been registered to the NPG and was already issued on the June 14, 1911. It describes several ways of technical implementation for color photography, including the multilayer color film as we know it today. 
Die Neue Photographische Gesellschaft (NPG) war damals die größte Fotofirma der Welt, konnte ihre Bedeutung aber nicht über den ersten Weltkrieg retten und auch die bahnbrechenden Patente zum Mehrschichtenfarbfilm nicht nutzen. Vor dem Krieg nutze man die neuen Erkenntnisse allerdings zur Produktion des sogenannten Chromalpapiers, welches in zehn verschiedenen Farbtönen angeboten wurde. Bilder auf solchem Papier waren allerdings keine wirklichen Farbfotografien, sondern lediglich gefärbte Schwarz-Weiß-Fotos.
The Neue Photographische Gesellschaft (New Photographic Corporation, NPG) was the largest photo company in the world these days. However, they could neither sustain their importance through the First World War, nor make any use of the pioneering patents for the multilayer color film. Before the war, they used the new findings to produce the so-called Chromal Paper, though. This specialty was offered in ten different colors, however, pictures on it were not actual color photographs, but only colored black and white photos.

Was war denn nun aber die bahnbrechende Idee? Fischer suchte damals nach Wegen, statt des schwarzen Bildes, welches bekanntermaßen aus kolloidal verteiltem Silber besteht, ein farbiges Bild zu erzeugen. Er wusste, dass manche Entwickler, führt man die Entwicklung nicht ganz korrekt aus (man muss das Sulfit weglassen) zu gefärbten Bildern führen. Er erkannte, dass die farbgebenden Substanzen die Oxidationsprodukte der Entwickler sind (das Silberbromid wird im Gegenzug zu Silber reduziert). Wie er schreibt (DRP253335): "Die so erzielten Färbungen sind jedoch [...] nicht sehr markant [...]. Es wurde nun gefunden, daß man zu außerordentlich stark farbigen Bildern [...] gelangen kann, indem man [...] zu den Entwicklern [farblose] Stoffe hinzufügt, die sich mit den beim Entwickeln entstehenden Oxidationsprodukten des Entwicklers zu schwer löslichen gefärbten Körpern kuppeln." Heute nennt man diese Substanzen in der Fotochemie Farbkuppler und sie sind tatsächlich Bestandteil der Entwicklerchemie (Kodachrome-Prozess) oder weit mehr verbreitet (Agfacolor, Ektachrome, etc.) bereits in der Filmemulsion enthalten. Interessanterweise gelingt es mit nur einer Entwicklersubstanz (z.B. N,N-Diethyl-p-Phenylendiamin) und drei verschiedenen Farbkupplern die drei Grundfarben zu erzeugen.
What was the revolutionary idea, though? Fischer was looking for ways to generate a colored instead of the black image, which is known to stem from colloidally dispersed silver. He knew that some developers, if you did the development not quite correct (you must omit the sulfite) lead to colored images. He realized that the coloring substances are the oxidation products of the developer (in return the silver halide is reduced to form silver). Fischer stated (in DRP 253335): "The thereby achieved colorations may not be very prominent [...]. It has now been found that one can get to extremely strong colored images [...] by adding [colorless] substances to the solution which couple with the oxidation products formed during development and lead to insoluble colored bodies." Today, in photochemistry we call these substances color couplers and they are actually part of the developer chemicals (Kodachrome process) or far more prevalent (Agfacolor, Ektachrome, etc.) included in the film emulsion. Interestingly, it is possible to use only one single developing agent (for example N, N-diethyl-p-phenylenediamine) and three different color couplers to produce the three primary colors.
In DRP 257160 Fischer described the structure of the modern color film quite accurately (page 2, lines 12-36). He even did not forget to mention the yellow filter layer (lines 52-58). In the last section of the description, just before the examples he named the remaining unsolved technical problem: "... to prevent the diffusion of the coloring substances [between the layers]". His proposed solution using intermediate layers failed later. This problem, which for about 20 years prohibited a successful commercial multilayer color film, was eventually solved. Not only one solution was provided, it was even done twice independently, in order to be optimized again for the latest method still used today. More about these things later…
Fortunately, Rudolf Fischer was allowed to witness this breakthrough. Because of the by then expired patents he did not made any money with his invention. Instead, in 1944 for his contribution to color photography he was awarded the silver Leibniz Medal from the German Academy of Sciences. Otto Hahn gave the eulogy, present were also Max Planck, Werner Heisenberg, and other notables.
Im DRP 257160 beschreibt Fischer den Aufbau des modernen Farbfilms schon recht genau (Seite 2, Zeilen 12-36), er vergisst auch nicht die Gelbfilterschicht zu erwähnen (Zeilen 52-58). Im letzten Abschnitt der Beschreibung, kurz vor den Beispielen benennt er aber das damals ungelöste technische Problem, "... die Diffusion der farbgebenden Stoffe [zwischen den Schichten] zu verhindern". Seine vorgeschlagene Lösung mit Zwischenschichten funktionierte nämlich nicht. Dieses Problem, welches einen kommerziellen Mehrschichtenfarbfilm unmöglich machte, wurde erst 20 Jahre später gelöst, und zwar gleich zweimal unabhängig von einander, um dann nochmal zum letzten heute noch verwendeten Verfahren optimiert zu werden. Dazu hier an dieser Stelle später mehr.
Rudolf Fischer hat dies zum Glück noch miterleben dürfen, auch wenn er wegen der ausgelaufenen Patente finanziell nichts mehr davon hatte. Er hat 1944 von der Akademie der Wissenschaften die silberne Leibniz-Medaille für seinen Beitrag zur Farbfotografie verliehen bekommen, Otto Hahn hielt die Laudatio, anwesend waren auch Max Planck, Werner Heisenberg und andere Honoratioren.



Die anderen Teile dieser kleinen Geschichts-Serie...
Other parts of this little history series... 
2) Kodachrome
3) Agfacolor Neu
4) Ektachrome and Kodacolor

2011-01-25

Olympus Zuiko ED 40-150 f4-5.6

Dieses äußerst kompakte Telezoom kam zusammen mit der Olympus E-420 im sog. "Double-Zoomkit" in unseren Haushalt. Optisch gesehen für ein Standard-Objektiv eine erstklassige Konstruktion mit einem ED-Element im Zentrum. Die sonstigen technischen Daten sind unspektakulär, das Zoom ist so kompakt, dass man es in der Fototasche leicht mit seinem Double-Zoomkit Bruder 14-42 verwechselt. Beim Zoomen Richtung Tele fährt es allerdings nochmal gehörig aus, wirkt dabei aber nicht klapprig:

Es gehört zur "Standard-"Objektivserie von Olympus, allesamt Optiken für den kleinen Geldbeutel, dieses hier bekommt man einzeln für knapp über 100€ neu. Da verwundert es nicht, dass selbst das Bajonett aus Plastik ist, was für Ottonormaluser aber kein Nachteil sein muss. Insgesamt ergibt sich ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis.

Bezüglich der Kompaktheit möchte ich noch einen historischen Vergleich mit meinem ersten Telezoom machen, dem Tokina 80-200 f4 für meine Nikons. Anfang der 1980er war es selbst eines der kompaktesten Zooms in diesem Brennweitenbereich. Wie man sieht, hat sich in den vergangen 30 Jahren enorm was getan, ich habe auch noch gewogen: 220 g vs. 574 g. Trotzdem hinkt der Vergleich natürlich wegen des unterschiedlichen Bildformats: Trotz formal gleicher Lichtstärke und Bildwinkel ist das Olympus bzgl. Tiefenschärfe eigentlich als ein f8.0-Objektiv zu werten und sowas hätte man auch damals schon kompakter hinbekommen.

Ich hatte es schon irgendwo geschrieben, ich bin kein großer Telefreund und benutze das Objektiv selbst sehr selten. Frau und Tochter hingegen lieben es und machen beide schöne Fotos damit.

2011-01-21

Dacora digna 6x6 Achromat

Diese Dacora digna stammt aus den Beständen meines Schwiegervaters, auch er hat sie irgendwann von Verwandten übernommen und nie viel damit selbst fotografiert. Diese Kamera wurde von 1954 bis 1959 vom Kamerawerk Dangelmaier & Co, Reutlingen produziert und anfangs für sagenhaft günstige 18 DM angeboten. Es ist eine sogenannte Springtubus-Kamera und ist von der Ausstattung (und vom Preis)  eher mit den Boxkameras vergleichbar, trägt aber um den Hals hängend nicht so auf und sieht auch schicker aus.
Das Ding gab es in verschiedenen auch höherwertigen Ausführungen, diese hier ist die billigste und verbreitetste und besitzt mit dem 80mm f8 Achromaten ein wirklich simples, zweilinsiges Objektiv, welches man nur auf f11 abblenden konnte. Der Verschluss konnte auch nur 1/50 s oder B(eliebig). Die besseren Ausfürungen hatten lichtstärkere Objektive und variablere Verschlüsse. Alle hatten sonst das selbe Gehäuse für 120er Rollfilm für das Mittelformat 6x6 cm.