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| Dial-set (Rädchen) Compur der Größe 0 an meiner Krauss Rollette von ca. 1926. Die Compur Seriennummer ist sechsstellig, aber leider nicht mehr lesbar |
Vor über 4 Jahren habe ich an dieser Stelle ein modifiziertes Seriennummer-Schema für den Compur-Verschluss vorgeschlagen, dass ich dann vor 2 Jahren noch einmal verfeinert und berichtigt habe.
Die wesentliche Erkenntnis: Deckel hat beim Compur nicht einfach nur hochgezählt, sondern es gab bewusste Sprünge innerhalb der Nummernsequenz, die bei der Einführung von Neuerungen (RIM-Set, bzw. Rapid) gemacht wurden. Auch hat Deckel Zeiss Ikon andere Nummernbereiche zugeordnet als ihren Konkurrrenten, was in den 1930er Jahren für Verwirrung sorgen sollte.
In einem weiteren Beitrag zum Thema der vier- und fünfstelligen Nummern habe ich mich dann mit den ersten 20 Jahren der Compur-Produktion beschäftigt. Durch die Hilfe einiger meiner Leser konnte ich auch hier etwas Licht ins Dunkle bringen. Dieser Beitrag heute soll dieses Kapitel abschließen und ich will unten die wesentlichen Fakten zur Compur- (bzw. Compound) Nummernsequenz knapp aber präzise zusammenfassen...
Doch zunächst löse ich mein Versprechen ein und präsentiere hier diese Grafik als Auswertung der großartigen Nummernliste von Kameras aus dem Zeiss-Ikon-Komplex (ICA, Goerz, Contessa-Nettel und ZI ab 1926), die ich vom Sammlerkollegen Pavel Krumphanzl bekommen habe. Ich habe den Kameras auf Basis ihrer eigenen Gehäusenummer (im Falle von Goerz: Objektivnummer) ein Produktionsdatum zugeordnet und stelle dies der am Verschluss gefundenen Seriennummer gegenüber. Wichtig zu betonen ist es, dass das Datum natürlich nicht das Produktionsdatum des Verschlusses ist. Dieser wurde vermutlich schon früher produziert, ggf. sogar schon Jahre früher. Außerdem hat natürlich auch die Kameradatierung ihre Fehler und bei manchen Kameras könnte auch nachträglich ein alter oder auch ein neuerer Verschluss als Reparatur verbaut worden sein. Daher ist das oben keine schöne Korrelation, sondern eher eine Datenwolke, der man wegen der großen Datenbasis aber durchaus ein paar Erkenntnisse entnehmen kann.
Hier nun aber wie versprochen die Zusammenfassung der "Fakten"...
- Die frühen Jahre: Deckel begann mit der Compound-Fertigung ca. im Jahr 1905 und zählte von unten hoch. Vierstellige Compound-Nummern sind bekannt. Ab ca. 1912 kommt der Compur hinzu, beide Verschlüsse teilen sich einen Nummernkreis, der Compur startet schon 6-stellig bei ca. 214,xxx. Während des 1. Weltkrieges (ab 1915 bei ca. 340,xxx) werden keine Verschlüsse produziert.
- 6-stellige Seriennummern (340,xxx bis 9xx,xxx): Während der 1920er Jahre wird die Produktion signifikant ausgebaut und fast nur noch der Compur produziert. Von Anfangs ca. 50-Tausend steigerte man sich auf über 300-Tausend Exemplare pro Jahr am Ende des Jahrzehnts. Die Kamerahersteller wurden wohl blockweise bedient: Man findet z.B. 300,xxx bis 450,xxx Nummern gehäuft bei ICA-Kameras, Contessa-Nettel Kameras haben häufig einen 6xx,xxx-Verschluss, etc.
- Niedrige Compur-Nummern (x,xxx bis 280,xxx): Mit dem Erfolg des Compur reicht der 6-stellige Nummerkreis nicht mehr lange, ca. 1926 wird die Millionenmarke erreicht. Vermutlich weil man die Nummern-Gravur-Maschinen nicht so schnell auf 7 Stellen umstellen konnte, erhalten Compur-Verschlüsse wieder 4-, 5- und niedrige 6-stellige Nummern bis ca. 280,xxx. Die meisten der gesichteten Kameras mit solchen Verschlüssen stammen aus dem Jahr 1927.
- 1,xxx,xxx: 1928 kommt der RIM-Compur auf den Markt und Deckel versieht alle Verschlüsse dieser Art für Zeiss Ikon und Carl Zeiss Jena mit einer 1,xxx,xxx Nummer während alle anderen Kamera- und Objektivhersteller einen 2,xxx,xxx bekommen. Inzwischen läuft aber auch die Produktion der Dial-Set-Verschlüsse auf längfristig niedrigerem Level weiter. Hier wird einfach weiter hochgezählt und so bekommen auch diese eine 1,xxx,xxx Nummer, diesmal aber für alle Abnehmer. Interessanterweise gibt es im oberen Bereich dieses Nummernkreises eine größere Lücke: Die höchste gesichtete Nummer in diesem Segment ist ca. 1,45x,xxx.
- 2,xxx,xxx und (ab ca. 1935) 3,xxx,xxx: Rim-Set Compur Verschlüsse (bis 1/300 s) für den allgemeinen Markt von 1928 bis ca. 1938. (Zeiss Ikon: 1,xxx,xxx)
- 4,xxx,xxx: Compur Rapid (1/500 s in Größe 00, bzw. 1/400 s) für Zeiss Ikon Kameras (1934 bis ca. 1940)
- 5,xxx,xxx: Compur Rapid (1/500 s in Größe 00, bzw. 1/400 s) für alle anderen Hersteller.
- A,xxx,xxx und 0,0xx,xxx: Compur-Verschlüsse (nicht Rapid) ab irgendwann in 1938 als der Nummernkreis 3,xxx,xxx ausgereizt war, die 4,xxx,xxx aber schon an den ZI-Rapid vergeben. Ob beide Versionen parallel (auf verschiedenen Maschinen) oder nacheinander verwendet wurden, ist nicht belegt.
- 6,xxx,xxx bis 8,6xx,xxx: Compur-Rapid (bis 1951) bzw. Synchro-Compur (1952 - 1954). Ob schon 1939 oder 1940 6,xxx,xxx verwendet wurde oder erst nach dem 2. Weltkrieg ist unsicher. Ab 1954 wird wieder mit neuem Seriennummern-System gezählt, allerdings ist diese Nummer nur noch intern und von außen an den Kameras nicht mehr sichtbar.
- 258,646 ist (bis auf eine Ausnahme) keine Seriennummer, auch wenn sie oft unbedarft als solche angegeben wird. Es ist die Nummer des Deutschen Patents zum Compur.
Fazit: Mit der Compur-Seriennummer allein ist prinzipiell keine genaue Altersbestimmung von Kameras oder Objektiven möglich. In Kombination aber mit einer Gehäuse- und im besten Fall auch Objektivnummer können uns diese Zahlen einiges erzählen. Insbesondere bleiben ungewöhnliche Kombinationen spannend. Ich werde der (möglicherweise) blockweisen Abgabe von Verschlüssen an einzelne Hersteller noch weiter nachgehen.


Baldina: o.Ser. / Linse: Schneider-Kreuznach, 903733, 1936 / Compur: RIM, 3231328,
AntwortenLöschenDollina II: 1489, 1936 / Linse: Schneider-Kreuznach, 830914, 1935 / Compur: RIM, 3152401,
Rolleicord 1: 34372, 1935 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1604617, 1935 / Compur: RIM, 3062518,
Rolleicord 1: 62188, 1935 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1626343, 1935 / Compur: RIM, 3008698,
Rolleicord 1: 74160, 1936 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1757205, 1936 / Compur: RIM, 3139590,
für die folgenden beiden Modelle hat F&H die Linsennummer als Seriennummer verwendet:
Rolleicord 1a: 1761145, 1936 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1761145, 1936 / Compur: RIM, 3212427,
Rolleicord 1a: 1949580, 1937 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1949580, 1937 / Compur: RIM, 3447553,
Rolleicord 1a: 1057439, 1935 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1760419, 1935 / Compur: RIM, 3319185,
Rolleicord 1a: 669620, 1938 / Linse: Carl Zeiss Jena, 2259461, 1938 / Compur: RIM, 3718552,
Rolleicord 1a: 984480, 1940 / Linse: Carl Zeiss Jena, 2663274, 1940 / Compur: RIM, A348268,
Rolleiflex 4x4: 128499, 1931 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1242697, 1931 / Compur: RIM, 2275753,
Rolleiflex 6x6: 88740, 1930 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1109142, 1930 / Compur: RIM, 2248810,
Ica Maximar 107/1: L84790, 1926 / Linse: Carl Zeiss Jena, 749892, 1927 / Compur: DIAL, 111543,
Parvola 4x6,5: 348940, 1931 / Linse: Schneider-Kreuznach, 396100, 1930 / Compur: RIM, 1084436,
Parvola 4x6,5: 443476, 1936 / Linse: Ihagee, 94870, 1936 / Compur: RIM, 3055176,
Korelle 3x4: o.Ser. / Linse: Schneider-Kreuznach, 409553, 1931 / Compur: RIM, 2374732,
Patent Etui: 36233 / Linse: Meyer-Görtlitz, 488761, 1932 / Compur: DIAL (AGC), 312414,
Rodenstock 6x6: o.Ser. / Linse: Rodenstock, 714984, 1938 / Compur: RIM, 5???372,
Rodenstock 3x4: o.Ser. / Linse: Rodenstock, 489696, 1931 / Compur: RIM, 2398872,
Voigtländer 5x8: A458173, 1929 / Linse: Voigtländer, 502484, 1929 / Compur: RIM, 2479772,
Voigtländer 5x8: A566177, 1929 / Linse: Voigtländer, 625182, 1929 / Compur: RIM, 2065149,
Bergheil 10x15: 77184 / Linse: Voigtländer, 350820, 1928 / Compur: DIAL, 33125,
die Bergheil hatte irgendwann mal einen größeren Unfall und wurde ziemlich wild zusammengeflickt. Auf jeden Fall erzählt sie eine eigene Geschichte, ich bezweifle jedoch das die Teile so zusammengehören,
Inos II: E177207, 1933 / Linse: Voigtländer, 831294, 1933 / Compur: RIM, 2578343,
Perkeo 3x4: 71632 / Linse: Voigtländer, 818010, 1933 / Compur: RIM, 2564062,
Virtus: E211186, 1933 / Linse: Voigtländer, 833587, 1933 / Compur: RIM, 2629105,
Watson 6x9: o.Ser. / Linse: Schneider-Kreuznach, 468462, 1931 / Compur: RIM, 2386655,
Weltax: 2482 / Linse: Carl Zeiss Jena, 3279418, 1949 / Compur: RIM, 6717257,
Weltix: o.Ser. / Linse: Steinheil, 483658, 1940 / Compur: RIM, A437472,
Ikonta 520/2: R61073, 1930 / Linse: Carl Zeiss Jena, 1163663, 1930 / Compur: RIM, 1101447,
Super Ikonta A 531: H71749, 1938 / Linse: Carl Zeiss Jena / Compur: RIM, 1591841.
Hi Christoph,
AntwortenLöschenI came across your Compur serial number work while trying to date a Super Ikonta 530 (4.5x6) I recently picked up, and I ended up with a question I hope you can answer.
The shutter is serial 4043891, so it sits right at the bottom of the Zeiss Ikon 4,xxx,xxx block you identified — in fact only about 1,100 numbers away from the 4042746 Nettar reported in your comments. What puzzles me is the engraving: the front plate says simply "COMPUR", with no "RAPID" anywhere on it, yet the speed ring reads T, B, 1, 2, 5, 10, 25, 50, 100, 250, 500. A Rapid mechanism in plain Compur dress, and with T still present.
I went through your 2020 post and its comments and couldn't find this combination, but I haven't checked your 2023 and 2025 updates in any detail — so my question is simply whether you have other examples of it on file. I also wonder whether some of the 4,xxx,xxx shutters reported to you might be marked the same way, since a contributor would naturally write "Compur Rapid" for anything reaching 1/500 without necessarily noting what the front plate actually says.
The rest of the camera:
- Lens: Carl Zeiss Jena Tessar 1:3.5 f=7cm, Nr. 1693983 (1935-36)
- Body: no double-exposure prevention, release lever on the shutter itself with two positions, so a 530 type I rather than Ia
- Body serial: none found. I checked the film chamber walls, around the pressure plate and the bellows chamber under raking light — nothing there. It seems this one left the factory unmarked.
Out of curiosity I also ran the shutter on a simple LED tester. 1/500 measured 1/440, and everything else came within a third of a stop except 1/10, which runs fast. The booster spring is clearly still alive after 90 years.
Happy to send photos of the front plate and the serial if that would be useful. Thanks for putting all this together — it made dating this camera far easier than it had any right to be.
Best regards,
Funamushi (Japan)