2015-03-28

Konica FS-1


Oft wird die Konica FS-1 als erste Spiegelrefelxkamera mit eingebautem motorischen Filmtransport bezeichnet, aber das is nicht ganz korrekt. Diese Ehre gebührt der russischen Zenit 5 (KMZ), die schon 1964 einen akkubetriebenen Elektromotor besaß. Auch nach dieser gab es noch einige Sondermodelle (z.B. Minolta SRM), bei denen der Motor quasi permanent angebaut war. Ab den späten 70ern wurden externe Motor- oder Winderantriebe sehr populär. Kaum eine Neuerscheinung, die nicht mindestens einen von beiden als Zubehör im Programm hatte. Die Konica FS-1 war dann aber die erste, die von einem neuen kernlosen und effizienten Mikromotor Gebrauch machte und diesen in einem ebenfalls innovativen automatischen Filmeinfädel- und Aufwickelmechanismus integrierte. Damit wuchs sie nur nach rechts (wenn man sie in der Hand hält) um das unvermeidliche Batteriefach, das die Designer zu einem praktischen Handgriff formten. Ansonsten ist die Kamera so kompakt wie ihre motorlosen Konkurrenten.

Als Konica mit der FS-1 1979 auf den Markt kam, wies sie den Weg für einen neuen Designstandard, den die SLR der 80er Jahre ausmachen sollte. Die Konkurrenz folgte mit sehr ähnlicher Formensprache (Canon T50, Pentax A3/A3000, Nikon F301/N2000), die Canon T70 bot 1984 dann auch motorisches Rückspulen. Zum vollautomatischen Filmhandling fehlte dann nur noch DX-Code-Auswertung, was bei der Minolta 7000 AF dann 1985 erstmalig alles zusammen bei einer SLR realisiert wurde. Diese bot als Hauptmerkmal Autofokus und stellt den kameratechnischen Höhepunkt für 135er Film-SLRs dar. Außer der Tatsache, dass das Design später runder und geschmeidiger wurde kam danach bis zur digitalen Revolution eigentlich nichts Entscheidendes mehr. Sogar heutige DSLR stehen nach wie vor in dieser Tradition, auch wenn motorischer Filmatransport natürlich obsolet ist.
Links im Bild ist das typische SLR-Set der 80er, wie es damals viele Haushalte anschafften, selbst wenn man nicht besonders hohe fotografische Ambitionen hatte. Es bestand aus einer möglichst komfortablen, sprich automatischen Kamera (die Konica FS-1 hat eine Blendenautomatik) sowie zwei Zoomobjektiven, die einen Brennweitenbereich von 28-80 und 80-200 mm abdeckten. Gerne griff man hier des günstigen Preises wegen zu Fremdherstellern, im Bild hier das Soligor 28-80 f/3.5-4.5 und Tokina 80-200 f/4.5. Hier fehlt nur noch ein (ebenfalls möglichst automatischer) Elektronenblitz. Anfang der 80er musste man dafür insgesamt ca. 1200 DM auf den Tresen des Fotogeschäftes legen. Ganz schön viel Geld, um im Urlaub 3 und sonst bei Familienfeiern nochmal 2 Filme im Jahr zu machen, aber so war das bei vielen damals. Ich war deutlich preiswerter dabei: Ich war der einzige Bieter einer $0.99 Auktion und bekam ein fast perfektes Set geschickt! 
Obwohl Konica immer mit innovativen Ideen und mutigem Design versucht hat, die Branche herauszufordern, gelang es Ihnen nie zu einem der führenden Kamerahersteller zu werden. Für eine eigene SLR-Autofokus-Entwicklung war man schließlich zu klein (obwohl man selbst die erste AF-Kamera gebaut hatte) und so warfen die Verantworlichen schon 1988 das Handtuch und man stellte die SLR Produktion ein.  Konica konzentrierte sich im Folgenden auf einfachere Kameras, ihre Filmproduktion und stellte Fotokopierer her. Im Jahr 2003 erfolgte dann der Zusammenschluss mit Minolta, die das Kamerageschäft aber 2006 an Sony verkauften. Konica-Minolta stellen aber immer noch Fotokopierer her.


Datenblatt Erste SLR mit automatischer Filmeinfädelung und motorischem Filmtransport
Objektiv Wechselobjektive mit Konica AR-Bajonett.
Verschluss Vertikaler, elektronischer Metall-Lamellenschlitzverschluß 1/1000s - 2s und B.
BelichtungsmessungMittenbetonte TTL-Offenblendmessung, GaAs Zelle, Empfindlichkeitseinstellung 25-3200 ASA. Blendenautomatik sowie automatische Blitzfunktionen mit X24 Blitz.
Fokussierung Autofokus mit AF-Motor in der Kamera. Schärfeindikator mit drei LED im Sucher, Datenkommunikation mit AF-Objektiv durch 5 Kontakte am Bajonett, manueller Fokus.
Sucher SLR, 90% des Bildfelds, Suchervergrößerung 0.67x (mit 40mm). LED-Anzeige der ermittelten Blende.
Blitz Mittenkontakt im Zubehörschuh und Synchronbuchse (X). 1/100s Synchronzeit bei Systemblitz, sonst 1/60s. Zusätzliche Kontakte für Systemblitz.
Filmtransport motorisch bis zu 1.5 B/s, Rückspulen manuell, Bildzählwerk.
sonst. Ausstattung elektronischer Selbstauslöser, keine Abblendtaste, Anschluss für elektrischen Fernauslöser, Hauptschalter.
Maße, Gewichtca. 146/90/46 mm, 560g ohne Objektiv und Batterien
Batterie 4 x AA (Standard Alkali-Mangan).
Baujahr(e)1979-1983 (diese: Januar 1979)
Kaufpreis, Wert heuteca. 500 DM (Gehäuse, 1979), heutiger Wert ca. US$10
LinksManual (english), Wikipedia, Andreas Buhl, Weber, Youtube Commercial, Konica (Camera-Wiki)

2015-03-20

Sneak preview...

Das ist meine Ausbeute von nur zwei e-bay Auktionen am letzten Sonntag, insgesamt habe ich $40.74 (inklusive Versand!) bezahlt. Nicht schlecht, finde ich. Mehr zu beiden Kameras und den Objektiven gibt's natürlich noch, aber einen Aspekt fand ich so faszinierend, dass ich hier doch mal beide nebeneinander haben wollte. 
Die Konica FS-1 war die erste SLR mit eingebautem Motorantrieb und läutete damit 1979 eine neue Generation von Kameras ein, die ich mal als 80er-Jahre SLR bezeichnen möchte. Als ich meine auspackte habe ich mit Freude festgestellt, dass laut internem Produktionssticker die Kamera aus den ersten beiden Wochen des Jahres 1979 stammt und damit wohl zu den ganz frühen Exemplaren. 
Die Kiev-4 hingegen ist bekanntermaßen ein russischer (ukrainischer) Contax III Nachbau, eine Kamera, die 1936 auf den Markt kam und als eine der ersten Kameras überhaupt einen eingebauten Selenbelichtungsmesser mitbrachte. Was man normalerweise nicht weiß, ist wie lange Arsenal die Kiev-4 in fast unveränderter Form produziert hat. Mein Exemplar gehört zum Typ 4 und laut Seriennummer (7816075) schätze ich mal den Produktionszeitpunkt auf Sommer 1978. Die Produktion der Kiev-4 wurde dann 1979 aufgegeben (andere Kiev Messsucherkameras wurden noch bis Ende der 1980er gebaut!). Das bedeutet, dass die beiden Kameras auf dem Foto oben nur ca. 6 Monate nacheinander das Licht der Fotowelt erblickten, obwohl sie zu Kameragenerationen gehören die mehr als 40 Jahre trennen. Faszinierend, halt!

2015-03-01

Contax F

Von der Contax S wird immer wieder behauptet, sie wäre die erste Spiegelreflexkamera mit Pentaprisma (1949). Sie war es höchst wahrscheinlich nicht, sondern die italinienische Rectaflex war eher auf dem Markt (schon 1948).  Trotzdem gehört eine Spiegel-Contax in jede ernsthafte Kamerasammlung, da sie die weitaus bedeutendere Kamera ist und die nachfolgende Entwicklung viel stärker geprägt hat. Den fast 187,000 Kameras der Contax S Baureihe stehen nur ca. 11,000 Rectaflex gegenüber. Außerdem startete die Entwicklung einer Spiegel-Contax schon ca. 1938, wurde aber durch Krieg und Zerstörung zu einem kompletten Neuanfang gezwungen.


Die Contax S wurde ab 1949 konsequent weiterentwickelt und verbessert, trotzdem blieben die meisten äußerlichen Merkmale nahezu unverändert über die Bauzeit der Serie. Nach den zunächst nur intern so genannten Varianten A bis C kam 1952 die Contax D als Nachfolgerin auf den Markt. In deren Bauzeit fällt dann auch der Markenstreit des ostdeutschen VEB Zeiss Ikon (danach in VEB Pentacon umbenannt) mit der letztlich siegreichen westdeutschen (wieder-) Neugründung Zeiss Ikon AG. Zunächst verschwand das Zeiss Ikon Symbol von der Gehäusekappe und wurde durch den Ernemann-Turm ersetzt. Exportkameras hießen dann Pentacon, in der DDR und  anderen Ostblockstaaten wurde aber bis ca. 1959 weiterhin Contax verwendet. Warum Pentacon und nicht der ebenfalls registrierte Name Pentax das Rennen gemacht hat, bleibt das Geheimnis der damiligen Entscheidungsträger. Pentax wurde dann ja später (devisenbringend) an Asahi lizensiert/verkauft. Nach dem Modell D kamen 1956 dann die Modelle E (mit Belichtungsmesser) und F (später noch FB, FM und FBM, alle mit Beli).

Das Modell F, was ich hier günstig für meine Sammlung erwerben konnte, hat als weltweit zweite Kamera nach ihrer Dresdener Schwester Praktica FX2 die automatische Springblende (der silberne Pin im M42-Gewinde) spendiert bekommen. Mit diesem Feature trat M42 seinen Siegeszug als Universalanschluss an. Das Tessar an meiner Kamera habe ich allerdings separat erworben und hat den Springblendenpin noch nicht. Das Objektiv gehört laut Seriennummer ins Jahr 1953 und damit eigentlich an eine Contax D.
Die Kamera ist ein solides Werkzeug, wird allerdings dem High-End Anspruch, der mit dem Namen Contax verbunden ist Mitte der 1950er Jahre nicht mehr gerecht. Dafür fehlen Merkmale wie Schnellspannhebel (Kine Exacta ab 1937!), Zubehörschuh oder Rückschwingspiegel (Praktiflex, 1939). Bei Pentacon wurden 1957 konsequenterweise die Entwicklungsabteilungen von Praktica und Contax zusammengelegt und man konzentrierte sich auf die letztendlich erfolgreichste deutsche Spiegelreflex-Serie

Datenblatt Frühe KB-Spiegelreflexkamera mit Pentaprisma
Objektiv Wechselobjektive mit M42 Gewinde, z.B. Carl Zeiss Jena Tessar 50mm f/3.5, 4 Linsen in 3 Gruppen.
Verschluss Horizontaler Tuchschlitzverschluss mit umschaltbaren Zweibereichs-Zeitenknopf B-1-2-5-10-20 (rote Skala) und  50-100-200-500-1000 (schwarze Skala), Selbstauslöser bis 10 sec. 
Fokussierung Manuell am Objektiv, Spiegelreflex mit Einstelllupe (keine Mattscheibe!), keine sonstigen Einstellhilfen.
Sucher Spiegelreflex mit Pentaprisma.
Blitz ISO-Blitzkontakt auf der linken Gehäusekappe, automatische Umschaltung je nach Verschlusszeit (X: rote Skala, F: schwarze Skala) 
Filmtransport Drehknopf, Bildzählwerk, Filmsortenmerker
sonst. Ausstattung Iso-Gewinde für Drahtauslöser, Selbstauslöser, automatische Springblende (mit kompatiblen Objektiven).
Maße, Gewichtca. 149x84x51mm, 580/695 g (o/m Objektiv)
Batterie keine.
Baujahr(e)Baureihe (S, D, E, F, FM, FBM): 1949-1962
F: 1956-1961, diese Kamera: ca. 1958
Kaufpreis, Wert heute1958: ca. 500 DM oder US$100, heutiger Wert: ca. US$ 100
LinksWikipedia, Dresdener Kameras, Camera-Wiki, Praktica Collector, Taunusreiter, Rick OlesonBedienungsanleitung, Pentax-SLR, Contax History