2014-01-25

George Eastman House

Vor dreieinhalb Jahren stand ich noch vor verschlossener Tür (es war ein Montag), gestern bin ich endlich drin gewesen. Das George Eastman House in Rochester, NY ist das älteste Fotografie-Museen der Welt und ich haben den Ehrgeiz soviele Fotomuseen wie möglich zu besuchen. Es befindet sich nicht auf dem (ehemaligen) Kodak Werksgelände (wie z.B. das Agfa/Orwo Museum in Wolfen) sondern in George Eastman's feudalem Wohnhaus in einem alten Wohngebiet Rochesters. Man kann fast das ganze Haus inklusive Garten und Wintergarten besichtigen und so einen Eindruck davon bekommen, wie einer der wohlhabendsten Fabrikanten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt hat. Über Fotografie erfährt man so nebenbei etwas, im Haus selbst steht sie nicht im Mittelpunkt. Im modernen Museumsanbau ist das anders, hier lag mein Fokus natürlich auf der Kamerasammlung...  

Leider wird davon nur die Spitze des Eisbergs ausgestellt. In einem ca. 50m2 großen, fensterlosen Raum gibt es ca. 8 Vitrinen, die natürlich hauptsächlich Kodaks Beitrag zur Kamerageschichte beleuchten (z.B. Kodak Brownies). Zwei Vitrinen sind aber auch Meilenstein-Kameras anderer Hersteller gewidmet, siehe Fotos. Besonders befriedigt hat mich, dass meine kleine bescheidene Sammlung schon einige dieser Meilensteine aufweisen kann (z.B. Canon AE-1, Konica C35AF, Minolta Maxxum, Rolleiflex, Nikon F, ...)


Ansonsten war ich etwas entäuscht. Inhaltlich könnte das Museum deutlich mehr aus dem Fundus rausholen und mehr zeigen. Auch die Filmherstellung selbst, eigentlich Kodaks Brot-und-Butter-Geschäft wird nur angerissen. Auf der positiven Seite gibt einen netten (unvermeidlichen) Museums-Shop mit angeschlossenem Cafe. Ein Besuch lohnt das Museum aber nur, wenn man sowieso in der Gegend ist, die Niagara-Fälle sind z.B. nur eine Autostunde entfernt.


Wer sich einen Überblick über die Kamerasammlung  des George Eastman House's verschaffen will (nicht nur die paar ausgestellten Highlights, sondern ausgewählte 500), dem sei Todd Gustavson's Buch darüber empfohlen (Klick aufs Bild...). Das Buch hatte ich allerdings schon lange vor meinem Besuch.

2014-01-08

Yoshihisa Maitani

Yoshihisa Maitani bei einem Interview 1983
Es gibt oder gab Tausende Kameramodelle von Hunderten von Kameraproduzenten, aber nur ca. 2 Dutzend Kamera-Designer sind mit Namen bekannt. Läßt man dann noch die frühen Pioniere weg, bleiben eine Handvoll herausragende Personen in diesem Segment übrig, an die ich hier kurz erinnern will und sukzessive in meine Fotopionierliste aufnehmen werde. Mein persönlicher Favorit aus dieser Auswahl heißt Yoshihisa Maitani. Er wäre heute 81 Jahre alt geworden und hat der Fotowelt gleich vier unterschiedliche Kamerahighlights beschert, von denen ich bereits 3 in meiner Sammlung habe.
An Maitanis Lebensweg ist schon ausführlich bei seinem Tod vor fünf Jahren erinnert worden. Ich will das alles hier nicht noch einmal wiederholen. Er ist meines Wissens auch der einzige Kameradesigner mit einer eigenen Fanpage, die fast umfassend über ihn und seine Kameras berichtet. Auch auf den offiziellen Olympus-Seiten im Netz findet sich ein ausführlicher Vortrag, den Maitani selbst im Jahr 2005 gehalten hat (Teil 1: PEN und PEN F, Teil 2: OM-1 bis XA ). Was ihn als Kameradesigner aus der Masse heraushebt, ist die Tatsache, dass bei allen vier herausragenden Designs die Funktionalität im Zentrum stand und dennoch höchst ästhetische Kameras entstanden sind. Er hat dabei vor technisch ungelösten Hürden nicht kapituliert, sondern durch deren Lösung dem Kameradesign neue Freiheitsgrade beschert.